Milliardenmarkt Online-Glücksspiel: EuGH-Entscheidung zu Rückzahlungen von Verlusten steht bevor
EuGH-Entscheidung zu Rückzahlungen bei Online-Glücksspielen

Milliardenmarkt Online-Glücksspiel: EuGH-Entscheidung zu Rückzahlungen von Verlusten steht bevor

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg äußert sich heute ab 9.30 Uhr zu einem wegweisenden Fall im Bereich des Online-Glücksspiels. Es geht um die Klage eines deutschen Verbrauchers gegen einen maltesischen Anbieter, der auf Rückzahlung verlorener Spieleinsätze verklagt wird. Diese Entscheidung könnte Tausende ähnlicher Verfahren in Deutschland beeinflussen, bei denen Spielerinnen und Spieler auf Rückerstattungen von Verlusten bei Anbietern ohne deutsche Lizenz hoffen.

Rechtliche Grundlagen für Online-Glücksspiele in Deutschland

In Deutschland benötigen alle Anbieter von Online-Glücksspielen eine behördliche Genehmigung der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Ohne diese Erlaubnis gilt das Angebot als illegal. Seit dem Glücksspielstaatsvertrag von 2021 können private Anbieter Lizenzen für virtuelle Automatenspiele und Online-Poker erhalten, während bestimmte Anbieter auch für Online-Casinos zugelassen werden. Sportwetten laufen auf einer separaten rechtlichen Schiene, wobei die Lizenzerteilung hier bereits seit 2020 funktioniert.

Problematik ausländischer Anbieter und EuGH-Entscheidung

Erlaubnisse aus anderen Ländern, auch aus EU-Staaten wie Malta, reichen in Deutschland nicht aus. Dennoch nutzten viele Verbraucherinnen und Verbraucher, insbesondere während des früheren Verbots von Online-Glücksspielen in Deutschland, Webseiten von Anbietern mit ausländischen Lizenzen. Maltesische Unternehmen argumentieren, dass die deutsche Regelung gegen die Dienstleistungsfreiheit im EU-Recht verstößt und dass ihre Lizenzen auch in Deutschland anerkannt werden sollten. Zudem sehen sie solche Klagen als rechtsmissbräuchlich an, da Spieler wissentlich Anbieter mit maltesischer Lizenz genutzt hätten. Rechtsanwalt István Cocron, der zahlreiche Verfahren auf Spielerseite betreut hat, bezeichnet das anstehende EuGH-Urteil als „erste große Weichenstellung“ für Rückforderungsverfahren.

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Marktvolumen und Risiken des illegalen Glücksspiels

Laut dem Tätigkeitsbericht der GGL für das Jahr 2024 wurden mit Online-Sportwetten, virtuellen Automatenspielen und Online-Poker fast zwei Milliarden Euro Umsatz erzielt – mit steigender Tendenz. Sportwetten machten dabei 1,3 Milliarden Euro aus, was einem Anstieg von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Umsätze von Automatenspielen und Poker im Internet stiegen sogar um 38 Prozent auf 0,6 Milliarden Euro. Der Schwarzmarkt für unerlaubte Online-Angebote hat ein Volumen von knapp 23 Prozent, was mehrere Hundert Millionen Euro pro Jahr ausmacht. Die GGL stellte 2024 fast 900 deutschsprachige Internetseiten mit Glücksspielen von Veranstaltern ohne Erlaubnis fest.

Gefahren und Erkennungsmerkmale illegaler Angebote

Glücksspiel, ob legal oder illegal, kann abhängig machen, wobei Online-Glücksspiel aufgrund seiner ständigen Verfügbarkeit ein erhöhtes Suchtrisiko birgt. Illegale Angebote unterliegen keiner staatlichen Aufsicht, was zusätzliche Risiken mit sich bringt: Es gibt keine Einsatz- und Einzahlungslimits, und Spieler sind nicht vor betrügerischen Praktiken geschützt. Zudem können sich Teilnehmer vorsätzlich an illegalen Spielen strafbar machen. Um illegale Angebote zu erkennen, können Verbraucher die Whitelist der GGL konsultieren. Weitere Hinweise sind fehlende Angaben zu einer deutschen Erlaubnis auf der Homepage, unvollständige Impressen oder die Verwendung ausländischer Domains mit ungewöhnlichen Endungen wie .cc, .net oder .casino.

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