Freiham: Millionenprojekte verstauben - Vereinsgaststätte seit sechs Jahren leer
Freiham: Millionenprojekte verstauben - Leerstand seit Jahren

Freiham: Europas größtes Neubaugebiet kämpft mit millionenschwerem Leerstand

Im Münchner Westen, im Stadtteil Freiham, Europas größtem Neubaugebiet, häufen sich merkwürdige Phänomene: Eine Vereinsgaststätte, die seit sechs Jahren ungenutzt steht, eine Straße, die für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist, und Wohnungen, die monatelang leer bleiben. Diese Situation wirft Fragen zur effizienten Stadtplanung und Ressourcennutzung auf.

Bewohnerin Laura: "Manchmal bereue ich den Umzug"

Laura, eine 30-jährige Mutter von zwei Kindern, die für das Patentamt arbeitet, zog vor drei Jahren mit ihrer Familie nach Freiham, angezogen von den günstigen Mieten. Doch die Realität enttäuscht: "Aber manchmal frage ich mich schon, ob wir uns nicht lieber zu viert in unsere 2,5-Zimmer-Wohnung in Neuhausen hätten quetschen sollen", gesteht sie. Neben dem fehlenden U-Bahn-Anschluss vermisst sie eine Stadtbibliothek, ein Kulturzentrum und Treffpunkte für die Gemeinschaft. "Und auf der Straße steht man morgens immer im Stau", fügt sie hinzu. Laura betont, dass sie nicht nur schimpfen will, da es auch positive Aspekte gebe, aber insgesamt seien viele Versprechungen nicht eingehalten worden.

Politiker zeigen Missstände auf

Sebastian Kriesel, Chef des örtlichen Bezirksausschusses, und Stadtrat Nikolaus Gradl, beide von der CSU, führen durch Freiham und zeigen Orte, die für Millionen Euro errichtet wurden, aber ungenutzt bleiben. Sie argumentieren, dass einige Probleme schnell gelöst werden könnten, um die Lebensqualität zu verbessern.

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Vereinsgaststätte: 5,5 Millionen Euro Investition verstaubt

Erster Stopp ist der Sportcampus an der Hans-Dietrich-Genscher-Allee, ein 100-Millionen-Euro-Projekt mit Turnhallen, Schwimmbad und einer Vereinsgaststätte. Diese Gaststätte, Anfang 2020 fertiggestellt, umfasst 300 Quadratmeter mit Tresen, Küche und Terrasse, steht jedoch seit sechs Jahren leer. 5,5 Millionen Euro kostete der Bau, und der Raum ist stets verschlossen. Das Sportreferat erklärt, die Gaststätte könne von Vereinen für Veranstaltungen genutzt werden, doch es fehlen Möbel, und Kriesel weiß von keiner jemals stattgefundenen Nutzung. Eine Ausschreibung soll "zeitnah" erfolgen.

Straße: Fertig, aber gesperrt

Eine weitere Kuriosität ist eine Straße von der Aubinger Allee zur Autobahn, seit 2020 fertig, aber nur für Baustellenfahrzeuge freigegeben. Autofahrer riskieren Bußgelder, da die Polizei regelmäßig kontrolliert. Das Mobilitätsreferat begründet dies mit provisorischem Zustand, fehlender Beleuchtung und Verschmutzung durch Baustellen. Ein Umbau ist für Mai 2026 geplant, was die Nutzung weiter verzögert.

96 Wohnungen: Leerstand trotz Wohnungsmangel

Nur wenige hundert Meter entfernt stehen mehrere Häuser mit 96 Wohnungen leer, ursprünglich für Mangelberufe wie Pfleger oder Erzieher gedacht. Nach Verzögerungen in der Bauphase ist die Anlage seit Herbst 2025 fertig, bleibt aber unbewohnt. Der Eigentümer reagierte nicht auf Anfragen der AZ.

Fazit: Infrastruktur in der Warteschleife

Freiham, als Europas größtes Neubaugebiet konzipiert, leidet unter erheblichen Planungsmängeln. Während Bewohner wie Laura auf Verbesserungen hoffen, kritisieren Politiker die Verschwendung öffentlicher Mittel. Die ungenutzten Projekte symbolisieren eine Diskrepanz zwischen ambitionierten Plänen und der gelebten Realität, die dringend angegangen werden muss.

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