Rostock plant Bibliothek der Zukunft mit umfassender Bürgerbeteiligung
In der Rostocker Zentralbibliothek an der Kröpeliner Straße tut sich Erhebliches. Die Einrichtung erhält bedeutende Fördermittel und startet ein ambitioniertes Zukunftsprojekt, das die Bibliothek von Grund auf neu denken soll. Katharina Bonke, Leiterin der Zentralbibliothek und der Stadtteilbibliotheken, erklärt die aktuellen Entwicklungen und die Pläne für die kommenden Jahre.
Jugendbereich wird mit 14.000 Euro komplett umgestaltet
Aktuell steht die Neugestaltung des Jugendbereichs im Mittelpunkt. „Um die Aufenthaltsqualität für unsere Jugendlichen deutlich zu erhöhen, sind wir gerade dabei, unseren Jugendbereich komplett umzubauen“, so Bonke. Möglich wird dies durch Fördermittel in Höhe von 14.000 Euro aus dem Bürgerfonds des Landesförderinstituts Mecklenburg-Vorpommern.
Geplant sind unter anderem:
- Neue, moderne Sitzmöbel für eine gemütliche Atmosphäre
- Book Nooks – dekorative Miniaturwelten zum Entdecken
- Eine bereits fertig gestaltete Foto-Wand als Eyecatcher
Ziel ist es, eine angenehme Wohnzimmeratmosphäre zu schaffen, die Jugendliche zum Verweilen und Lesen einlädt.
50.000 Euro für das Projekt „Bibliothek von Übermorgen“
Noch weitreichender ist das Projekt „Übermorgen – Neue Modelle für Kulturinstitutionen“ der Kulturstiftung des Bundes. Die Stadtbibliothek Rostock hat sich erfolgreich beworben und erhält dafür 50.000 Euro. „Das bedeutet, uns stehen diese Mittel zur Verfügung, um eine Bibliothek von Übermorgen zu konzipieren – und wir hoffen sehr, dass diese Pläne dann auch in die Praxis umgesetzt werden können“, erklärt Bonke.
Besonders wichtig ist der Bibliotheksleitung die Einbeziehung der Bürger. Mittels Fragebögen, die im späten Frühjahr verteilt werden sollen, und verschiedenen Veranstaltungen sollen die Nutzer ihre Ideen und Wünsche für die Bibliothek der Zukunft einbringen können.
Nutzerzahlen steigen kontinuierlich seit der Pandemie
Seit etwa 2022, also nach der Corona-Pandemie, verzeichnet die Rostocker Bibliothek einen deutlichen Aufwärtstrend. Im vergangenen Jahr nutzten 24.145 Rostocker aktiv das Angebot der Zentralbibliothek und der fünf Zweigstellen – sei es durch Vor-Ort-Ausleihen oder die digitale Onleihe.
Die Besucherzahlen sind ebenfalls beeindruckend: 333.233 Menschen besuchten 2025 die Rostocker Bibliotheken, um sich dort aufzuhalten, zu arbeiten oder an Veranstaltungen teilzunehmen. „Allein im Januar 2026 sind wieder 11.000 neue aktive Nutzer dazugekommen“, berichtet Bonke und bestätigt damit den anhaltenden Trend.
Digitalisierung schreitet voran
Bereits im vergangenen Jahr hat sich bei den Ausleihprozessen viel getan. Nutzer können Bücher nun selbstständig über Computer ausleihen, und seit Dezember steht eine digitale Annahmestelle für Rückgaben zur Verfügung. Das Medienangebot ist vielfältig: 130.000 Medien – von Büchern über etwa 900 Tonie-Figuren bis hin zu Konsolen und Spielen – stehen zur Ausleihe bereit.
Die größte Nutzergruppe sind die über 65-Jährigen, dicht gefolgt von den 34- bis 44-Jährigen, die häufig Medien für ihre Kinder ausleihen. „Die Kinderliteratur erlebt bei uns einen riesigen Aufschwung, das Wachstum ist deutlich sichtbar“, so Bonke.
Beliebte Veranstaltungen und räumliche Grenzen
Die zahlreichen Veranstaltungen erfreuen sich großer Beliebtheit, was die Zentralbibliothek oft an ihre räumlichen Kapazitätsgrenzen bringt. Die Frage, ob Rostock eine größere Zentralbibliothek benötigt, könnte im Rahmen des Übermorgen-Projekts diskutiert werden.
Das lasen die Rostocker 2025 am liebsten
Über den Medienetat von 260.000 Euro jährlich aus dem städtischen Haushalt entscheiden Lektoren, die den Buchmarkt und die Interessen der Rostocker im Blick behalten. Automatisch in die Regale kommen die Spiegel-Bestseller, die sich oft mit Social-Media-Trends decken.
Besonders beliebt sind New Romance- und New Adult-Romane mit ihren charakteristischen pastellfarbenen Covern. „Meine Kollegen schmunzeln immer ein wenig, wenn diese Bücher über die Theke gehen“, verrät Bonke, die selbst als Lektorin für den Jugendbereich tätig ist.
Die Ausleihrenner 2025 zeigen deutliche Präferenzen:
- Sachbücher: „Freiheit“ von Angela Merkel
- Belletristik: „Windstärke 17“ von Caroline Wahl
- Belletristik: „Kalendermädchen“ von Sebastian Fitzek
- Jugend-Belletristik: „Der Tag bricht an“ von Suzanne Collins
Digitale Präsenz und Community-Austausch
Seit 2020 betreibt die Stadtbibliothek einen Instagram-Account, der während der Corona-Pandemie gestartet wurde und heute 2.540 Follower zählt. Besonders beliebt ist der #Bookfacefriday, bei dem Buchcover mit der realen Umgebung verschmelzen.
„Wir bieten in der Bibliothek eine bunte Mischung für jeden Lesegeschmack und haben zahlreiche Medien, die darauf warten, entdeckt zu werden. Aus meiner Sicht kann hier wirklich jeder auf seine Kosten kommen“, resümiert Katharina Bonke die vielfältigen Angebote der Rostocker Bibliotheken.



