Reisepass übertrifft alle anderen Reisegegenstände bei Keimbelastung
Wer an schmutzige Reiseutensilien denkt, hat meist die Rollen des Koffers im Sinn. Diese kommen schließlich mit Straßen, Flughafenbändern und diversen Oberflächen in Kontakt. Doch eine aktuelle Untersuchung bringt ein überraschendes Ergebnis ans Licht: Der unscheinbare Reisepass toppt alle anderen Gegenstände im Gepäck deutlich, wenn es um mikrobielle Belastung geht.
Mikrobiologische Analyse mit eindeutigem Ergebnis
Das Unternehmen JRPass.com ließ verschiedene typische Reisegegenstände einer detaillierten mikrobiologischen Prüfung unterziehen. Für die Untersuchung führte ein Forscherteam Abstriche durch und setzte diese auf Nähragar an, einem speziellen Gel, das als Nährboden für Bakterienkulturen dient. Sichtbare Kolonien bilden sich, wenn Mikroorganismen darauf wachsen.
Gemessen wurden die sogenannten Colony Forming Units (CFU), also koloniebildende Einheiten. Je höher dieser CFU-Wert ausfällt, desto stärker ist die mikrobielle Belastung des jeweiligen Gegenstandes. Insgesamt wurden sechs Kategorien von Reiseutensilien untersucht: Handgepäckstücke, Aufgabegepäckstücke, Schuhe, Smartphones, Kleidungsstücke sowie Reisepässe.
Reisepässe liegen mit 436 CFU klar an der Spitze
Das Ergebnis der Analyse ist eindeutig und überraschend zugleich: Der Reisepass erreichte mit 436 CFU den mit Abstand höchsten Wert und belegt damit den ersten Platz. Mit großem Abstand folgte das Aufgabegepäck mit 97 CFU auf dem zweiten Rang. Danach kamen Schuhe mit durchschnittlich 65 CFU und Handgepäck mit 56 CFU. Smartphones wiesen 45 CFU auf, während Kleidungsstücke mit nur 15 CFU die geringste Belastung zeigten.
Warum sind Reisepässe so stark kontaminiert?
Hände gelten als Hauptweg für die Verbreitung von Infektionskrankheiten, wie auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) regelmäßig betont. Bei Reisepässen kommt hinzu, dass sie an stark frequentierten Verkehrsknotenpunkten wie Flughäfen von zahlreichen Personen berührt werden. Nicht nur die Reisenden selbst, sondern auch Flughafenpersonal, Sicherheitskräfte und Grenzbeamte kommen mit den Dokumenten in Kontakt.
Diese häufige Weitergabe und Berührung durch unterschiedliche Hände an Orten mit hohem Personenaufkommen erklärt die außergewöhnlich hohe Keimbelastung der Reisepässe im Vergleich zu anderen Reisegegenständen.
Expertenmeinung: Nicht jede Keimbelastung ist gefährlich
Doch bedeutet eine hohe CFU-Zahl automatisch ein Gesundheitsrisiko? TRAVELBOOK befragte dazu den Allgemeinmediziner Dr. med. Michael Feld. Der Experte erklärt, dass eine hohe Keimzahl nicht zwangsläufig gesundheitlich bedenklich sein muss. Neben der Menge der Mikroorganismen spielen auch die Art der Erreger und die individuelle Abwehrkraft eine entscheidende Rolle.
Für die meisten Alltagskeime auf Reisedokumenten gilt laut Feld: Gründliches Händewaschen nach dem Kontakt und gelegentliches Abwischen der Dokumente reichen in der Regel aus, um das Infektionsrisiko zu minimieren.
Kleine Stichprobe mit begrenzter Aussagekraft
Trotz der interessanten Ergebnisse sollte die Untersuchung nicht überbewertet werden. Die Stichprobe umfasste lediglich 18 getestete Gegenstände und ist damit relativ klein. Es handelt sich eher um ein aufschlussreiches Experiment, das Hinweise auf Unterschiede zwischen verschiedenen Reiseutensilien liefert.
Abschließende Aussagen zur allgemeinen mikrobiellen Belastung beim Reisen lassen sich aus dieser begrenzten Untersuchung nicht ableiten. Dennoch bietet sie wertvolle Einblicke in die Hygieneverhältnisse typischer Reisebegleiter und regt zu bewussterem Umgang mit persönlichen Dokumenten während der Reise an.



