Kreisstraße 112 bei Schwerin: Anwohner fordern Sanierung der maroden Pendlerstrecke
Die Teerflicken auf der Straße türmen sich an den Stoßkanten der Betonplatten auf und verwandeln sich zu kleinen Schanzen für die Verkehrsteilnehmer. Risse, Flickstellen und permanenter Lärm prägen das Bild der Pendlerstrecke zwischen Plate und Schwerin, die sowohl Fahrzeugen als auch Anwohnern erheblich zusetzt. Eine schnelle und umfassende Sanierung scheint jedoch nicht in Sicht zu sein.
Morgendliches Erdbeben auf der Kreisstraße
Bereits um sechs Uhr morgens, wenn die ersten Pendler aus Plate Richtung Schwerin starten, rumpelt es wie bei einem kleinen Erdbeben. Die Betonplatten der Kreisstraße 112 ächzen und stoßen, die Fugen sind ausgefahren, und Flickstellen ragen wie kleine Rampen aus dem Fahrbahnbelag heraus. „Das ist wie eine alte Panzerbahn. Die Stöße zwischen den Betonplatten sind ausgefahren, und wo sie geflickt wurden, da schiebt sich der Belag wie eine Schanze auf“, beschreibt ein regelmäßiger Autofahrer die Situation.
Viele Pendler denken bereits über alternative Routen nach, doch Umwege wie über Sukow sind oft zu lang. „Schonender für die Stoßdämpfer wäre es allerdings“, fügt der Autofahrer mit einem Augenzwinkern hinzu, hat aber jede Hoffnung auf baldige Besserung längst aufgegeben.
Anwohner leiden unter Dauerdröhnen
Für Anwohner wie Stefan Wille, genannt Niebur, ist die Situation alles andere als lustig. „Der Zustand ist nicht haltbar. Wir wohnen direkt an der Kreisstraße und hören das Donnern der leeren Lastwagen von Montag bis Samstag“, klagt er. Mit der Wiedereröffnung der Kiesgrube am Ortseingang habe sich das Verkehrsaufkommen sogar noch erhöht. „Die Straße benötigt dringend eine Sanierung“, betont Wille nachdrücklich.
Sanierung auf unbestimmte Zeit verschoben
Auf Nachfrage beim Landkreis Ludwigslust-Parchim erklärt Pressereferentin Sabrina Panknin: „Die bauliche Unterhaltung der Kreisstraße 112 ist eine Daueraufgabe, die von der Kreisstraßenmeisterei wahrgenommen wird. Hierzu zählen punktuelle Ausbesserungen an den Betonplatten, zum Beispiel durch Fräsarbeiten und das Beseitigen von Aufschiebungen.“ Bauartbedingt befinden sich viele Fugen in der Straße, die beim Überfahren unvermeidlich Geräusche erzeugen.
Eine komplette Sanierung der Strecke sei jedoch aktuell nicht möglich: „Finanzielle Mittel für den grundhaften Ausbau der Straße stehen momentan nicht zur Verfügung.“ Die Straße wurde vor 1990 erbaut, und Bauunterlagen sind im Fachdienst Straßen- und Tiefbau nicht mehr vorhanden.
Bis zu 5000 Fahrzeuge täglich
Die Strecke ist stark frequentiert. Verkehrszählungen aus dem Jahr 2022 ergaben eine durchschnittliche tägliche Verkehrsmenge von rund 5000 Fahrzeugen, darunter knapp 300 Schwerlastwagen. Kein Wunder, dass Anwohner wie Wille sich vom Dauerdröhnen belästigt fühlen.
Für dieses Jahr gibt es immerhin einen kleinen Hoffnungsschimmer: In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Plate wird ein Abschnitt des Entwässerungskanals in der Friedrich-Wehmer-Straße neu gebaut, gleichzeitig erfolgt auf etwa 550 Metern eine Deckenerneuerung.
Kosten von bis zu 2 Millionen Euro
Der große Wurf, also der Ausbau der gesamten Strecke vom Bahnübergang bis zur Autobahn A14, ist derzeit nicht geplant. Die Mitarbeiter der Verkehrsbehörde des Landkreises rechnen für eine vollständige Sanierung mit Kosten von rund 1,5 bis 2 Millionen Euro.
Für Stefan Wille reichen diese Maßnahmen bei weitem nicht aus. „Es gibt etliche Straßen, die in den vergangenen Jahren saniert wurden und nicht annähernd so schlecht waren wie diese hier direkt vor den Toren der Landeshauptstadt. Flickschusterei haben wir jetzt viele Jahre gehabt, es braucht wirklich dringend eine ordentliche Sanierung“, fordert er mit Nachdruck. Die Risse im Beton auf der Kreisstraße 112 zwischen Plate und Consrade sind tief, und die Asphaltflicken sind an den meisten Stellen bereits abgefahren.



