Neustadt-Glewe schafft barrierefreie Verwaltung durch umfassende Umstrukturierung
In Neustadt-Glewe wird aktuell ein über 30 Jahre alter Traum verwirklicht: Die Schaffung einer barrierefreien Stadtverwaltung, die bisher aufgrund der vorhandenen Gebäudestruktur nicht möglich war. Das historische Rathaus, das erst kürzlich renoviert wurde, stellt für Menschen mit Einschränkungen durch seine engen Treppen ein unüberwindbares Hindernis dar. Bisher verteilt sich die Verwaltung auf drei kleine Gebäude im Stadtzentrum, doch nun steht eine grundlegende Neuaufstellung an.
Bibliotheksumzug als Startschuss für Verwaltungsmodernisierung
Bereits in der kommenden Woche beginnt der große Umzug mit der Verlagerung der Bibliothek aus ihrem bisherigen Domizil am Markt. Die Bücherei zieht in den ehemaligen Hort in der Thälmannstraße um, direkt in die Nähe der Grundschule mit mehr als 300 Schülerinnen und Schülern. Tausende Bücher müssen transportiert werden, mit dem Ziel, die Bibliothek am neuen Standort bereits im März wieder voll funktionsfähig zu machen.
Durch diesen Umzug wird wertvoller Platz für wichtige Bürgerämter frei:
- Grundsteueramt
- Einwohnermeldeamt
- Standesamt
- Friedhofsverwaltung
- Wohngeldstelle
Bürgermeister Steffen Klieme betont: "Alles, was von den Bürgern besucht wird und für sie wichtig ist, wird ebenerdig gestaltet und dann in diesem Haus stattfinden. Parallel entsteht Platz im Rathaus, wo künftig die Außenstelle der Polizei untergebracht wird."
Wirtschaftliche Vorteile und langfristige Planung
Die Konzentration der Verwaltung auf nur noch zwei Gebäude bringt der Stadt Neustadt-Glewe erhebliche Einsparungen. Die Mietausgaben für ein externes Gebäude in Höhe von 8.000 Euro jährlich entfallen, obwohl das Gebäude der "Wohnungsbau- und Wohnungs-Verwaltungs GmbH Neustadt-Glewe" gehört, die wiederum im Besitz der Stadt ist. Für das freiwerdende Objekt wird bereits ein Nachmieter gesucht.
Die gesamte Modernisierungsaktion ist mit 220.000 Euro im Haushalt veranschlagt, wovon allein 60.000 Euro für die Herrichtung des alten Hortes zur Bibliothek aufgewendet werden. Bürgermeister Klieme informierte die Stadtvertretung in der vergangenen Woche ausführlich über den Zeitplan und die geplanten Maßnahmen.
Akademische Arbeit als Grundlage für praktische Lösung
Den entscheidenden Impuls für das Projekt lieferte Maik Rudolph, Geschäftsführer der Wohnungsbau- und Wohnungs-Verwaltungs GmbH. Während seines Fachstudiums zur Wohnungswirtschaft in Wismar suchte er nach einem Thema für seine Hausarbeit. Bürgermeister Klieme erinnert sich: "Ich bat ihn, eine Hausarbeit zur Barrierefreiheit zu verfassen. Daraufhin analysierte er mit seinem Professor alle Gebäude und erarbeitete das Projekt."
Dieser sogenannte Ringtausch, von dem die Bürgerinnen und Bürger im Alltag profitieren werden, soll bis zu den Sommerferien abgeschlossen sein. Bis September dieses Jahres plant die Stadtverwaltung Neustadt-Glewe, sich komplett neu aufgestellt zu haben - barrierefrei, effizient und bürgernah.



