Winterreifen im Sommer: Bis zu 10.000 Euro Risiko bei Unfall
Winterreifen im Sommer: Bis zu 10.000 Euro Risiko (03.05.2026)

In Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht. Die Faustformel dazu: Nur von Oktober bis Ostern sollte mit Winterreifen gefahren werden (O bis O). Es gibt jedoch kein Gesetz, das Autofahrer verpflichtet, im Frühjahr auf Sommerreifen umzusteigen. Die meisten Autofahrer wissen zwar, dass Winterreifen im Sommer wenig Sinn ergeben: Die Reifen verschleißen schneller bei hohen Temperaturen, der Spritverbrauch steigt und die Höchstgeschwindigkeit sinkt. Aber: Es ist nicht verboten, mit Winterreifen zu fahren.

Unfall mit Winterreifen: Schuldfrage kann negativ ausfallen

Was die wenigsten Autofahrer allerdings wissen: Kommt es mit Winterreifen zu einem Unfall, kann sich das negativ auf die Schuldfrage auswirken. Selbst dann, wenn man sich korrekt an die Verkehrsregeln gehalten hat. Die Kfz-Haftpflichtversicherung trägt in der Regel die Kosten für Schäden, die man mit Winterreifen im Sommer verursacht hat. Im Rahmen einer Kaskoversicherung (Fahrzeugversicherung) kann die falsche Bereifung bei der Beurteilung einer möglichen Kostenübernahme jedoch teuer werden.

Wenn das Verhalten des Fahrers als grob fahrlässig eingestuft wird, ist es möglich, dass die Fahrzeugversicherung nicht bzw. nicht vollständig für die Schäden am Unfallauto aufkommt. Insbesondere dann, wenn die Versicherung nachweist, dass die Reifen aufgrund der sommerlichen Temperaturen an Stabilität verloren haben. Die weiche Gummierung ist dafür nicht ausgelegt.

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ADAC-Test: Bremsweg deutlich länger mit Winterreifen

Verursacht der Autofahrer z. B. einen Auffahrunfall, kann die Versicherung argumentieren, dass der Unfall nur mit Winterreifen im Sommer geschehen konnte, da sich dadurch der Bremsweg verlängert. Eine grobe Fahrlässigkeit des Fahrers also. In diesem Fall kann ein Schaden schnell mehr als 10.000 Euro kosten.

In einem Test hat der ADAC drei verschiedene Winterreifen-Modelle mit unterschiedlichen Profiltiefen unter sommerlichen Bedingungen getestet und mit Sommerreifen verglichen. Die Ergebnisse sind alarmierend: Auf trockener Straße verlängerte sich der Bremsweg aus Tempo 100 km/h mit Winterreifen deutlich. Ein Fahrzeug mit Sommerreifen kam vor einem Hindernis bereits zum Stehen, während das Auto mit Winterreifen hier noch mit etwa 37 km/h unterwegs war.

Worauf Sie bei Winterreifen im Sommer achten sollten

Nicht nur deshalb empfiehlt der ADAC, rechtzeitig auf Sommerreifen zu wechseln. Wer im Sinne der Nachhaltigkeit abgenutzte Winterreifen aber dennoch weiterfahren möchte, sollte dies nur in der Übergangszeit tun und folgende Punkte beachten:

  • Hohe Temperaturen meiden: Winterreifen in der Übergangszeit (Mai/Juni) zu verwenden, ist weniger kritisch, da die Temperaturen noch nicht konstant hoch sind. Im Hochsommer sind Winterreifen aufgrund der hohen Asphalttemperaturen allerdings ein Sicherheitsrisiko.
  • Profiltiefe beachten: Vor allem Winterreifen mit nahezu voller Profiltiefe (über vier bis fünf Millimeter) sollten im Sommer auf keinen Fall weiterverwendet, sondern für den nächsten Winter aufgehoben werden. Bei Reifen mit reduzierter Profiltiefe können die Nachteile geringer ausfallen, wie ein Test des ADAC gezeigt hat. Weniger als drei Millimeter sollte das Profil jedoch nicht haben: Dann steigt das Risiko von Aquaplaning, da der Reifen bei nassen Bedingungen weniger Wasser ableiten und das Fahrzeug leichter aufschwimmen kann.
  • Vermeidung von hohen Geschwindigkeiten: Winterreifen sind bei schnellen Fahrten oder hohen Asphalttemperaturen besonders gefährlich. Hohe Geschwindigkeiten können dazu führen, dass der Reifen zu warm wird und seine Leistung dadurch stark beeinträchtigt wird.
  • Voll beladenes Fahrzeug vermeiden: Besonders bei voll beladenem Fahrzeug, etwa auf Urlaubsreisen, ist die Verwendung von Winterreifen im Sommer kritisch. Hohe Temperaturen und schwere Lasten führen zu einer stärkeren Erwärmung der Lauffläche und unzureichendem Grip.

Mehr Infos zum Thema Sommer- und Winterreifen finden Sie auf der Website des ADAC.

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