Vom DDR-Tabu zur Herzensangelegenheit: Cordulas Kampf für das Plattdeutsche
Cordulas Kampf für die plattdeutsche Sprache

Vom DDR-Tabu zur Herzensangelegenheit: Cordulas Kampf für das Plattdeutsche

Der Internationale Tag der Muttersprache am 21. Februar ist für Cordula Czubatynski aus Quitzöbel ein besonderer Anlass. Sie nutzt den Gedenktag, um auf die bedrohte plattdeutsche Sprache aufmerksam zu machen, die einst in der DDR strikt verboten war. Ihre Mutter und Großmutter sprachen noch Plattdeutsch, doch in den Schulen der DDR wurde nur Hochdeutsch geduldet. „Vor 90 Jahren haben die Lehrer klar zu verstehen gegeben, hier wird kein Plattdeutsch gesprochen“, erinnert sich Czubatynski. „Ich bin mit dieser bildhaften Sprache aufgewachsen, habe sie aber erst später wiederentdeckt.“

Die Rückkehr zur Muttersprache durch Naturschutzarbeit

Den entscheidenden Impuls erhielt Cordula Czubatynski durch ihre Zusammenarbeit mit dem Biologen und Vogelkundler Frank Neuschulz aus Gartow. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze engagierte sich Neuschulz für länderübergreifenden Naturschutz an der Elbe und initiierte Ideen wie die Deichrückverlegung am „Bösen Ort“. Als Mitarbeiterin der Naturwacht beobachtete Czubatynski, dass einige Projekte bei Landwirten auf Skepsis stießen. Die Naturwacht nutzte daher die plattdeutsche Sprache, um bei kulturellen Anlässen Brücken zu bauen und die Vorhaben verständlich zu machen. Diese Erfahrung weckte Czubatynskis Leidenschaft für ihre fast vergessene Muttersprache neu.

Internationaler Tag der Muttersprache: Ein Appell für Vielfalt

Der Internationale Tag der Muttersprache, der jährlich am 21. Februar begangen wird, erinnert an die Bedeutung sprachlicher Vielfalt. Laut der UNESCO sind über die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht. Das Datum geht auf Proteste in Dhaka im Jahr 1952 zurück, bei denen Menschen für die Anerkennung ihrer Muttersprache Bengali starben. Für Cordula Czubatynski ist dieser Tag auch mit traurigen Erinnerungen verbunden, da Frank Neuschulz 2008 überraschend an einem Herzinfarkt verstarb. Doch sein Vermächtnis lebt in ihrem Engagement weiter.

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Plattdeutsch-AG und Vereinsarbeit: Aktive Sprachförderung

Seit 2022 arbeitet Cordula Czubatynski als Erzieherin im Hort „Wirbelwind“ in Bad Wilsnack. Dort hat sie eine Plattdeutsch-AG ins Leben gerufen, an der derzeit 15 Kinder teilnehmen. In der AG werden Geschichten gelesen, Lieder gesungen und kleine Aufführungen einstudiert – alles auf Plattdeutsch. „Materialien erhalten wir vom Verein für Niederdeutsch Land Brandenburg, in dem ich seit drei Jahren Mitglied bin“, erklärt Czubatynski. Zudem gibt es regelmäßige Treffen plattdeutscher Gruppen, etwa donnerstags in Ledge oder am ersten Dienstag im Monat in Bälow.

Cordula Czubatynski ist überzeugt: „Wenn die plattdeutsche Sprache nicht mehr gesprochen wird, dann geht ein weiteres Kulturgut verloren.“ Ihr Motto lautet: „Leewer platt reden, as platt maoken.“ Mit ihrem Einsatz trägt sie dazu bei, dass die Sprache ihrer Kindheit nicht in Vergessenheit gerät, sondern für kommende Generationen lebendig bleibt.

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