Berliner SEZ-Streit: Neues Konzept will DDR-Bau retten und Wohnungen schaffen
SEZ Berlin: Kompromisskonzept rettet DDR-Bau und baut Wohnungen

Berliner SEZ-Streit: Neues Konzept will DDR-Bau retten und Wohnungen schaffen

Die Zukunft des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Berlin-Friedrichshain steht auf der Kippe. Während der Berliner Senat seit langem auf Abriss und anschließenden Wohnungsbau setzt, formiert sich zunehmender Widerstand. Ein neues Bündnis aus Fachleuten präsentiert nun einen Kompromissvorschlag, der sowohl Teile des DDR-Baus erhalten als auch dringend benötigte Wohnungen schaffen will.

Abrissstopp ermöglicht neue Debatte

Eigentlich sollte der Abriss des SEZ bereits Anfang März beginnen. Doch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg stoppte die Pläne in der vergangenen Woche mit Verweis auf artenschutzrechtliche Bedenken. Dieser Stopp eröffnet nun Raum für alternative Konzepte. Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) wirbt im Bauausschuss des Landesparlaments dafür, die neuen Vorschläge ernst zu nehmen: „Es ist eine Debatte, die sehr polarisierend geführt werden kann - oder verbindend.“

Kompromisskonzept: Vier Hochhäuser bei Teilerhalt

Das Bündnis „SEZ-Quartier neu Denken“, bestehend aus Experten aus Architektur, Stadtplanung und Denkmalschutz, hat einen detaillierten Vorschlag vorgelegt. Dieser sieht vor:

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  • Erhalt zentraler Teile des ehemaligen SEZ-Gebäudes
  • Bebauung mit vier Hochhäusern auf dem Gelände
  • Schaffung von etwa 500 Wohnungen
  • Nutzung der erhaltenen Teile für Sport, Freizeit, Gewerbe oder Kultur

Damit würde die bisherige Entweder-oder-Debatte überwunden. Bisher standen sich Befürworter des vollständigen Erhalts des DDR-Baus und Befürworter des kompletten Abrisses für Wohnungsbau unversöhnlich gegenüber.

Kulturelles Erbe versus Wohnungsnot

Die Debatte um das SEZ berührt grundsätzliche Fragen der Berliner Stadtentwicklung. Einerseits argumentieren Denkmalschützer wie Ursula Quatember, Professorin für Baugeschichte an der TU Berlin: „Das SEZ verkörpert ein Stück deutsch-deutsche Baugeschichte und ist ein architekturhistorisches Zeugnis von sehr hohem Rang.“ Das 1981 eröffnete Zentrum war in der DDR weit über Berlin hinaus bekannt und zog Millionen Besucher an mit:

  1. Mehreren Restaurants
  2. Einer Eisbahn
  3. Bowlingbahnen und Tischtennisplatten
  4. Möglichkeiten für zahlreiche weitere Sportarten

Andererseits betont Bausenator Christian Gaebler (SPD) die dringende Notwendigkeit neuen Wohnraums: „Die Schlange bei Wohnungsbesichtigungen ist so lang wie die Menschenkette bei Protesten gegen den SEZ-Abriss.“ Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft plant ursprünglich etwa 650 Wohnungen, eine neue Schule und eine Sporthalle auf dem Gelände.

Unterschiedliche Bewertungen des Denkmalwerts

Während Historiker die Bedeutung des SEZ betonen, sieht Berlins oberster Denkmalschützer Christoph Rauhut die Sache anders: „Wenn wir über das SEZ sprechen, sprechen wir über einen besonderen Bau, aber nicht über eine Ikone der DDR-Architektur.“ Das Gebäude stehe nicht unter Denkmalschutz, zahlreiche Bauteile seien nicht mehr vorhanden, manche Räume verwahrlost.

Dennoch warnt die Initiative „SEZ für alle“ vor den Folgen eines Abrisses. Gründungsmitglied Susanne Lorenz kritisiert: „Berlin will Olympia, bekommt aber nicht mal das SEZ hin.“ In Friedrichshain fehle es bereits an Schwimmbädern, Sporthallen und Sportplätzen. Für 600 Wohnungen solle nun ein einzigartiger Sportstandort geopfert werden.

Ausblick: Prüfung des neuen Konzepts

Bausenator Gaebler hat zugesichert, das neue Konzept zu prüfen, äußert sich aber skeptisch: „Ich bin eher skeptisch, was da rauskommt.“ Die Wiederinbetriebnahme des Schwimmbads halte er für wirtschaftlich nicht machbar. Auch die Realisierbarkeit von nur vier Hochhäusern statt der ursprünglich geplanten Bebauung sieht er mit Zweifeln.

Bezirksbürgermeisterin Herrmann gibt sich optimistischer: „Am Ende können wir gemeinsam dafür sorgen, dass wir dieses Areal entwickelt bekommen.“ Sie will die Wogen glätten und sucht nach verbindenden Lösungen. Ihr großes Ziel: „Wir müssen das Neue feiern und das Alte einbeziehen.“

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Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der neue Kompromissvorschlag tatsächlich den Durchbruch bringen kann oder ob das letzte große DDR-Freizeitzentrum in Berlin doch dem Wohnungsbau weichen muss.