Hannover: Leeres Kaufhaus wird zur Schule - 4000 Schüler sollen Innenstadt beleben
Leeres Kaufhaus in Hannover wird zur Schule für 4000 Schüler

Hannover setzt auf Bildung gegen Innenstadt-Leerstand

Die großen Einkaufspaläste in deutschen Innenstädten haben ihre Blütezeit hinter sich. Aktuellen Studien zufolge stehen schätzungsweise rund 50 ehemalige Warenhäuser in Deutschland leer, deren Nachnutzung sich oft als schwierig erweist. Die Stadt Hannover präsentiert nun eine innovative Lösung, um der Verödung der City entgegenzuwirken: In das seit drei Jahren leerstehende Galeria-Kaufhaus-Gebäude in der Altstadt soll eine Berufsschule mit 4000 Schülern einziehen.

Millionen-Projekt für die Innenstadtbelebung

Oberbürgermeister Belit Onay (45, Grüne) und Regionspräsident Steffen Krach (46, SPD) stellten das ambitionierte Konzept am Dienstag der Öffentlichkeit vor. Die Region Hannover wird das Gebäude anmieten, um dort auf drei Etagen die Berufsbildenden Schulen Cora Berliner unterzubringen. Diese kaufmännische Berufsschule ist derzeit noch auf zwei verschiedene Standorte im Stadtgebiet verteilt. Durch den Umzug würden alle etwa 4000 Schüler an einem zentralen Ort in bester Innenstadtlage unterrichtet werden.

Regionspräsident Krach betonte die positiven Effekte: „Dieses Projekt trägt maßgeblich zur Belebung der Innenstadt bei. Die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte werden mit Sicherheit auch den benachbarten Einzelhandel und die Gastronomie in der City frequentieren. Aus meiner Sicht gibt es bei diesem Vorhaben nur Gewinner.“

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Modernes Lernkonzept in historischem Gebäude

Investor Oliver Blume, der Eigentümer des Gebäudes, präsentierte die architektonischen Pläne für den Umbau. Die charakteristischen Kaufhaus-Rolltreppen sollen entfernt werden, um Platz für einen verglasten Innenhof zu schaffen. Dieser soll natürliches Sonnenlicht in alle Bereiche des Gebäudes lenken. Statt traditioneller Klassenräume sind sogenannte „Lern-Häuser“ geplant, die in die fünf Meter hohen Etagen integriert werden.

„Wir entwickeln hier eine Berufsschule der Zukunft“, erklärte Blume. „Eine Schule, zu der die Schüler gerne gehen, weil sie Lust auf das moderne Lernumfeld haben. Der Frontalunterricht wird durch innovative pädagogische Konzepte ersetzt.“

Finanzierung und Zeitplan

Die finanziellen Dimensionen des Projekts sind beachtlich: Über einen Zeitraum von 30 Jahren belaufen sich die Mietkosten laut „Hannoverscher Allgemeiner Zeitung“ auf 155 Millionen Euro. Dennoch bleibt diese Lösung deutlich kostengünstiger als ein kompletter Schulneubau. Bevor der Schulbetrieb aufgenommen werden kann, muss das Gebäude jedoch vollständig entkernt und umgebaut werden.

Auch Schulleiterin Christiane Fischer zeigt sich begeistert von den Plänen für den neuen Standort. Allerdings wird Geduld erforderlich sein: Baugenehmigungsverfahren und Umbauarbeiten werden sich voraussichtlich bis mindestens 2028 hinziehen. Das Projekt steht somit exemplarisch für den langfristigen Strukturwandel in deutschen Innenstädten.

Die Umnutzung leerstehender Kaufhäuser zu Bildungseinrichtungen könnte bundesweit Schule machen und neue Perspektiven für die Stadtentwicklung eröffnen. Hannover geht mit diesem Projekt einen mutigen Schritt in die Zukunft urbaner Raumnutzung.

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