Güstrow: Historischer Wasserturm wird zum modernen Stadtarchiv umgebaut
Seit 2021 wird in Güstrow eines der größten Investitionsprojekte der Stadt realisiert: der Umbau des historischen Wasserturms in der Baustraße zum neuen Stadtarchiv. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1882 erhält eine vollständige Neugestaltung, um die wertvollen Archivalien der Stadt fachgerecht unterbringen zu können.
Staffelgeschoss auf Kunsthaus aufgesetzt
Ein wichtiger Meilenstein wurde kürzlich erreicht: Auf das Dach des benachbarten KinderJugendKunstHauses (KJKH) wurde ein sogenanntes Staffelgeschoss aufgesetzt. Dieses wird künftig Büros, Sanitäranlagen, einen Lesesaal und einen Serverraum für das Archiv beherbergen. Der Zugang erfolgt ausschließlich über den Haupteingang des Wasserturms, nicht über das Kunsthaus selbst.
„Der Aufbau erfolgte in nachhaltiger Holzbauweise, wobei die graue Putzfassade farblich auf die Klinkerfassade des Hauptgebäudes abgestimmt wird“, erklärt Stadtsprecherin Karin Bartock. Die statischen Herausforderungen bei diesem Teil des Projekts waren erheblich, da die Tragfähigkeit des Kunsthausgebäudes zunächst nicht ausreichte.
Statische Probleme und Kostensteigerung
Während der Bauarbeiten traten unerwartete statische Probleme auf, die zusätzliche Berechnungen und Verstärkungsmaßnahmen erforderlich machten. Im Erdgeschoss des KJKH mussten Pfeiler, Stahlträger und eine Treppenhauswand ertüchtigt werden, was nur durch Öffnung der Decke möglich war. Diese Arbeiten sind mittlerweile abgeschlossen, und die Räume werden derzeit renoviert.
Durch diese und weitere Schwierigkeiten hat sich das Bauprojekt verteuert. Die Gesamtkosten belaufen sich nun auf 5,9 Millionen Euro, was einer Steigerung von etwa 20 Prozent gegenüber den ursprünglichen Kalkulationen entspricht. Davon sind 3,5 Millionen Euro städtebauliche Fördermittel des Bundes.
Architektonische und technische Besonderheiten
Im denkmalgeschützten Wasserturm wurden auf vier Ebenen neue Archivräume geschaffen. Das fünfte und oberste Geschoss beherbergt die Lüftungszentrale, die für das konstante Raumklima sorgt – eine essentielle Voraussetzung für die Lagerung historischer Dokumente. Im Dachgeschoss verlaufen neue Leitungen für das Blockheizkraftwerk im Turm.
Für den Umbau des neugotischen Gebäudes war eine umfassende statische Ertüchtigung notwendig. Neue Decken wurden eingezogen, nahezu alle vorhandenen Decken saniert und brandschutztechnisch gesichert. Die Fassade wurde aufwendig restauriert, und das Dach erhielt eine komplett neue Deckung mit verbesserter Entwässerung.
Fertigstellung und Einzugstermin
Die meisten Installations- und Trockenbauarbeiten sind bereits abgeschlossen. Auf drei Ebenen wurde der Boden bereits beschichtet. „Die finalen Arbeiten umfassen den Einbau von Fenstern, Türen, eines Treppenhauses sowie eines Aufzugs“, so Karin Bartock. Sobald die Lüftungsanlage fertiggestellt ist, kann der Archivbetrieb starten.
Bürgermeister Sascha Zimmermann kündigte auf seinem Instagram-Account an, dass der Einzug in das neue Stadtarchiv ab August 2026 erfolgen soll. Die für das Archiv notwendigen Rollregale befinden sich derzeit in Produktion und werden in Kürze geliefert und montiert.
Auswirkungen auf das Kunsthaus
Das Kinder- und Jugendkunsthaus musste länger als geplant auf die Rückkehr in seine Räume warten. Nach Auskunft der Stadt wird dies erst in etwa sechs Wochen möglich sein. Während der Bauarbeiten wurden im nördlichen Bereich des ersten Obergeschosses einige kleine Sanitärräume abgebrochen und auf Wunsch des KJKH zu Archivräumen umgebaut.
Der neue Eingangsbereich des Stadtarchivs wird barrierefrei gestaltet und erhält eine Rampe sowie eine neue Haustür. Damit entsteht in Güstrow nicht nur ein modernes Archiv, sondern auch ein architektonisch ansprechendes Gebäude, das historische Bausubstanz mit zeitgemäßen Nutzungskonzepten verbindet.



