Knigge-Trainerin verrät: Zehn Tischmanieren, die Deutsche falsch machen
Zehn Tischmanieren, die Deutsche falsch machen

In einer digitalisierten Welt, in der soziale Medien die Kommunikation dominieren, stellen viele die Relevanz traditioneller Benimmregeln infrage. Nicole Schlepphorst aus Lippstadt, Expertin für moderne Umgangsformen, betont: „Knigge ist nicht altmodisch, sondern sehr zeitgemäß. Es geht um wertschätzenden Umgang, der niemals an Aktualität verliert.“

Knigge-Trainerin mit eigener Galerie

Seit 2018 arbeitet Nicole Schlepphorst als Trainerin für moderne Umgangsformen. Zuvor leitete sie 17 Jahre ein Geschäft für Businessbekleidung. „Der Kontakt zu Menschen war mir immer wichtig“, erklärt sie. „Nach der Aufgabe suchte ich nach einer Möglichkeit, diesen Kontakt zu halten – verbindend und freudvoll. Denn nur mit Freude ist man gut bei der Sache. Ich male gerne, bin kreativ und betreibe eine Galerie, aber das ist eher mein Hobby.“

Über jede Generation wird behauptet, sie sei schlecht erzogen. „Das haben auch meine Eltern über mich gesagt, als ich Teenager war. So wird es weitergetragen. Es hat auch damit zu tun, dass Generationen sich voneinander abgrenzen möchten, oft durch Übertreibung.“

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Positiver Eindruck scheitert am Händedruck

Eine Freundin berichtete von einer irritierenden Begegnung mit einer Praktikantin: „Schlaffer Händedruck und fehlender Blickkontakt hinterließen einen negativen Eindruck. Ich möchte jungen Menschen zeigen, wie sie auf andere wirken und diese Wirkung positiv gestalten können.“

Schlepphorst beginnt bereits bei den Jüngsten. In Kindergärten vermittelt sie in 45-minütigen Einheiten spielerisch Begrüßung, Zauberwörter, Rücksicht und Tischkultur – stets mit Fokus auf selbstbewusstes Auftreten. „Ich arbeite mit verschiedenen Altersgruppen und zeige, wie wichtig respektvoller Umgang ist.“

Eltern als beste Vorbilder

„Ich bin meinen Eltern dankbar für eine gute Erziehung. Es geht nicht nur um Tischmanieren, sondern um wertschätzenden Umgang. Meine Eltern lehrten mich zuzuhören, andere wahrzunehmen und aktiv auf sie zuzugehen. Mein Vater war Handelsvertreter und hatte ständig mit Menschen zu tun. Die Frage, wie wir wertschätzend miteinander umgehen, bleibt immer aktuell.“

Wer war eigentlich dieser Knigge?

Adolph Freiherr Knigge (1752–1796) war ein deutscher Schriftsteller und Aufklärer. Sein Werk „Über den Umgang mit Menschen“ (1788) behandelt höflichen und respektvollen Umgang und wird oft fälschlich als Benimmratgeber missverstanden. Knigge legte den Schwerpunkt auf soziale Kompetenzen und zwischenmenschliches Verhalten.

Der perfekte Auftritt für Auszubildende

Schlepphorst bietet Kurse für Grundschulen, weiterführende Schulen und Unternehmen an. „In meinen Seminaren lautet der Titel ‚Mein perfekter Auftritt‘ – ich zeige, wie man in neuen beruflichen Situationen gut ankommt.“

Die interaktiven Seminare vermitteln theoretische Grundlagen und praxisnahe Übungen. „Wir sprechen über den Händedruck; er ist wichtig, auch wenn Corona ihn verändert hat. Heute empfindet niemand jemanden als unhöflich, der aus gesundheitlichen Gründen darauf verzichtet.“

Fettnäpfchen mit Humor nehmen

„Wenn ein Glas umfällt, sollte man es mit Humor nehmen und wegwischen. Humor ist der beste Umgang mit kleinen Missgeschicken.“ Ein weiteres Beispiel: „Mein Mann liebt es, von meinem Teller zu probieren, und das nervt.“ Ihr Kompromiss: ein zusätzlicher Teller in der Mitte. „Manchmal endet das im Chaos, wenn rote Soße auf der Tischdecke landet.“

Follower regen zu Videos an

Auf LinkedIn, Instagram, TikTok und Facebook veröffentlicht Schlepphorst kurze Videos zu Benimmfragen. „Meine Follower fragen oft zu Small Talk, Besteck oder gesellschaftlichen Unsicherheiten. Ich greife das auf und liefere Antworten in Reels“, erklärt die 58-Jährige. Ihr Markenzeichen: Blazer, Fliege und zum Dutt hochgestecktes Haar.

Ihr Video zur Serviettenbenutzung – „Was passiert mit der Serviette?“ – erzielte 22.000 Aufrufe und löste Diskussionen über Aussprache und Frisur aus. „Das war eines meiner ersten viralen Videos.“

Die größte Zuschauergruppe sind 45- bis 54-Jährige, aber auch jüngere Menschen und Familien interessieren sich. „Die Unsicherheit führt dazu, dass sich mehr für Knigge interessieren. Vielleicht suchen Menschen Orientierung in sich ständig wandelnden sozialen Interaktionen.“

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Kleine Feinheiten erleichtern die Wahrnehmung

Unternehmen buchen sie für interkulturelle Trainings. „In Deutschland schauen wir uns in die Augen, in Japan verbeugen wir uns. Solche Feinheiten vermittle ich in meinen Seminaren.“

Zehn Fragen an die Knigge-Trainerin

  1. Wie lege ich das Besteck richtig auf den Teller? „20 nach acht“ zeigt eine Pause an, quer über dem Teller bedeutet: Ich bin fertig.
  2. Wie esse ich eine Pizza richtig? Es gibt verschiedene Möglichkeiten. In Italien isst man sie oft mit der Hand. Jeder sollte die Variante wählen, mit der er sich wohlfühlt.
  3. Wie sagt man am Tisch, dass man zur Toilette geht? Es reicht: „Entschuldigen Sie mich bitte für einen Moment.“
  4. Was mache ich, wenn mir das Essen nicht schmeckt? Man kann das offen und ehrlich sagen.
  5. Was tue ich, wenn ich am Tisch niesen muss? Niesen Sie in die Armbeuge oder in ein Taschentuch.
  6. Wohin lege ich die Handtasche im Restaurant? Nicht auf den Tisch. Platzieren Sie sie auf einem freien Sitzplatz oder links neben sich auf dem Boden. Ein Taschenhaken ist praktisch.
  7. Muss ich Trinkgeld geben? Üblich sind fünf bis zehn Prozent. Niemand zwingt dazu. Trinkgeld drückt Wertschätzung aus, nicht Statussymbol.
  8. Kann ich zu spät zu einem privaten Essen kommen? Pünktlichkeit zeigt Wertschätzung gegenüber dem Gastgeber.
  9. Ist es in Ordnung, leere Teller zusammenzustellen? Nein, das Serviceteam hat ein durchdachtes System.
  10. Wohin mit der Serviette? Auf den Schoß, unter den Tisch, Öffnung zum Körper. Nach dem Essen oder beim Verlassen des Tisches auf die linke Seite neben den Teller legen, nicht zerknüllt auf den Teller.