Verkehrsminister warnt vor demokratiegefährdenden Folgen des Bahn-Chaos
Der Zustand der Deutschen Bahn entwickelt sich nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder in eine Richtung, die die Demokratie gefährden könnte. In einem aktuellen Interview mit der Funke Mediengruppe äußerte der CDU-Politiker deutliche Kritik an der maroden Infrastruktur und den notorisch unpünktlichen Zügen.
Realistische Ziele statt Wolkenkuckucksheim
Schnieder distanzierte sich klar von den ambitionierten Zielen des vorherigen Bahnvorstands, der bis 2027 eine Pünktlichkeitsquote von 75 bis 80 Prozent anstrebte. Der Minister bezeichnete diese Vorgaben als „Wolkenkuckucksheim“ und setzt stattdessen auf realistische Bewertungen. „Wir müssen das realistisch bewerten, sonst sind die Menschen noch viel enttäuschter, wenn das nicht annähernd erreicht wird“, erklärte Schnieder.
Sein eigenes Pünktlichkeitsziel für das laufende Jahr liegt bei 70 Prozent aller Züge. Im Vergleich dazu waren im vergangenen Jahr lediglich rund 60 Prozent der Fernzüge ohne größere Verzögerungen unterwegs. Bahnchefin Evelyn Palla stellt für 2026 keine Verbesserung in Aussicht, sondern lediglich eine Stabilisierung der Quote auf dem niedrigen Niveau von 2025.
Extremwetterlagen erschweren die Situation
Bereits jetzt steht dieses bescheidene Ziel auf wackeligen Beinen. Die Extremwetterlagen im Januar und Februar haben zu erheblichen Verspätungen geführt und die ohnehin überalterte und überlastete Infrastruktur zusätzlich belastet. „Es ist brandgefährlich, wenn immer mehr Menschen den Eindruck bekommen, dass der Staat nicht funktioniert“, warnte der Verkehrsminister.
Sofortprogramme für zufriedene Kunden
Damit die Fahrgäste trotz der schwierigen Gesamtsituation spürbare Verbesserungen erleben, hat die Deutsche Bahn drei Sofortprogramme angekündigt, von denen zwei bereits angelaufen sind. Diese Maßnahmen umfassen:
- Verbesserung der Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen
- Erhöhung des Komforts in den Fernverkehrszügen
- Optimierung der Fahrgastinformation bei Verspätungen und Gleiswechseln
Die Programme sind Teil der „Agenda für zufriedene Kunden“ des Bundesverkehrsministeriums und sollen dazu beitragen, das Vertrauen der Bevölkerung in die staatliche Handlungsfähigkeit zu stärken. „Wir dürfen nicht einreißen lassen, dass die Menschen glauben, der Staat bekommt Probleme wie marode Brücken oder notorisch verspätete Züge nicht in den Griff“, betonte Schnieder abschließend.



