Kommunalwahl 2026: Münchens Wohnungsbau-Bilanz – Grüne und SPD verfehlen Ziele deutlich
Münchens Wohnungsbau-Bilanz: Grüne und SPD verfehlen Ziele

Kommunalwahl 2026: Münchens Wohnungsbau-Bilanz unter der Lupe

Für die meisten Münchnerinnen und Münchner ist das Thema Wohnen das drängendste Problem der Stadt. Die Entscheidung für ein zweites Kind, den gemeinsamen Haushalt mit dem Partner oder gar den Umzug aufs Land hängt maßgeblich von der Verfügbarkeit und den Kosten des Wohnraums ab. Die Mieten in der bayerischen Landeshauptstadt steigen kontinuierlich: Lag die durchschnittliche Kaltmiete im Jahr 2013 noch bei 10,13 Euro pro Quadratmeter, kletterte sie bis 2025 auf 15,38 Euro – ein dramatischer Anstieg um mehr als 50 Prozent. Kein Wunder, dass Wohnungsbau und Mietenentwicklung in jedem Wahlkampf und jedem Koalitionsvertrag eine zentrale Rolle spielen.

Die ambitionierten Ziele der grün-roten Koalition

Im Koalitionsvertrag hatten sich die Grünen und die SPD ehrgeizige Vorgaben gesetzt: Jährlich sollten 4000 geförderte und preisgedämpfte Wohnungen entstehen. Zudem sollte die städtische Wohnungsbaugesellschaft Münchner Wohnen pro Jahr 2000 neue Wohnungen bauen. Die Realität sieht jedoch ernüchternd aus. Zwischen 2020 und 2024 wurden lediglich 9134 geförderte Wohnungen fertiggestellt – das entspricht knapp der Hälfte des angestrebten Ziels. Gleichzeitig fielen in diesem Zeitraum fast 4500 Wohnungen aus ihrer sozialen Bindung heraus, was die Situation zusätzlich verschärft.

Münchner Wohnen verfehlt Bauziele deutlich

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Münchner Wohnen sollte laut Koalitionsvertrag zwischen 2020 und 2025 insgesamt 10.000 neue Wohnungen errichten. Tatsächlich gelang der Bau von nur 6051 Wohnungen. Auch für das laufende Jahr zeichnet sich ein Verfehlen der Vorgaben ab: Voraussichtlich werden lediglich 837 Wohnungen fertiggestellt. Ein weiteres Problemfeld sind die Sanierungen: Die Sanierungsquote sollte auf bis zu drei Prozent steigen, erreichte zwischen 2020 und 2025 jedoch nur 1,4 Prozent. Für 2026 ist eine Quote von 4,2 Prozent geplant, ob dies realisiert werden kann, bleibt abzuwarten.

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Vorkaufsrechte und verschärfte Sobon-Richtlinien

Um den bezahlbaren Wohnraum zu sichern, hatte die Koalition beschlossen, Vorkaufsrechte für Immobilien konsequent auszuüben. Bis 2023 erwarb die Stadt elf Mehrfamilienhäuser mit fast 790 Wohnungen für insgesamt 470 Millionen Euro. Allerdings schränkte ein Gerichtsurteil die Anwendung des Vorkaufsrechts ein, und mittlerweile fehlen auch die finanziellen Mittel für weitere Käufe. Zudem verschärften Grüne und SPD die Richtlinien für eine Sozialgerechte Bodennutzung (Sobon), die Investoren verpflichtet, günstigen Wohnraum zu schaffen und sich an der Infrastruktur zu beteiligen. Seit 2021 gilt eine strengere Sobon, doch bis heute wurden laut Planungsreferat keine Wohnungen nach diesen neuen Regeln realisiert.

Die menschliche Seite der Wohnungskrise

Die prekärste Nachricht kommt vom Sozialreferat: Aktuell haben fast 11.300 Menschen in München keine eigene Wohnung. Im Jahr 2023 waren es noch 7500 Personen. Dieser Anstieg ist teilweise darauf zurückzuführen, dass auch Geflüchtete, die keine Wohnung finden, in der Statistik erfasst werden. Als obdachlos gelten laut offiziellen Angaben 340 Menschen. Immerhin profitieren die Mieter der rund 70.000 städtischen Wohnungen von einem seit 2019 geltenden Mietenstopp. Die Durchschnittskaltmiete liegt hier bei 8,16 Euro pro Quadratmeter. Ein kleiner Lichtblick ist das Azubiwerk, das 2022 gegründet wurde und bereits mehr als 1000 Wohnungen für Auszubildende fertiggestellt oder im Bau hat.

Politische Debatte und Ausblick

Die politischen Lager sind sich uneins über die Ursachen der verfehlten Ziele. Während CSU und FDP die verschärfte Sobon als Hauptgrund für den geringen Wohnungsbau anführen, verweisen andere auf externe Faktoren wie den Krieg in der Ukraine, die Pandemie, gestiegene Baupreise und höhere Zinsen. Fakt ist: Die grün-rote Koalition hat ihre selbstgesteckten Ziele im Wohnungsbau deutlich verfehlt. Mit der Kommunalwahl 2026 rückt die Frage, wie die Wohnungskrise in München gelöst werden kann, erneut in den Mittelpunkt des politischen Diskurses. Die Bilanz der vergangenen Legislaturperiode zeigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um bezahlbaren Wohnraum für alle Bürgerinnen und Bürger zu schaffen.

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