Reiseübelkeit auf der Autofahrt: Wenn die Urlaubsreise zur Belastungsprobe wird
Die Vorfreude auf den Urlaub ist groß, doch für viele Menschen wird die Anreise mit dem Auto zu einer echten Herausforderung, wenn Reiseübelkeit auftritt. Besonders Kinder sind häufig betroffen, aber auch Erwachsene können unter diesem unangenehmen Phänomen leiden. Was genau hinter der Reisekrankheit steckt und wie man ihr effektiv entgegenwirken kann, erklärt dieser umfassende Ratgeber.
Die Ursachen: Warum wird uns auf Reisen schlecht?
Die Reiseübelkeit entsteht durch einen Konflikt zwischen verschiedenen Sinneseindrücken. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr registriert präzise jede Bewegung des Fahrzeugs - ob Beschleunigung, Bremsmanöver oder Kurvenfahrten. Gleichzeitig nehmen die Augen jedoch oft etwas völlig anderes wahr, insbesondere wenn sie auf statische Objekte wie Bücher, Tablets oder Smartphone-Displays gerichtet sind. Diese widersprüchlichen Informationen kann das Gehirn nicht richtig verarbeiten, was schließlich zu Übelkeit führt.
Interessanterweise tritt dieses Problem bei den meisten Menschen nicht auf, wenn sie selbst am Steuer sitzen. In dieser Position schaut man automatisch auf die Straße und sieht die Bewegungen, die der Körper spürt. Bei Kindern ist das Gleichgewichtssystem besonders empfindlich, weshalb sie schneller von Reiseübelkeit betroffen sind als Erwachsene.
Vorbeugende Maßnahmen: So beugen Sie der Übelkeit effektiv vor
Sitzplatzwahl: Der Beifahrersitz bietet deutlich bessere Voraussetzungen als die Rückbank, da man von dort aus freie Sicht nach vorne hat und Bewegungen besser einschätzen kann. Für Kinder gelten natürlich die üblichen Sicherheitsbestimmungen bezüglich Alter, Größe und geeignetem Kindersitz.
Reisezeitplanung: Längere Fahrten während gewohnter Schlafenszeiten zu planen, kann besonders für Kinder hilfreich sein. Wer einen Teil der Strecke verschläft, umgeht die Übelkeit problemlos. Wichtig ist dabei, dass der Fahrer ausgeruht und konzentriert bleibt.
Optimale Luftverhältnisse: Unangenehme Gerüche wie Essensdüfte, Lufterfrischer oder Zigarettenrauch können Übelkeit auslösen oder verstärken. Kombiniert mit hohen Temperaturen im Fahrzeuginneren entsteht schnell ein unerträgliches Klima. Regelmäßiges, kurzes Lüften oder eine gemäßigte Einstellung der Klimaanlage schaffen Abhilfe.
Blickrichtung: Das Lesen von Büchern oder das Betrachten von Filmen und Smartphone-Inhalten verstärkt die Reiseübelkeit häufig. Besser ist es, den Blick geradeaus nach draußen zu richten, idealerweise in die Ferne.
Ernährung vor der Fahrt: Ein übervoller Magen kann Übelkeit begünstigen, während ein komplett leerer Magen ein unangenehmes flaues Gefühl verursacht. Leichte Snacks wie Brot, Toast, Cracker oder Zwieback sind ideal. Auch Apfelstücke und Bananen werden meist gut vertragen. Bei Getränken sollten kohlensäurefreie Varianten bevorzugt werden.
Medikamentöse Vorbeugung: Bei regelmäßig und stark auftretender Reiseübelkeit können spezielle Präparate helfen. Antihistaminika wie Dimenhydrinat sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich und werden etwa eine halbe bis eine Stunde vor Reisebeginn eingenommen. Das verschreibungspflichtige Scopolamin stellt eine weitere Option dar.
Soforthilfe bei akuter Reiseübelkeit
Wenn die Übelkeit bereits eingesetzt hat, helfen folgende Maßnahmen:
- Den Blick sofort nach vorne auf die Straße oder in die Ferne richten
- Bücher, Handys oder Tablets beiseitelegen
- Den Kopf möglichst ruhig halten
- Ein kühles, feuchtes Tuch in den Nacken oder ins Gesicht legen
- Das Fenster öffnen, um frische Luft ins Auto zu lassen
- Wenn möglich, kurz anhalten und aussteigen
Der Automobil-Club Verkehr (ACV) rät außerdem, stets eine Tüte oder einen Spuckbeutel griffbereit zu haben. Falls es zum Erbrechen kommt, sollte man bis zur nächsten Ausfahrt oder einem Rastplatz weiterfahren und nicht auf dem Seitenstreifen anhalten - es sei denn, es liegt ein medizinischer Notfall wie Atemnot vor.
Mit diesen umfassenden Tipps und Strategien lässt sich die Reiseübelkeit wirksam bekämpfen, sodass die Urlaubsfahrt wieder zu dem werden kann, was sie sein sollte: der angenehme Beginn eines erholsamen Urlaubs.



