Leerstand in München: Grüne vermuten Abriss-Vorwand zur Mieterverdrängung in Maxvorstadt
München: Leerstand in Maxvorstadt - Abriss nur Vorwand?

Leerstand in München: Grüne vermuten Abriss-Vorwand zur Mieterverdrängung in Maxvorstadt

In der Münchner Maxvorstadt sorgt ein seit Jahren leerstehendes Haus für politischen Ärger. Die Grünen im Bezirksausschuss Maxvorstadt werfen dem Eigentümer vor, mit angeblichen Abrissplänen nur einen Vorwand geschaffen zu haben, um langjährige Mieter aus ihren Wohnungen zu drängen. Die Lokalpolitiker fordern nun entschiedenes Handeln der Stadtverwaltung.

Fragwürdige Abrisspläne als Entmietungsgrundlage

Das Gebäude in der Schleißheimer Straße 90, das sich in einem Erhaltungssatzungsgebiet befindet, steht seit mehreren Jahren ungenutzt leer. Als Begründung für den Leerstand wurden stets bevorstehende Bauarbeiten und ein geplanter Abbruch des Hauses genannt. Doch eine aktuelle Antwort der Münchner Stadtverwaltung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bezirksausschuss Maxvorstadt (BA3) lässt daran ernsthafte Zweifel aufkommen.

Konkret teilte die Verwaltung mit: "Inzwischen hat jedoch die von der Verfügungsberechtigten bevollmächtigte Firma signalisiert, dass die Durchführung des Abbruches zweifelhaft ist." Für die Grünen-Politiker ist damit klar: Die ursprüngliche Rechtsgrundlage für die Entmietung des Hauses existiert nicht mehr. Sie befürchten eine gezielte Strategie zur Verdrängung von Mietern.

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Gentrifizierung durch strategischen Leerstand

"Wir beobachten hier eine gefährliche Praxis", erklärt Svenja Jarchow-Pongratz, Vorsitzende des Bezirksausschusses Maxvorstadt und Mitglied der Grünen. "Ein Haus wird auf einer Grundlage entmietet, die später einfach nicht eintritt. Die Mieter sind weg, das Viertel verliert seine soziale Mischung, und das Gebäude wird zum reinen Spekulationsobjekt."

Die Politikerin betont, dass dieser Fall exemplarisch für eine "Gentrifizierung durch die Hintertür" stehe. Durch gezielten Leerstand und fragwürdige Bauvorhaben würden etablierte Bewohner aus ihren Wohnungen gedrängt, während Investoren die Immobilien als reine Wertanlagen nutzten. Die Maxvorstadt drohe so ihr charakteristisches soziales Gefüge zu verlieren.

Forderungen nach strengeren Regeln und Sanktionen

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, stellt die Grünen-Fraktion im BA3 konkrete Forderungen an die Stadtpolitik:

  • Einführung konsequenter Bußgelder bei Leerstand, damit sich das Leerstehen von Wohnraum finanziell nicht lohnt
  • Empfindliche Strafen, wenn angekündigte Bauvorhaben nicht realisiert werden
  • Strikte Ablehnung von Genehmigungen, die lediglich der Marktwertanalyse dienen
  • Bindung von Abbruchgenehmigungen und Vorbescheiden an feste Realisierungsfristen

Die Grünen kritisieren insbesondere, dass Bauvoranfragen oft nur gestellt würden, um den Marktwert von Immobilien zu steigern und profitable Weiterverkäufe zu ermöglichen. "Abbruchgenehmigungen dürfen nicht als bloße Verkaufsargumente missbraucht werden", so die Position der Fraktion.

Appell an das Sozialreferat

Svenja Jarchow-Pongratz richtet einen deutlichen Appell an die Stadtverwaltung: "Die Maxvorstadt darf nicht zum Spielplatz für Investoren werden, die das Baurecht als Hebel zur Vertreibung nutzen. Wir fordern deshalb das Sozialreferat auf, im Fall der Schleißheimer Straße 90 genau hinzusehen und ein Exempel gegen spekulativen Leerstand zu statuieren."

Der Fall des leerstehenden Hauses in der Maxvorstadt wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang mit Leerstand in angespannten Wohnungsmärkten auf. Während Eigentümer ihre Immobilien wirtschaftlich nutzen wollen, sehen Kommunalpolitiker und Mieterverbände in strategischem Leerstand eine Bedrohung für den sozialen Frieden und die bezahlbare Wohnraumversorgung in innerstädtischen Lagen.

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