Rostocker Rathausanbau trotz Frost und Glätte auf Kurs für 2028
Auf der Großbaustelle neben dem historischen Rathaus in Rostock herrscht trotz winterlicher Widrigkeiten reger Betrieb. Während Passanten am Neuen Markt noch kein sichtbares Gebäudewachstum erkennen können, laufen in der zehn Meter tiefen Baugrube zwischen Neuem Markt, Vogelsang und Kleiner Wasserstraße die Vorbereitungen für den zukunftsweisenden Rathausanbau auf Hochtouren. Seit der feierlichen Grundsteinlegung im Juli 2025 sind die Arbeiten kontinuierlich vorangeschritten, auch wenn die aktuellen Wetterbedingungen besondere Herausforderungen mit sich bringen.
Winterliche Herausforderungen auf der Baustelle
Die anhaltenden Minusgrade der vergangenen Tage stellen die Bauarbeiter vor besondere Probleme. „Bei Temperaturen unter minus 5 Grad Celsius werden keine Betonierarbeiten vorgenommen“, erklärt Arndt Draheim, Sprecher des zuständigen Rostocker Eigenbetriebs Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE). Diese Einschränkung betrifft wesentliche Bauabschnitte wie Bodenplatten, Wände und Decken. Allerdings können vorbereitende Tätigkeiten unter bestimmten Bedingungen fortgesetzt werden.
Ein weiteres gravierendes Problem ist die Glättebildung im gesamten Baustellenbereich. „Die Glätte ermöglicht ein sicheres Arbeiten nicht ohne Weiteres“, betont Draheim. Trotz dieser widrigen Umstände bleibt der ambitionierte Zeitplan bestehen: Die Fertigstellung der beiden Gebäudekomplexe ist weiterhin für das Jahr 2028 vorgesehen.
Fortschritte und archäologische Funde
Für das als Haus C bezeichnete Gebäude ist die Bohrpfahlgründung bereits vollständig abgeschlossen. Sobald die Wetterverhältnisse es zulassen, soll die Herstellung der Bodenplatte folgen. In diesem Jahr stehen vor allem folgende Arbeiten im Fokus:
- Fortführung der Rohbauarbeiten für Haus C und Haus D
- Einbau der Fassadenfenster
- Beginn der Technischen Gebäudeausrüstung (Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär, Elektroinstallationen)
Bereits realisiert wurden bedeutende Teilabschnitte:
- Die Bodenplatte und Teile des Rohbaus der Tiefgarage für Haus D sind größtenteils fertiggestellt
- Die Rampe zur Tiefgarage für Haus D wurde eingeschalt
- Die Arbeiten am Kellergeschoss laufen kontinuierlich
- Die Unterfangung des bestehenden Rathausanbaus zur Sicherung des Fundaments ist abgeschlossen
- Die Medienumverlegung wurde erfolgreich durchgeführt
Besonders bemerkenswert sind die umfangreichen archäologischen Untersuchungen, die zwischen 2023 und 2025 durchgeführt wurden und ursprünglich zu erheblichen Verzögerungen führten. „Das Ausmaß der Befunde in diesem mittelalterlichen Quartier war deutlich größer als erwartet“, berichtet Draheim. Zu den spektakulären Funden zählen:
- Mittelalterliche Kellergewölbe
- Seltene Pilgerzeichen aus der Zeit um 1300
- Historische Fluch-Täfelchen
Nach Abschluss der Inventarisierung wurden die Fundstücke in den Besitz des Landes Mecklenburg-Vorpommern überführt und im Magazin des Landesamtes für Kultur- und Denkmalpflege eingelagert.
Zukunftsweisende Rathauserweiterung
Der neue Rathausanbau wird aus zwei architektonisch anspruchsvollen Gebäuden bestehen: dem Doppelgiebelhaus C und dem modernen Verwaltungsgebäude Haus D. Die geplanten Nutzungen versprechen eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Bürgerservices:
Haus C wird folgende Einrichtungen beherbergen:
- Büros für den Präsidenten der Rostocker Bürgerschaft
- Den Sitzungsdienst der Bürgerschaft
- Einen neuen, modernen Saal für Bürgerschaftssitzungen
- Einen barrierefreien Trauraum des Standesamtes
Haus D mit seiner geplanten Dachterrasse wird unter anderem folgende Ämter aufnehmen:
- Das Orts- und Migrationsamt
- Moderne Open Space-Bereiche für Mitarbeiter
- Eine zeitgemäße Arbeitsumgebung mit hohem Komfortstandard
Die unterirdische Tiefgarage bietet Platz für 110 Autos (darunter sieben barrierefreie Stellplätze) und 220 Fahrräder, was die nachhaltige Mobilität in der Innenstadt deutlich fördern soll.
Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit im Fokus
Das Bauprojekt setzt deutliche Akzente in den Bereichen Umweltschutz und Inklusion:
- Begrünung: Dächer auf insgesamt 1.060 Quadratmetern und Fassaden auf 116 Quadratmetern werden mit einheimischen Pflanzen gestaltet
- Biodiversität: Insektenhotels und Vogeltränken schaffen Lebensräume für die städtische Tierwelt
- Barrierefreiheit: Taktile Leitsysteme und rollstuhlgerechte Zugänge gewährleisten inklusive Teilhabe für alle Bürger
Wirtschaftliche Dimension und Bürgerfreundlichkeit
Die Gesamtinvestition in den neuen Rathausanbau beläuft sich auf 80,3 Millionen Euro. Davon werden 15,5 Millionen Euro durch Städtebaufördermittel des Bundes und des Landes unterstützt. Die zentrale Lage des Komplexes verspricht den Rostocker Bürgern kurze Wege und deutlich erleichterte Behördengänge.
Die baulichen Dimensionen des Projekts sind beeindruckend:
- Bebaute Fläche: Haus C 512 m², Haus D 2.488 m²
- Grünfläche: 763 m²
- Brutto-Grundfläche: 16.491 m²
- Erdaushub: ca. 25.200 m³ (entspricht etwa 40.000 Tonnen)
- Betonmenge Rohbau: ca. 12.100 m³ (28.000 Tonnen)
- Bohrpfähle: 214 Stück mit Durchmessern bis 1,20 Meter und Längen bis 19,50 Meter
Trotz der aktuellen winterlichen Herausforderungen bleibt das ambitionierte Bauprojekt auf Kurs. Die Stadtverwaltung Rostock setzt damit ein deutliches Zeichen für moderne Verwaltungsstrukturen, nachhaltiges Bauen und bürgerfreundliche Serviceangebote in der Hansestadt.



