Nun, das ist mal eine unerwartete Wendung in meiner kulinarischen Routine! Da denkt man jahrelang, dass die heimische Küche eigentlich recht ordentlich funktioniert – zumindest, solange alle satt werden und keine dramatischen Gesichter am Tisch entstehen – und dann kommt die Tochter daher und bringt vollkommen neue Maßstäbe ins Spiel.
Eine neue Feinschmeckerin im Haus
Am Sonnabend half sie im neu eröffneten Restaurant SEEZIEGE in Thomsdorf aus. Und was höre ich da bei der Heimfahrt? Mein Familien-Gulasch, das ich von meinem Vater übernommen habe und seit jeher für einen Höhepunkt halte, geriet plötzlich in den Schatten: Sie probierte dort einen „wunderbaren, einzigartigen“ Gulasch, der meinen übertraf. Wie sich später herausstellte, war es Boeuf Bourguignon.
Da beginnt man wirklich zu grübeln, ob die eigene Kochkunst vielleicht ein wenig Staub angesetzt hat. Meine Tochter hat offensichtlich ihre Leidenschaft für die gehobene Küche entdeckt und greift damit sogar unser einst so geliebtes Familiengericht an. Also muss ich mit der neuen Feinschmeckerin im Haus Schritt halten, bevor irgendjemand meine Kochkünste komplett als hausbacken erklärt.
Ein weiterer Gourmetabend
Am Sonntagabend erlebte ich den nächsten kulinarischen Schock: Bei einem Probeessen im „Gasthof zum Grünen Baum“, den Freunde zu Pfingsten wiedereröffnen, verfolgte ich fasziniert, wie meine Tochter das gesamte Menü mit kritischem Blick prüfte und mit lobenden Worten würdigte. Ihre plötzliche Verwandlung zur Gourmetkritikerin brachte mich tatsächlich ins Schwitzen.
Vielleicht buche ich einen Kochkurs oder starte einen Ausflug in die Tiefen von Social-Media-Videos. Die Aussicht, meiner Küche ein paar neue Tricks und Kniffe hinzuzufügen, reizt mich durchaus. Andererseits überlasse ich meiner 16-jährigen Tochter auch gern den Herd und lasse sie zeigen, dass sie nicht nur Geschmack hat, sondern auch kochen kann. Beim Kuchen hat sie schon bewiesen, was sie kann. Für diesen Plan opfere ich mich gern. Bikinifigur ade.



