Rostocker Wohnquartier im Fokus: Städtebauliche Untersuchung im Tiroler Viertel startet
Rostock: Städtebauliche Untersuchung im Tiroler Viertel

Rostocker Wohnquartier im Fokus: Städtebauliche Untersuchung im Tiroler Viertel startet

Die Rostocker Wohnungsgesellschaft Wiro hat für das Tiroler Viertel im Stadtteil Reutershagen eine umfassende städtebauliche Untersuchung angekündigt. Ab April sollen Bestände und Struktur des gesamten Quartiers erfasst und bewertet werden. Diese Ankündigung hat bei einigen Mietern der insgesamt 324 betroffenen Wohnungen zwischen Bregenzer und Tiroler Straße für erhebliche Aufregung gesorgt.

Historische Gipshäuser aus den 50er-Jahren

Ein älterer Herr, der namentlich nicht genannt werden möchte, äußert seine Besorgnis: „Da haben wir jetzt so einen Brief erhalten – und wir sind über 80.“ Er wohnt seit Jahrzehnten in einem der sogenannten „Gipshäuser“, die in den 1950er-Jahren als Übergangslösung errichtet wurden, um schnell Wohnraum verfügbar zu machen. Wegen Materialknappheit wurde beim Bau statt Zement Anhydrit (Gips) verwendet – daher die charakteristische Bezeichnung. Im Scherz fragt der über 80-Jährige: „Da habe ich mich schon gefragt: Zerbröselt jetzt mein Haus?“

Wiro-Sprecher Carsten Klehn kann die Mieter jedoch beruhigen: „Die bewohnten Wohnungen weisen keine akuten baulichen Mängel auf.“ Allerdings sei zu erwarten, dass in den kommenden Jahren erheblicher Sanierungsbedarf entstehe. Eine Sanierung auf aktuelle energetische, technische und wohnliche Standards sei aufgrund der speziellen Beschaffenheit der Häuser nur eingeschränkt möglich und mit unverhältnismäßig hohem Aufwand verbunden. Wirtschaftlich sei dies nicht vertretbar.

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Umfassende Bestandsaufnahme für zukünftige Entwicklung

Für die Untersuchung werden Häuser in der Grenz-, Kärntner-, Kufsteiner-, Klagenfurter- und Tiroler Straße sowie einzelne Gebäude in der Ulrich-von-Hutten-Straße erfasst. In diesem Bereich stehen laut Wiro 39 Häuser mit insgesamt 324 Wohnungen. Ziel der städtebaulichen Untersuchung ist es, eine fachliche Grundlage für weitere Entscheidungen zu schaffen. Laut Klehn handelt es sich lediglich um eine Bestandsaufnahme, über die das städtische Wohnungsunternehmen zum frühestmöglichen Zeitpunkt informiert hat, um die Mieter mitzunehmen.

Geprüft werden unter anderem:

  • Der bauliche Zustand der Gebäude
  • Die Energieeffizienz
  • Die technische Infrastruktur einschließlich Leitungen
  • Die ÖPNV-Anbindung
  • Die soziale Struktur der Bewohnerschaft
  • Die Qualität der Grünflächen

Ziel ist es, funktionierende Strukturen und Defizite genau zu benennen, etwa bei Barrierefreiheit, Verkehr oder Lärmbelastung. Auf dieser Basis sollen Szenarien mit Kosten, Machbarkeit und Auswirkungen entwickelt werden. Auch Rückbau und Neubau werden als Optionen geprüft. Erste Ergebnisse werden nach den Sommerferien erwartet.

Keine unmittelbaren Veränderungen für Mieter

Für die Mieter ändert sich laut Wiro zunächst nichts: Reparaturen werden ausgeführt, das Wohnumfeld wird gepflegt. Leerstehende und leer werdende Wohnungen sollen aktuell aber nicht neu vermietet werden, informiert Klehn, um künftige Planungen nicht zu blockieren. Aktuell sind 14 der 324 Wohnungen unbesetzt.

Der Wiro-Sprecher betont, dass das Unternehmen die Mieter, wie auch immer es im Quartier weitergeht, „verantwortungsvoll begleiten“ werde. „Das haben wir in der Vergangenheit mehrfach gezeigt: etwa im Bereich Albin-Köbis-Straße in Markgrafenheide, im Quarre Rostocker Straße/Lortzingstraße in Warnemünde oder ganz aktuell nach dem Brand im Sonnenblumenhaus“, erklärt Klehn.

„Wir verstehen sehr gut, dass die Mieterinnen und Mieter viele Fragen haben“, sagt er. „Deshalb bieten wir persönliche Gespräche direkt im Quartier an. Mehr als 50 Mieterinnen und Mieter haben bereits einen Termin vereinbart.“ Vonseiten der Wiro gebe es für die Planer einen klaren Leitgedanken: „Das Tiroler Viertel ist und bleibt ein beliebtes Wohngebiet.“

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