Mobile Schattenspender für Neubrandenburgs Marktplatz: Innovative Lösung gegen Sommerhitze
Während derzeit noch Eis und Schnee das Bild des Neubrandenburger Marktplatzes prägen, steht bereits fest, dass in wenigen Monaten die Sonne und die Hitze wieder ein drängendes Thema in der Vier-Tore-Stadt sein werden. Der fehlende Schatten auf dem zentralen Platz stellt insbesondere für ältere Bürgerinnen und Bürger ein gesundheitliches Problem dar, das dringend einer Lösung bedarf.
Bäume als Schattenspender scheiden aus
Bereits im vergangenen Frühherbst brachte die BSW/BfN-Fraktion eine Beschlussvorlage ein, die die Stadt aufforderte, Möglichkeiten für eine Begrünung mit sogenanntem "Großgrün" – also Bäumen und Büschen – auf dem Marktplatz zu prüfen. Doch Janine Kriegler, Abteilungsleiterin für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Wohnen, machte in einer kürzlichen Ausschuss-Sitzung deutlich, dass das Pflanzen von Bäumen aufgrund der darunterliegenden Tiefgarage nicht realisierbar ist.
Die Stadtverwaltung hat daher alternative Lösungsansätze geprüft, darunter mobile Pflanzeninseln und textile Sonnensegel. In einem systematischen Bewertungsverfahren wurden verschiedene Kriterien wie Kostenrahmen, Pflegebedarf und Nutzungspotenzial auf einer Punkteskala von 1 bis 5 bewertet. Mit 31 von 50 möglichen Punkten setzte sich schließlich das sogenannte Komorebi-System durch.
Das Komorebi-System: Technische Innovation mit hohen Kosten
Das vom Karlsruher Institut für Technologie entwickelte System ist eine mobile Sitzgelegenheit, die das einfallende Sonnenlicht filtert und Schatten spendet. Laut Janine Kriegler ist das System über eine App steuerbar und kann während des Wochenmarkts flexibel in die Ecken des Marktplatzes gefahren werden. Zudem bietet sich die Möglichkeit, das Projekt wissenschaftlich zu begleiten.
Für einen tatsächlichen Effekt und eine spürbare Verbesserung der Situation wären drei Komorebi-Einheiten erforderlich. Die Kosten pro Einheit belaufen sich auf etwa 40.000 bis 50.000 Euro, was insgesamt zu einer Investition von rund 120.000 bis 150.000 Euro führt. Die Stadt hat bereits Gelder für die drei Systeme beantragt, und das zuständige Ministerium ist über die Pläne informiert.
Touristische Attraktion und praktische Herausforderungen
Hans-Jürgen Schwanke, Vorsitzender des Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt, Ordnung und Sicherheit, äußerte sich grundsätzlich positiv zur Idee. Er verband die Einführung des Systems sogar mit der Hoffnung auf mehr Touristen, da Neubrandenburg eine der ersten Städte in Deutschland wäre, die über eine solche innovative Schattenspender-Lösung verfügt.
Allerdings bleiben noch praktische Fragen offen. So gibt es zwar eine günstigere Variante ohne App-Verbindung, doch unklar ist, was im Winter mit den Modulen geschieht. Möglicherweise müssten die Komorebi-Systeme dann in einer Halle untergebracht werden, was zusätzliche Logistik und Kosten verursachen könnte.
Der Marktplatz in Neubrandenburg steht somit vor einer wichtigen Entscheidung: Soll die Stadt in die teure, aber innovative Lösung investieren, um das Hitzeproblem nachhaltig zu lösen und möglicherweise sogar touristische Impulse zu setzen? Die Diskussionen in den politischen Gremien werden zeigen, ob die mobilen Schattenspender bald Realität werden.



