Berliner Bündnis schlägt Kompromiss für SEZ-Gelände vor: Wohnungen und Denkmalschutz
Über die Zukunft des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Berlin-Friedrichshain wird intensiv diskutiert. Ein neues Bündnis namens „SEZ-Quartier neu Denken“ hat nun einen Kompromissvorschlag vorgelegt, der sowohl den Erhalt zentraler Teile des Gebäudes als auch den Bau neuer Wohnungen ermöglichen soll. Damit könnte der vom Berliner Senat angekündigte Abriss verhindert werden.
Details des Kompromissvorschlags
Die Gruppe, bestehend aus Fachleuten aus Architektur, Stadtplanung, Denkmalschutz, Ingenieurwesen sowie Kunst- und Kulturproduktion, hat einen Plan erarbeitet, der den Neubau von 500 Wohnungen auf dem früheren SEZ-Gelände am Rand des Volksparks Friedrichshain vorsieht. Die Wohnbebauung soll vier Hochpunkte in einfacher Bauweise umfassen, während die prägenden Hallenstrukturen des SEZ weiter genutzt werden. Dies soll eine Balance zwischen dringend benötigtem Wohnraum und dem Erhalt des kulturellen Erbes schaffen.
Aktuelle Entwicklungen und Hintergründe
Der Abriss sollte ursprünglich Anfang März beginnen, wurde jedoch vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg in der vergangenen Woche vorerst gestoppt – mit Hinweis auf artenschutzrechtliche Bedenken. Das Bündnis fordert nun ein Abrissmoratorium, bis städtebauliche und wirtschaftliche Fragen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie geklärt sind, die auch den Bestandserhalt prüfen soll.
Das SEZ wurde 1981 eröffnet und zog mit Einrichtungen wie einem Wellenbad, einer Eisbahn, einer Bowlingbahn und Sporthallen Millionen Besucher an. Nach einem Verkauf des Grundstücks und des Freizeitbads durch das Land Berlin an einen Investor im Jahr 2003 und einem jahrelangen Rechtsstreit wurde das SEZ 2024 zwangsgeräumt.
Zuständigkeiten und Kontroversen
Für den geplanten Neubau von Wohnungen und einer Schule auf dem Gelände ist die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM verantwortlich. Sie hatte einen sogenannten Historien-Parcours angekündigt, der die Geschichte des Standorts erlebbar machen soll. Geplant ist, Bauelemente wie Fachwerkstützen der ehemaligen Schwimmhalle und charakteristische Gestaltungselemente als historische Zeichen zu erhalten. Dennoch gibt es seit langem Proteste gegen den Abriss, die den neuen Kompromissvorschlag als mögliche Lösung sehen.
Die Debatte zeigt die Spannung zwischen den Bedürfnissen nach bezahlbarem Wohnraum und dem Schutz historischer Bauten in wachsenden Städten wie Berlin. Der Vorschlag des Bündnisses könnte einen Weg aufzeigen, wie beides vereinbart werden kann, ohne dass eines der Ziele vollständig aufgegeben werden muss.



