Demmins Bauboom zwischen den Weltkriegen: Ein Vortrag beleuchtet städtische Entwicklung
Demmins Bauboom zwischen den Weltkriegen im Fokus

Demmins Bauboom zwischen den Weltkriegen: Ein Vortrag beleuchtet städtische Entwicklung

Die Hansestadt Demmin erlebte zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges einen bemerkenswerten Bauboom, der nun in einem gut besuchten Vortrag in der Hanse-Bibliothek ausführlich gewürdigt wurde. Amélie von Loeper, Mitglied der Archivsparte des Heimatvereins, präsentierte vor vollem Haus die städtische Entwicklung dieser Epoche.

Großer Andrang im Lesesaal

Der kleine Saal der Hanse-Bibliothek war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Amélie von Loeper ihre Ausführungen begann. Bibliotheksleiterin Kati Dittbrenner strahlte angesichts des regen Interesses der Demminer Bevölkerung. „Die Einnahmen dieser Veranstaltung kommen durchweg unserem Förderverein zugute“, erklärte sie zufrieden. Vor Beginn hatte Geschichtsexperte Roland Thoms noch Bedenken geäußert: „Hoffentlich ist das Thema nicht zu furztrocken! Die Gäste müssen sich das damalige Leben dazu denken.“

Bauboom trotz Weltwirtschaftskrise

Die Epoche zwischen den Weltkriegen war eine sehr schwere Zeit, geprägt von der Weltwirtschaftskrise und rapide steigender Arbeitslosigkeit in Deutschland. Dennoch trotzte Demmin diesem allgemeinen Trend mit einem regelrechten Bauboom. Die Stadt wuchs erheblich:

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  • Entstehung der Gartenstadt und Stadtrandsiedlung
  • Bau einer Kanalisation
  • Errichtung des Finanz- und Zollamtes (heute Ärztehaus) an der Adolf-Pompe-Straße
  • Bau der Eckvilla der damaligen Kreisbank (später Pommersche Bank und Deutsche Bank)
  • Erweiterung des Krankenhauses um eine Männerstation und ein Warmbad
  • Bau eines Wohnhauses für Offiziere am Barlachplatz
  • Errichtung des Feuerwehrhauses am Klinkenberg
  • Fertigstellung der Meyenkrebs-, Kahlden- und Tollensebrücke (1922-1924)

Infrastrukturelle Maßnahmen und städtische Erweiterung

Besondere Aufmerksamkeit erregte bei den Besuchern ein Bild der ehemaligen Jugendherberge, die sich auf dem Gelände des heutigen Hundesportplatzes am Rande des Devener Holzes befand. Um den enormen Kohlebedarf der Gasanstalt abzusichern, baggerte die Firma Bauckmeier den Mühlengraben aus und machte ihn schiffbar. Zusätzlich wurden Wirtschaftsbauten wie der Klänhammer-Speicher errichtet sowie das Versammlungshaus der landeskirchlichen Gemeinschaft am Marienhain.

Starkes Bevölkerungswachstum

Amélie von Loeper verdeutlichte das starke Bevölkerungswachstum dieser Zeit: Hatte Demmin 1927 noch etwa 13.000 Einwohner, lebten dort 1935 bereits mehr als 15.000 Menschen. Die daraus resultierende Wohnungsnot machte stetige Erweiterungen notwendig. „Nach der Jahrhundertwende dehnte sich die Stadt aus“, erläuterte die Referentin. Viele Besucher des Vortrages leben heute in den damals entstandenen Stadtteilen und brachten überlieferte Erzählungen ihrer Vorfahren mit ein.

Günstiger Wohnraum für Familien

Die Entstehung der Stadtrandsiedlung wurde bereits vor 1933 geplant und sollte beengte Wohnverhältnisse für Familien mit Kindern verbessern. Die Bauten wurden durch genossenschaftliche Kredite finanziert, was jedoch Nachteile mit sich brachte. „Das hatte den Nachteil, dass die Wände sehr dünn waren und erheblich an Baumaterial gespart wurde“, berichtete ein Besucher. Lilo Schlösser ergänzte: „Damals brachten die Bewohner viele Eigenleistungen ein. Die Verteilung der fertiggestellten Bauten erfolgte durch ein Losverfahren. Dann musste ein einmaliger Betrag von 400 Mark gezahlt werden, und Mietzahlungen schlossen sich an.“

Intensive Diskussion und positive Resonanz

Die Fragen der Anwesenden zu weiteren Bauten zeigten, wie intensiv sich einige Anwohner mit der Geschichte ihrer Stadt befassen. Themen wie doppelte Fußböden im Bereich der Adolf-Pompe-Straße und das stetige Ansteigen des Grundwassers wurden diskutiert. Roland Thoms, der zu Beginn Bedenken geäußert hatte, stellte abschließend fest: „Schön, dass ich mich geirrt habe, es war keineswegs furztrocken.“ Robert Fingerloos, Vorsitzender des Fördervereins der Hanse-Bibliothek, regte sogar eine Zweitauflage der Veranstaltung an, da das Baugeschehen seinerzeit so umfangreich war, dass sicherlich genug Material für einen weiteren Vortrag vorhanden sei.

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Amélie von Loeper würdigte abschließend das Wirken des Berliner Architekten und Stadtplaners Hermann Jansen für die Stadterweiterung und betonte: „Die Gartenstadt könnte ein Denkmal sein.“ Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie Demmin trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen eine bemerkenswerte städtische Entwicklung durchlief.