Schon am frühen Morgen raschelt es in der Kita Sülstorf wie in einer kleinen Redaktion. Zeitungsschnipsel fliegen über die Tische, Kinder diskutieren über Tierbabys, Feuerwehrbilder und die neue Kita im Ort. Mittendrin sitzen 15 Mädchen und Jungen der Bienengruppe und arbeiten konzentriert an ihrer eigenen Zeitung. Über ihnen baumeln Blumen und Blüten aus Zeitungspapier, schön drapiert und teilweise auch mit Farben verziert.
Kinder wissen genau, was in der Zeitung steht
Seit Februar dreht sich für die Vier- bis Sechsjährigen alles um das Thema Tageszeitung. Und längst ist daraus viel mehr geworden als nur Basteln mit Papier. Die ersten fast fertigen Exemplare liegen ordentlich vor den Kindern ausgebreitet. Bunte Seiten voller selbst gemalter Porträts, ausgeschnittener Lieblingsbilder und kleiner Geschichten zeigen, wie aufmerksam die Kinder ihre Umgebung wahrnehmen. Denn die jungen „Reporter“ berichten nicht nur über Schmetterlinge, Pferde oder Musikschulen, sie haben auch die großen Themen aus Sülstorf fest im Blick. Vor allem ein Bauprojekt beschäftigt die Kinder nahezu täglich: die neue Kita.
Wie kleine Lokaljournalisten haben sie die Grundsteinlegung bereits in ihren eigenen Zeitungen verarbeitet. Jetzt planen sie sogar den nächsten großen Schritt: ein Interview mit Bürgermeister Roland Peters zur aktuellen Bauentwicklung. Doch dabei lernen die Kinder gerade, dass Journalismus manchmal Geduld verlangt. „Wir warten noch darauf, dass er für uns Zeit hat“, erklärt die kleine Emma mit erstaunlich professioneller Gelassenheit. Emma mag besonders die Feuerwehr, natürlich hat sie ihr auch einen Ehrenplatz in ihrer Zeitung gegeben.
Digitalzeitung? Die Kinder sind bestens informiert
Dass die Zeitung heute nicht mehr nur aus Papier besteht, weiß der sechsjährige Anton schon ganz genau. „Meine Oma hat erzählt, dass es die auch im Computer gibt. Das heißt dann Digitalzeitung“, berichtet er stolz den anderen Kindern. Überhaupt sprudeln die Kinder nur so vor Ideen, wenn es darum geht, was in einer Zeitung alles vorkommen kann. „Da steht etwas über Sport und Reiten drin“, sagt Leonie. Aria interessiert sich vordergründig für „Zoos und neue Tierbabys, Blumen, Schmetterlinge und neue Häuser“. Und Mika hat bereits viel über Musikschulen vorgelesen bekommen.
Pädagogischer Wert des Projekts
Zwischen bunten Kinderzeitungen, Rätselseiten und ausgeschnittenen Bildern entdecken die Mädchen und Jungen dabei spielerisch eine Welt, die sonst eher Erwachsenen vorbehalten scheint. Für die Erzieherinnen Petra Schwaß und Evamarie Karnatz steckt hinter dem Projekt weit mehr als nur Beschäftigung. „Wir haben ganz viel mit der Zeitung gebastelt: Hüte, Blumen, Kronen. Die Kinder durften sich Wörter aussuchen, mit denen haben wir dann Sätze gebildet oder auch Reime“, erzählt Petra Schwaß.
Zeitung macht beweglich: Tanz, Spiele und Rätselspaß
Und weil Zeitung offenbar ziemlich beweglich sein kann, blieb es nicht beim Lesen und Basteln. Sogar ein Zeitungstanz und sportliche Spiele mit den großen Papierseiten standen auf dem Programm. „Zeitung ist eben sehr vielseitig und auf der Kinderseite haben die Mädchen und Jungen immer sehr viel Freude beim Rätsel lösen“, berichtet die Erzieherin. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie Kinder spielerisch an Medien herangeführt werden können und dabei gleichzeitig wichtige Fähigkeiten wie Recherche, Kreativität und Teamarbeit entwickeln.



