Komplettes Surfverbot an der Eisbachwelle: Münchner Surfer reagieren mit offenem Brief
Die Stadt München hat am Mittwoch eine Allgemeinverfügung erlassen, die das Surfen an der berühmten Eisbachwelle im Englischen Garten vollständig untersagt. Dies gab die Stadtverwaltung nach einem Treffen mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes und der Surfcommunity bekannt. Hintergrund sind Sicherheitsbedenken während der aktuellen Vorversuchsphase zur Wiederherstellung der Welle.
Lebensgefahr durch Weißwasser: Stadt begründet Verbot
Laut einer gemeinsamen Erklärung von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Surfcommunity-Vertretern besteht an der Eisbachwelle derzeit akute Lebensgefahr. Der Grund: Zum größten Teil handelt es sich noch um nicht surfbares Weißwasser. Die Walze trägt nicht zuverlässig und kann Surfer unter Wasser ziehen – ein Freischwimmen sei kaum möglich. Das Verbot gilt für den Bereich der Eisbachwelle am Haus der Kunst von der Prinzregentenbrücke bis 50 Meter nördlich davon.
Die Stadt betont, dass das Verbot nicht nur dem Schutz der Surfer diene, sondern auch Rettungskräfte schütze, die sich bei Einsätzen selbst in Gefahr begeben müssten. Seitdem die Eisbachwelle vor über 100 Tagen der Bachauskehr zum Opfer fiel, arbeiten Experten an der Rückkehr des Münchner Surf-Hotspots. Ein erster Vorversuch unter Leitung des Strömungsexperten Robert Meier-Staude fand bereits am 4. Februar statt.
Surf Club München zeigt Unverständnis in offenem Brief
Bei der Münchner Surfcommunity stieß die verschärfte Allgemeinverfügung auf deutliche Kritik. Der Surf Club München veröffentlichte einen offenen Brief, adressiert an OB Reiter, den Stadtrat und die Münchner Bevölkerung. Darin stellt der Verein klar, dass die Surfer niemals darum gebeten hätten, das Surfen auf der Eisbachwelle einzustellen.
Die bisherige Lösung habe über Jahrzehnte funktioniert – mit klaren Regeln, gegenseitiger Rücksichtnahme und hoher Eigenverantwortung, so der Verein. Die Argumentation der Stadt, dass durch das Weißwasser Lebensgefahr bestünde, könne der Surf Club nicht nachvollziehen. Nach eigener Ansicht könnten talentierte Surfer auch unter schwierigeren Bedingungen mit höherem Weißwasseranteil surfen.
Forderungen der Community und nächste Schritte
Der Surf Club München fordert nun:
- Die unverzügliche Aussetzung der Allgemeinverfügung vom 10. Februar 2026
- Volle Transparenz über die Entscheidungsgrundlagen des Verbots
- Ein konstruktives Gespräch über alternative Sicherheitsmaßnahmen
Erste Erfolge gibt es dennoch: Wie die Stadtverwaltung mitteilt, steht die Welle am Eisbach teilweise wieder – und zwar ohne Einbauten. Es wurde bereits wieder gesurft, allerdings unter strengen Auflagen. Weitere Vorversuche seien notwendig, um beurteilen zu können, welche Maßnahmen für eine dauerhafte Wiederherstellung der beliebten Eisbachwelle erforderlich sind.



