Erinnerung an weggebaggerte Dörfer: Vom Bierbrauen zum Malzkaffee in Wuitz, Sabissa und Oberhaide
Weggebaggerte Dörfer: Wuitz, Sabissa und Oberhaide im Fokus

Erinnerung an weggebaggerte Dörfer: Vom Bierbrauen zum Malzkaffee in Wuitz, Sabissa und Oberhaide

Jürgen Schlesinger aus Rehmsdorf widmet sich seit Jahren der Erforschung dreier verschwundener Dörfer in der Region zwischen Rehmsdorf und Meuselwitz. Wuitz, Sabissa und Oberhaide mussten im vergangenen Jahrhundert dem Kohleabbau weichen und sind heute nur noch in Chroniken und Erinnerungen präsent. Schlesinger, der 1945 in Oberhaide geboren wurde, lässt diese Geschichte nicht los. „Die weggebaggerten Dörfer beschäftigen mich bis heute“, erklärt er.

Die drei verlorenen Orte: Von kleinen Siedlungen zu blühenden Dörfern

Oberhaide war mit nur etwa 30 Einwohnern der kleinste der drei Orte und lag auf Rehmsdorfer Flur. „Es war kein richtiges Dorf, sondern bestand aus nur fünf Häusern“, so Schlesinger. Die Siedlung ging auf die Idee eines Rehmsdorfer Rittergutsbesitzers zurück, der Häuser an der alten Heerstraße errichten ließ, inklusive einer Gaststätte mit Köstritzer Schwarzbier. In den 1950er Jahren mussten die Bewohner dem Tagebau Zipsendorf-West weichen und zogen größtenteils nach Wuitz um.

Wuitz hingegen war ein blühendes Dorf mit über 700 Einwohnern, das jedoch zwischen 1954 und 1956 ebenfalls dem Kohleabbau zum Opfer fiel. In der Heimatstube Rehmsdorf sind drei Chroniken über diese Orte erhalten. Die Wuitzer Chronik, 1957 von Herbert Böttger im Auftrag des Braunkohlenwerkes Zipsendorf verfasst, beschreibt ein lebendiges Gemeinwesen:

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  • Schöne Bauernhöfe, ein Pfarrhaus und eine Kirche
  • Stattliche Güter mit alten Stuckdecken
  • Eine Bierbrauerei von 1804 bis 1904
  • An gleicher Stelle später eine Malzkaffeefabrik bis Weihnachten 1925
  • Birnbaumschenke, Schmiede, Bäckerei Proske, Kindergarten und Schule

Nach der Auskohlung des Tagebaus entstand im Wuitzer See sogar ein Freibad, das am 26. Juni 1926 eingeweiht wurde. „Der Ort Wuitz hat noch nie so viele Menschen gesehen wie an diesem Tag“, heißt es in der Chronik.

Forschung und öffentliches Interesse: Vortrag knüpft an Berkners Werk an

Der Leipziger Professor Andreas Berkner hat sich intensiv mit dem Bergbau und den Umsiedlungen in der Region beschäftigt. Sein Vortrag 2025 im Bürgerhaus Rehmsdorf zog viele Besucher an. „Wir haben sein Buch über die Umsiedlung gekauft. Es ist ein umfassendes Werk über die weggebaggerten Dörfer in Mitteldeutschland. Wer einmal darin liest, kann einfach nicht mehr aufhören“, berichtet Schlesinger.

Angeregt durch das große Interesse hat Schlesinger nun einen eigenen Vortrag erarbeitet, den er am Montag, 16. März, um 18 Uhr im Bürgerhaus Rehmsdorf präsentieren wird. „Ich konzentriere mich auf Wuitz, Sabissa und Oberhaide“, verrät er. Johannes Schwarz aus Rehmsdorf unterstützte ihn bei der technischen Umsetzung, sodass alte Fotos gezeigt werden können. Wer heute mit offenen Augen rund um Rehmsdorf wandert, findet noch steinerne Wegweiser als stille Zeugen der vergessenen Orte.

Der Vortrag bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Geschichte dieser verschwundenen Dörfer lebendig werden zu lassen und an das Erbe der Region zu erinnern.

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