Zirkus Olympia in Dodow: Familienbetrieb kämpft um Tradition in digitaler Welt
Zirkus Olympia: Tradition vs. digitale Konkurrenz in Dodow

Zirkus Olympia: Ein Familienbetrieb zwischen Tradition und Moderne

Im beschaulichen Dodow hat der traditionsreiche Zirkus Olympia sein Winterquartier aufgeschlagen. Direktor Pedro Lauenburger, der bereits in vierter Generation den Familienbetrieb führt, gewährt Einblicke in ein Leben, das zwischen jahrhundertealten Traditionen und den Anforderungen der modernen Unterhaltungsindustrie balanciert. Der 40-Jährige ist mit den Sägespänen der Manege aufgewachsen und leitet heute einen Betrieb mit rund 30 Mitarbeitern und knapp 60 Tieren.

Digitale Konkurrenz und gesellschaftliche Vorurteile

„Wir fühlen uns zutiefst der Tradition verbunden, doch heute konkurrieren wir mit einer überwältigenden Flut an Unterhaltungsangeboten, insbesondere aus der digitalen Welt“, erklärt Lauenburger nachdenklich. Trotz dieser Herausforderungen kann er sich kein anderes Leben vorstellen. Die größten Hürden seien jedoch oft gesellschaftliche Vorurteile.

„Viele Menschen verstehen nicht unseren Lebensstil – das ganze Jahr im Wohnwagen, immer unterwegs, nie wirklich sesshaft“, führt der Zirkusdirektor aus. Umso dankbarer sei er für die Gastfreundschaft in Dodow, wo die Familie Drewke ein ideales Winterquartier zur Verfügung stellt und Nachbarn sogar mit Futterspenden unterstützen.

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Historische Wurzeln und generationsübergreifende Verbindungen

Diese Verbundenheit zur Region hat historische Wurzeln. Bereits während des Zweiten Weltkriegs fanden Lauenburgers Großeltern mit ihrem damals noch gleichnamigen Zirkus Zuflucht in den Wäldern zwischen Dodow und Wittenburg. „Die Armee hätte sonst die Pferde eingezogen und die anderen Tiere zum Schlachten abtransportiert“, erinnert sich Lauenburger an die bewegenden Familiengeschichten.

Heute öffnet der Zirkus seine Tore für Besucher, die hinter die Kulissen schauen und die Tiere kennenlernen können. Dennoch bleiben Vorurteile allgegenwärtig, besonders was die Bildung der Zirkuskinder betrifft.

Bildungschancen und bürokratische Hürden

„Unsere Kinder werden im Winter vor Ort unterrichtet und auf Tournee von mitreisenden oder lokalen Lehrern betreut“, erklärt der Vater von vier Kindern. Die Qualität dieser Bildung variiere jedoch stark. „Manche Lehrer integrieren unsere Kinder vorbildlich, anderswo werden sie separiert und malen einfach nur Bilder.“

Diese inkonsistenten Bildungschancen führen laut Lauenburger dazu, dass viele Zirkusmitarbeiter nur begrenzte Lese- und Schreibfähigkeiten entwickeln. „Das erschwert nicht nur den bürokratischen Alltag, sondern auch den Ausstieg in andere Berufsfelder“, betont er.

Artgerechte Tierhaltung und besondere Beziehungen

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Tierhaltung im Zirkus. Hier setzt Lauenburger auf Transparenz und moderne Standards. „Wir halten keine Exoten mehr – außer unseren Papageien und dem Kamelhengst Enya. Elefanten und andere Großtiere können wir nicht artgerecht unterbringen.“

Die rund 60 Tiere des Zirkus Olympia leben seit Generationen mit der Familie zusammen und werden regelmäßig vom Veterinäramt des Kreises kontrolliert. „Sie sind nicht nur Arbeitskollegen, sondern echte Freunde“, betont der Direktor.

Enya: Ein Kamel mit Charakter

Besonders deutlich wird diese Verbundenheit am Beispiel des 25-jährigen Kamelhengstes Enya. „Ich habe ihn mit der Flasche aufgezogen, nachdem seine Mutter nach einer Operation verstorben ist“, erzählt Lauenburger emotional. In der Manege sei Enya ein verlässlicher Partner, allerdings mit eigenem Willen.

„Unseren Schmusebären kann man zu nichts zwingen. Wir passen unsere Vorstellungen seiner Tagesform an und improvisieren drumherum“, verrät der erfahrene Dompteur. Diese Flexibilität mache jede Show einzigartig. Auch andere Tiere wie Gänse, Ziegen und Papageien zeigten ihre Kunststücke freiwillig – „sie lieben den Applaus“.

Vorfreude auf die neue Saison

Ende April oder Anfang Mai soll die neue Vorstellungssaison beginnen. „Wir müssen warten, bis der Frost wirklich vorbei ist, denn unser Zelt lässt sich nicht heizen“, erklärt Lauenburger praktisch. Den Auftakt plant er bewusst in Dodow und Wittenburg, um sich für die Unterstützung der Region zu bedanken.

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„Dann können wir endlich wieder die echte Zirkusluft schnuppern – diese unverwechselbare Mischung aus Sägespänen, Tiergeruch und Popcorn“, sagt der Zirkusdirektor mit einem Lächeln, das von jahrhundertealter Leidenschaft und ungebrochenem Optimismus zeugt.