Freimaurerloge in Perleberg: Einblicke in den geheimnisvollen Bruderbund
In Perleberg existiert eine aktive Freimaurerloge mit dem Namen 'Zur Perle am Berge', die nach alter Tradition die Logenbräuche pflegt und sich regelmäßig im Perleberger 'Effi' trifft. Dieses Gebäude dient gleichzeitig als Freizeit- und Jugendzentrum, was eine ungewöhnliche Doppelnutzung schafft. Ein Logenbruder gewährt Einblicke in das Freimaurerleben und klärt über die wahren Werte des Bundes auf.
Das Imageproblem der Freimaurer und ihre wahren Werte
Es lässt sich kaum bestreiten, dass die Freimaurerei mit einem gewissen Image-Problem zu kämpfen hat, obwohl dies nicht unbedingt aus eigenem Verschulden entstanden ist. Unterhaltungsfilme und Mystery-Bücher haben maßgeblich zu dieser Wahrnehmung beigetragen. Die Perleberger Freimaurerloge 'Zur Perle am Berge' möchte diese Vorurteile ausräumen und Interessierten erklären, welcher eigentliche Zweck hinter einer Logenmitgliedschaft steht. 'Man arbeitet an seinem rauen Stein', erläutert der 'Meister vom Stuhl', Ralf Skodda. Diese Metapher steht symbolisch für die kontinuierliche Selbstverbesserung. Der Bruderbund orientiert sich dabei an grundlegenden Werten wie Toleranz, Gewissens- und Geistesfreiheit, Wohltätigkeit und Menschlichkeit.
Das Leben als Freimaurer: Geheimnisse und Öffnung
Es gibt durchaus Geheimnisse, die den geschlossenen Kreis der Logenbrüder nicht verlassen dürfen. Manche Dinge seien schlichtweg nicht für die Öffentlichkeit bestimmt – so sei es Brauch und Tradition, erklärt Skodda. Trotz dieser traditionellen Geheimhaltung möchten sich die Perleberger Logenbrüder nicht vollständig vor der Öffentlichkeit verschließen. Aus diesem Grund veranstalten sie monatliche Gästeabende, bei denen Interessierte Redebeiträge verfolgen und Fragen stellen können.
Ralf Skodda trat der Loge im Jahr 2019 bei, kurz nach deren Neugründung. Zuvor besuchte er regelmäßig die Gästeabende und beschäftigte sich intensiv mit dem Thema Freimaurerei. 'Man muss es sich erst einmal anschauen. Man kennt es ja gar nicht. Es ist einem vollkommen fremd. Das kann man auch sehr schlecht beschreiben, weil man es wirklich erlebt haben muss', betont der Logenbruder.
Interne Sitzungen und Tempelarbeiten
Abseits der öffentlichen Veranstaltungen finden interne Sitzungen unter erhöhter Diskretion statt. Diese Treffen sind mit sogenannten 'Tempelarbeiten' verbunden, die meist in Form von Vorträgen stattfinden. Bei den regelmäßigen Zusammenkünften folgt alles einem stringenten, vorbestimmten Ablauf, und es gibt auch einen speziellen Dresscode für bestimmte Anlässe. Zudem sei es üblich, zu gewissen Terminen andere Logen zu besuchen. Es handelt sich um einen Austausch unter Eingeweihten, bei dem weltanschauliche, religiöse oder auch politische Themen besprochen werden – stets unter dem erklärten Vorsatz der Selbstverbesserung.
Die ungewöhnliche Raumnutzung im 'Effi'
Im Obergeschoss des Perleberger 'Effi', eines Freizeit- und Jugendzentrums, befindet sich ein großer Sitzungssaal mit einem langen Tisch und blau bemalten Wänden. Von den Logenmitgliedern wird dieser Ort respektvoll als 'Tempel' bezeichnet. Hier finden regelmäßig die Treffen und Gästeabende der Freimaurerloge statt.
Ralf Skodda, der 'Meister vom Stuhl', zeigt Besuchern gerne eine Vitrine mit verschiedenen Freimaurer-Utensilien. Es mag zunächst verwunderlich erscheinen, dass sich die Logenbrüder ihren 'Tempel' mit Kindern teilen, doch die Erklärung ist einfach: Das Gebäude, das heute den meisten als 'Effi' bekannt ist, wurde ursprünglich im Jahr 1908 als Logenhaus errichtet und im Jahr 2019 mit einer sogenannten 'Lichteinbringung' wieder für diesen Zweck in Anspruch genommen. Seitdem existieren diese zwei sehr unterschiedlichen Welten unter einem Dach. 'Für mich und auch alle anderen ist die Jugend unser Reichtum. Das ist unsere Zukunft', erklärt Ralf Skodda, der das Miteinander stets als sehr angenehm empfunden hat.
Baldige Veränderung: Das Freizeitzentrum zieht aus
Die besondere Doppelnutzung wird jedoch in naher Zukunft enden, weil das 'Effi' umziehen muss. Die Loge vermietete die Räumlichkeiten per Erbpacht an die Stadt Perleberg, was dazu führte, dass das Gebäude für Kinder- und Jugendangebote genutzt wurde. Dieser Vertrag zwischen den Freimaurern und der Stadt Perleberg läuft im Januar 2028 aus, weshalb das Freizeitzentrum einen neuen Standort erhalten wird – voraussichtlich in der alten Post, Am Hohen Ende 27. Danach werden die Logenbrüder ihren 'Tempel' wieder ganz für sich allein haben und die einzigartige Symbiose mit dem Jugendzentrum gehört der Vergangenheit an.



