Vom Stadionzaun zur Kanzel: Ex-Gladbach-Capo Sven Körber ist jetzt Pastor
Ex-Gladbach-Capo ist jetzt Pastor in Balve

Vom Stadionzaun zur Kanzel: Die ungewöhnliche Wandlung eines Fußball-Ultras

Vor rund 25 Jahren war Sven Körber (45) eine feste Größe in der Gladbacher Ultra-Szene. Mit Megafon auf dem Zaun im Bökelbergstadion peitschte er die Fans an, marschierte durch die Blöcke und sorgte für Stimmung. Heute steht derselbe Mann in Talar und mit Bibel im Arm vor seiner evangelischen Gemeinde in Balve im Sauerland.

Vom Capo zum Gemeindepädagogen mit pastoralem Auftrag

Körbers Weg ist außergewöhnlich: 1995 bekam er seine erste Dauerkarte, trat dem FPMG Supporters Club bei und stieg später zum Capo auf. Parallel begann er ein Theologie-Studium, das er jedoch zugunsten seiner Fußballleidenschaft vernachlässigte. „Ich habe es gegen die Wand gefahren, weil ich bei so vielen Spielen war und so viel in der Gemeinde gearbeitet habe“, gesteht er.

Nachdem sich die Ultras Mönchengladbach 2008 auflösten, konzentrierte sich Körber auf seine berufliche Karriere. Über die Evangelistenschule Johanneum in Wuppertal schaffte er den Aufstieg zum Gemeindepädagogen mit pastoralem Auftrag in Balve, einer Stadt mit rund 12.000 Einwohnern.

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Brücken bauen zwischen Fußball und Glaube

Jeden Sonntag leitet Körber Gottesdienste, führt Trauungen und Beerdigungen durch und betreut Jugendprojekte. Sein Credo: „Ich möchte Brücken bauen in dieser Gesellschaft. Und der Fußball ist eine Brücke, um ins Gespräch zu kommen.“ Diese Verbindung lebt er aktiv – seinen Konfirmationsspruch ließ er sich in Gladbach-Grün in den Talar sticken, und im Sauerland gründete er den Fan-Club „Felsenmeer Fohlen“.

Pro Saison besucht er etwa 25 Spiele, seine Dauerkarte hat er in Block 17A oberhalb der Gladbacher Fan-Szene. Auch während der Arbeit trägt er gelegentlich die Borussia-Raute auf der Brust. Die Gemeinde leitet er gemeinsam mit seiner Frau Doreen.

Positionen zu aktuellen Fußballthemen

Körber beobachtet die Entwicklung der Ultra-Szene kritisch: „Die Rolle der Ultras hat sich verändert. Heute ist es teilweise erlebnisorientierte Jugendkultur.“ Zu aktuellen Kontroversen äußert er klare Positionen: Beim Videobeweis (VAR) plädiert er für mehr Schiedsrichterverantwortung, da der VAR die Emotionen im Stadion beeinträchtige. Die 50+1-Regel befürwortet er als gutes System ohne zu viele Investoren. Zur Pyrotechnik sagt er: „Pyrotechnik ist Geschmackssache, aber ich persönlich mag lieber Fahnen als Pyro.“

Fußball und Glaube – eine Balance

Ein besonderes Erlebnis verbindet beide Welten: 2001 verließ Körber beim Spiel in Fürth kurzzeitig den Block, um für den Aufstieg zu beten. Gladbach sicherte sich das Unentschieden und stieg auf. Heute betet er nicht mehr für sportliche Erfolge: „Es gibt Dinge, die sind wichtiger als Fußball und der Klassenerhalt.“

Dennoch hofft er auf den Verbleib in der Bundesliga – aus praktischen Gründen: „Bis zum Anstoß in der 2. Liga sonntags um 13.30 Uhr würde ich es nach dem Gottesdienst nicht mehr rechtzeitig ins Stadion schaffen.“ Drei Trauungen von Fans, die seinen Namen aus der Ultra-Zeit kannten, hat er bereits durchgeführt. Seine ungewöhnliche Biografie macht ihn zu einem Brückenbauer zwischen zwei Welten, die auf den ersten Blick unvereinbar scheinen.

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