Nachbarschaftsstreit in Telgte: Vater muss Kinder-Fußballplatz im Garten wohl abreißen
Im beschaulichen Telgte in Nordrhein-Westfalen, einer Stadt mit rund 20.000 Einwohnern, hat ein Familienvater für seine fußballbegeisterten Töchter einen Traum verwirklicht – doch dieser könnte nun jäh enden. Robert Salomon, 41 Jahre alt, errichtete in seinem Garten einen kompletten Fußballplatz mit Kunstrasen, Banden, Fangnetzen und Toren. Das 16 mal 8 Meter große Soccer-Feld sollte ein Paradies für seine Kinder Marleen (14) und Julia (10) werden. Doch was als Herzensprojekt begann, entwickelt sich zu einem handfesten Nachbarschaftsstreit, der bis in die Amtsstube der Stadt reicht.
Der Traum und die Beschwerden
Die Gärten im Neubaugebiet von Telgte sind typischerweise geprägt von akkuratem Rasen, gestutzten Hecken und gepflegten Blumenbeeten. Der Garten der Familie Salomon sticht hier deutlich heraus. Robert Salomon, von Beruf Handwerker, investierte mehrere Zehntausend Euro in die Anlage, die im Design des BVB gehalten ist. Die Familie verzichtete dafür jahrelang auf Urlaube. „Alle sprechen davon, dass wir mehr für die Kinder tun müssen“, sagt Salomon frustriert zu BILD. „Das ist ein Lebenstraum, den man sich erfüllt hat.“
Doch der Ärger ließ nicht lange auf sich warten. Nachbarn beschwerten sich über angebliche Störungen: Das Flutlicht sei zu hell und der Lederball zu laut. Salomon weist diese Vorwürfe entschieden zurück: „Die Wahrheit ist aber: Das Flutlicht war nie angeschlossen und die Kinder spielen nur mit Schaumstoffbällen. Und auch nur bis 19 Uhr, an Sonn- und Feiertagen gar nicht.“ Trotzdem rückte die Stadt zu einem Kontrollbesuch aus. Beamte dokumentierten die Anlage und kamen zu einem klaren Urteil: Der Bebauungsplan sehe solche Einrichtungen nicht vor.
Rechtliche Hürden und drohender Abriss
Nach zahlreichen Briefen, Stellungnahmen und einem ordnungsbehördlichen Verfahren steht nun der Abriss des Mini-Fußballplatzes im Raum. Robert Salomon zeigt sich zerknirscht: „Als Handwerker hätte ich es besser wissen müssen. Aber das ist ja keine versiegelte Fläche, das Spielfeld ist komplett wasserdurchlässig. Wir dachten nun mal, das ist alles okay.“ Ein nachträglich eingereichter Bauantrag wird voraussichtlich nicht genehmigt werden.
Bürgermeisterin Katja Behrendt (47, Grüne) stellt klar: „Es gibt klare rechtliche Vorgaben, und daran muss sich jeder halten. Hier wurden baurechtliche Vorgaben nicht erfüllt. Auch die Genehmigungspflicht solcher Anlagen wurde nicht beachtet. Kleinspielfelder in den Gärten innerhalb von Wohngebieten widersprechen grundsätzlich dem Nutzungszweck von Wohngebieten.“ Auf die Frage, wie sie den Kindern den Abriss erklären würde, antwortet sie: „Es gibt Regeln, an die sich alle halten müssen. Auch wenn es manchmal traurig ist.“
Polarisierende Debatte und Hoffnung auf Kompromiss
Der Streit um den Platz polarisiert die Nachbarschaft. Während einige die Salomons als „die besten Eltern der Welt“ bezeichnen, halten andere die Anlage für unzumutbar. Die Familie hofft dennoch auf eine Lösung. „Kann man da nicht die Köpfe zusammenstecken, dass wir mit einer Gelben Karte davonkommen? Wir sind zu Kompromissen bereit und wollen niemanden stören“, appelliert Vater Salomon.
Am Ende wird in Zukunft wohl wieder auf Naturrasen und mit tragbaren Toren gekickt werden – und vielleicht mit einem amtlich zugelassenen Lederball. Ironischerweise könnten sich dann manche Nachbarn an die vergleichsweise leisen Zeiten mit Kunstrasen und Schaumstoffbällen zurücksehnen. Die Geschichte aus Telgte wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie viel Individualität ist in einem Wohngebiet erlaubt, und wo beginnen die Rechte der Nachbarn?



