Neubau des Volkstheaters: Rostock teilt Vorplatz und fürchtet Verzögerungen
Volkstheater Rostock: Vorplatz-Wettbewerb startet

Neubau des Volkstheaters: Warum Rostock den Vorplatz teilt – und nun Verzögerungen fürchtet

Der Neubau des Rostocker Volkstheaters verläuft weitgehend planmäßig. Laut KOE (Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung) ist eine Fertigstellung bis 2028 realistisch. In der Maisitzung der Rostocker Bürgerschaft wurde nun der erste Planungswettbewerb für den Theater-Vorplatz beschlossen. Dabei zeigte sich vor allem eines: der dringende Wunsch, dass der Außenbereich zeitgleich mit dem Theaterneubau fertig wird.

Zweiteilige Planung in der Kritik

Die Bürgerschaft beschloss am Mittwochabend, 13. Mai, neben der Aufgabenstellung des Wettbewerbs für den oberen Bereich vor dem künftigen Haupteingang des neuen Volkstheaters auch die direkt folgende Ausschreibung für das Areal am Bussebart. Ein Antrag der Grünen, die Vorgaben für Fahrradstellplätze zu erweitern, fand keine Mehrheit.

Zum Hintergrund: Geplant wird der Außenbereich des Volkstheaters von der RGS (Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau) in zwei Teilen. Der obere Vorplatz (rot im Bild) soll einen repräsentativen Charakter erhalten, während das Bussebart-Areal (grün) als multifunktionale Fläche für Veranstaltungen und Stadtfeste dienen soll. Diese Zweiteilung stößt auf Kritik.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Scharfe Kritik an unklarer Entscheidungsfindung

Grund für die Zweiteilung ist unter anderem der ursprünglich geplante Bau eines Parkhauses im unteren Areal (Fischerbastion) gewesen. In der Debatte wurde deutlich, dass dieser Plan nach aktuellem Stand nicht weiterverfolgt wird. Julia Kristin Pittasch (FDP) kritisierte in diesem Zusammenhang die unklare Entscheidungsfindung. Sie verwies auf ein beschlossenes Quartiersblatt, in dem ein Parkhaus vorgesehen sei, und betonte: „Wir haben keine abweichende Entscheidung getroffen.“

Ein zuvor gestellter Änderungsantrag aus dem KOE-Ausschuss, den gesamten Bereich (rot und grün) nun unter den neuen Voraussetzungen zusammenzudenken, wurde kurz vor der Sitzung zurückgezogen. Die Verwaltung begründete die Zweiteilung in einer Stellungnahme mit „offenen Entscheidungen“ zum zweiten Wettbewerbsfeld. Eine gemeinsame Ausschreibung hätte laut Verwaltung zu Verzögerungen von sechs bis neun Monaten geführt.

„Doppelte Jury und doppelte Kosten“

Sybille Bachmann (Rostocker Bund) äußerte deutliche Kritik an der Zweiteilung der Ausschreibung. Sie verwies auf „doppelte Jury und doppelte Kosten“. Sie erklärte auch, dass die RGS bei einer möglichen gemeinsamen Planung zunächst nur von sechs bis neun Wochen Verzögerung gesprochen habe.

Inhalte und Vorgaben des Wettbewerbs zum oberen Areal

  • Der Vorplatz soll den Haupteingang des Theaters klar herausarbeiten, vielfältige Sitzmöglichkeiten bieten und Sichtbeziehungen zum Stadthafen freihalten. Für Freiluftaufführungen sind Nutzungen zu prüfen.
  • Die große Freitreppe fungiert als Bindeglied zum Bussebart; die Integration barrierefreier Lösungen ist zu untersuchen.
  • Für den Bereich Hermann-Duncker-Platz sind zwei Bestandsbäume (Ailanthus altissima) zu berücksichtigen. Das Denkmal „Hermann Duncker“ soll aus kulturgeschichtlichen Gründen am Standort verbleiben; eine Demontage während der Bauzeit ist nur aus zwingenden Gründen vorgesehen und entsprechend zu sichern.
  • Gefordert sind zudem ein standortgerechtes Pflanzkonzept für hoch belastete Innenstadtlagen, Maßnahmen des Regenwassermanagements sowie ein zurückhaltendes, energieeffizientes Beleuchtungskonzept. Wind- und Lärmbelastungen, insbesondere durch Straße, Straßenbahn und Großveranstaltungen am Stadthafen, sind zu berücksichtigen. Zwei Lüftungstürme an der Südwestecke des Theaterneubaus sind weiterhin gestalterisch einzubinden.

Die Jury wird paritätisch u. a. aus Stadtentwicklungsausschuss, Ortsbeirat, Planungs- und Gestaltungsbeirat sowie den Fachämtern besetzt. Bewertet werden Leitidee, Einbindung ins Umfeld, Denkmalverträglichkeit, Barrierefreiheit, Material- und Ausstattungskonzept, technische Realisierbarkeit, Wirtschaftlichkeit sowie die Eignung für Freiluftnutzung.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Bachmann warnte zudem vor „zwei Handschriften“ in der Gestaltung. Die Verwaltung betonte indes bereits zuvor, dass die Trennung inhaltlich kein Problem darstelle. Die Topografie mit einem Höhenunterschied von etwa sieben Metern und die geplante Freitreppe sprächen im Gegenteil für eine getrennte Betrachtung. Funktionale und gestalterische Nachteile seien nicht zu erwarten.

Tenor: bloß keine Verzögerung in Sachen Vorplatz

Chris Günther erklärte in Doppelfunktion als CDU-Fraktionsvorsitzende und Vorsitzende des KOE-Ausschusses zum zurückgenommenen Änderungsantrag, man habe sich interfraktionell auf die Zweiteilung verständigt, um terminliche Risiken zu vermeiden. „Augenscheinlich funktioniert’s nicht anders“, meinte sie. Außerdem äußerte sie die Befürchtung: „Wenn das Volkstheater pünktlich fertig wird, wäre der Vorplatz nicht fertig.“

Das Hermann-Duncker-Denkmal sowie zwei Bäume sollen zwingend erhalten bleiben. Auch das Hochbeet im Stil der 1970er-Jahre drumherum soll als gestalterischer Rahmen für das Denkmal mitgedacht werden.

Der nun beschlossene Wettbewerb umfasst rund 4000 Quadratmeter im oberen Teil des Außenbereichs. Ziel ist laut Wettbewerbsausschreibung ein repräsentativer Eingangsbereich, der die Lange Straße, den westlichen Umlauf am Kanonsberg und den tiefer gelegenen Platz Am Bussebart „sinnvoll“ verbindet. Eine große Freitreppe soll als zentrales Bindeglied dienen.