150 Jahre Rudersport-Geschichte: Stadtarchiv Schwerin erhält historische Vereinsdokumente als Dauerleihgabe
Stadtarchiv Schwerin erhält historische Rudersport-Dokumente

150 Jahre Rudersport-Geschichte: Stadtarchiv Schwerin erhält historische Vereinsdokumente als Dauerleihgabe

Seit mehr als eineinhalb Jahrhunderten wird auf den malerischen Seen Schwerins kontinuierlich Rudersport betrieben. Nun hat die traditionsreiche Schweriner Rudergesellschaft einen bedeutenden Teil ihrer historischen Quellen zur Vereinsgeschichte dem Stadtarchiv der Landeshauptstadt als Dauerleihgabe übergeben. Diese Übergabe sichert wertvolle Dokumente für die Nachwelt und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich.

Einblicke in Sport- und Gesellschaftsleben

„Rudern ist ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte“, betonte Stadtarchivar Dr. Bernd Kasten bei der feierlichen Übergabe. Die historischen Quellen geben faszinierende Einblicke in 150 Jahre Sport- und Gesellschaftsleben der Region. Besonders bemerkenswert ist die frühe Förderung durch die Herzogliche Familie, die zu den stärksten Unterstützern des Rudersports gehörte.

Ein eindrucksvolles Foto zeigt Großherzog Friedrich Franz III. (1851-1897) als begeisterten Ruderer, der mit seinem Einer „Bravo“ über den Schweriner See fuhr. Zu den nun archivierten Dokumenten zählen neben solchen historischen Aufnahmen auch Chroniken, Fotoalben, architektonische Zeichnungen von Bootshäusern und Exemplare der Vereinszeitschrift aus verschiedenen Jahrzehnten.

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Rettung aus dem Altpapier und fachgerechte Archivierung

Die Schweriner Rudergesellschaft von 1874/75 entstand aus dem Zusammenschluss der Vereine Ruderverein Schwerin und Ruderverein Vorwärts. Von einst sieben Rudervereinen in der Stadt blieben nur zwei übrig. Besonders kurios ist die Geschichte der Chronik des Ruderclubs Obotrit, deren Nachlass 1999 an die Schweriner Rudergesellschaft übergeben wurde.

Diese wertvolle Chronik war zwischenzeitlich verloren gegangen und wurde erst durch einen glücklichen Zufall wiederentdeckt: Mitarbeiter einer Recycling-Firma in Meißen fanden sie im Altpapier und erkannten ihren historischen Wert. Statt vernichtet zu werden, kehrte das Dokument nach Schwerin zurück und ist nun Teil der Dauerleihgabe.

Frauen von Anfang an dabei

„Rudern war eine Mixtur aus Sport und Geselligkeit“, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter der Landeshauptstadt, Dr. Jakob Schwichtenberg. „Im Unterschied zu anderen Städten waren Frauen in Schwerin von Anfang an mit dabei. Die Fotos und Chroniken geben damit einzigartige Einblicke in das Schweriner Gesellschaftsleben. Das ist von unschätzbarem historischem Wert.“

Die Dokumente berichten nicht nur über sportliche Erfolge bei Regatten, sondern auch über das vielfältige Vereinsleben, das über die Jahrzehnte hinweg die soziale Struktur der Stadt mitgeprägt hat.

Win-Win-Situation für Verein und Öffentlichkeit

„Im Verein haben wir intensiv beraten, wie wir mit den Chroniken und anderen historischen Dokumenten umgehen sollen“, berichtet Volker Tremel von der Schweriner Rudergesellschaft. „In unserem Bootshaus haben wir dafür leider nur begrenzten Platz. Mit der Übergabe an das Stadtarchiv schaffen wir eine echte Win-Win-Situation.“

Durch die fachgerechte Archivierung unter konservatorisch optimalen Bedingungen werden die empfindlichen Dokumente nicht nur sicher aufbewahrt, sondern auch für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Wir freuen uns über das große Interesse der Historiker und sind stolz, dass unsere Vereinsgeschichte nun professionell dokumentiert wird“, so Tremel weiter.

Leidenschaft eines Vereinschronisten

Dass die Schweriner Rudergesellschaft heute eine so umfangreiche Sammlung zu ihrer Geschichte vorweisen kann, ist laut Vereinsangaben vor allem der Leidenschaft des Ruderkameraden und Vereinschronisten Hanning Wüsthoff zu verdanken. Wüsthoff, der früher selbst aktiver Ruderer war – Deutscher Meister 1958 im Vierer ohne Steuermann – und in den 1980er Jahren als nationaler und internationaler Schiedsrichter tätig war, archivierte über Jahrzehnte hinweg systematisch wichtige Unterlagen des Vereins.

Sein Engagement gipfelte 2005 in dem mittlerweile vergriffenen Buch „Rudersport in Schwerin – 1871 bis heute“, das noch immer als das wichtigste Nachschlagewerk zur Entwicklung des Rudersports in der Landeshauptstadt gilt. Durch die nun erfolgte Übergabe an das Stadtarchiv wird dieses wertvolle Erbe für künftige Generationen bewahrt und erforscht werden können.

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