Im Mai rückt der Rasen für viele Gartenbesitzer besonders in den Fokus. Und ausgerechnet jetzt soll der Mäher Pause machen. Die Aktion „Mähfreier Mai“ fordert, das Gras vier Wochen lang wachsen zu lassen. Klingt nach einem Gewinn für Bienen und Schmetterlinge. Doch ist ein Monat ohne Mähen wirklich gut für die Artenvielfalt – oder leidet der heimische Rasen am Ende sogar?
Aktion „Mähfreier Mai“ setzt auf mehr Artenvielfalt
Die Idee stammt ursprünglich aus Großbritannien. Der „Mähfreie Mai“ ruft dazu auf, im Mai bewusst nicht zu mähen. Wildpflanzen und Insekten sollen mehr Raum bekommen. Löwenzahn, Klee oder Gänseblümchen können wachsen und blühen. Für Bienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber entstehen so zusätzliche Nahrungsquellen. Zugleich will die Kampagne ein Umdenken anstoßen: Weg vom kurz geschorenen Zierrasen, der ökologisch kaum etwas bringt. Stattdessen sollen naturnahe Flächen entstehen, die Tieren als Lebensraum dienen und die Artenvielfalt im eigenen Garten fördern.
Experte warnt vor falschen Erwartungen
Doch nicht jeder Rasen wird durch vier Wochen Pause automatisch zur Blumenwiese. „Eine Rasenfläche, die nur aus Gräsern besteht, wird auch nach vier Wochen ohne Mahd nicht zur Blumenwiese, bleibt also für Insekten, die auf Blüten spekulieren, unattraktiv“, erklärt Dr. Harald Nonn, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft, auf Anfrage von myHOMEBOOK. Ob und wie oft gemäht wird, sei letztlich eine persönliche Entscheidung. Entscheidend sei, was auf der Fläche wächst und wie sie genutzt wird. „Nutzungsart und -intensität bestimmen die Mähintervalle“, so der Profi.
Einen Kompromiss finden
Zwischen Dauer-Mähen und komplettem Verzicht sieht die Umweltberatung einen Mittelweg. Man müsse sich nicht für ein Extrem entscheiden, heißt es dort. „Wichtig ist in jedem Fall, nicht die ganze Fläche auf einmal zu mähen, damit den Tieren eine Rückzugsfläche bleibt.“ Auch beim Werkzeug gibt es Unterschiede. „Das Mähen mit Sense, Handmäher und Grasschere überleben Schmetterlinge, Bienen und Heuschrecken eher als eine Mahd mit Rasenmäher oder Motorsense“, erklärt die Umweltberatung. Zusätzlich rät sie, möglichst dann zu mähen, wenn wenig Insekten unterwegs sind – etwa an kühlen oder eher bedeckten Tagen.



