Bahn-Chefin Palla über Krisenkonzern: Verspäteter ICE sollte „zumindest sauber sein“
Bahn-Chefin Palla: Verspäteter ICE muss sauber sein

Bahn-Chefin Evelyn Palla stellt klare Forderungen für den Krisenkonzern

Evelyn Palla (53) ist seit Oktober 2025 an der Spitze der Deutschen Bahn und hat in einem aktuellen Interview klare Erwartungen an den maroden Staatskonzern formuliert. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte – saubere Züge, funktionierende Toiletten und vollständige Bordbistro-Angebote – ist bei der Bahn offenbar nicht mehr garantiert.

„Zumindest sauber sein“ – Pallas Minimalforderung

„Wenn ich schon in einem verspäteten ICE sitze, sollte er zumindest sauber sein, die Toilette funktionieren und ein komplettes Sortiment im Bordbistro vorhanden sein“, erklärte Palla im Gespräch mit dem „Spiegel“. Die Bahn-Chefin reagierte damit auf die Frage, ob das sogenannte „Sofortprogramm“ für mehr Kundenzufriedenheit nicht nur kosmetische Maßnahmen umfasse.

Palla betonte jedoch auch, dass die Situation nicht so schlecht sei, wie oft dargestellt: „Es ist ja nicht so, dass es bislang keine Toilette und kein Angebot im Bordbistro gab. Im Gegenteil: 98 Prozent der Toiletten funktionieren. Aber wir wollen noch mal ein Schippchen drauflegen und den Service für die Kunden sichtbar verbessern.“

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Schutz für Bahnpersonal als Priorität

Besonders deutlich positionierte sich Palla zum Thema Gewalt gegen Bahnmitarbeiter. „Wir werden alles tun, um unsere Leute zu schützen, das ist unsere Aufgabe“, versprach die Bahn-Chefin. „Ich weiß, wie deren Lage ist, ich habe ja selbst eine Lokführerausbildung gemacht.“

Hintergrund dieser Aussage sind alarmierende Zahlen: Im Jahr 2025 gab es laut Bahn-Angaben mehr als 3000 Angriffe auf Bahnpersonal – das entspricht etwa acht Vorfällen pro Tag. Ein besonders tragischer Fall ereignete sich Anfang Februar, als Schaffner Serkan C. (36) nach einem Angriff in einem Regionalzug nahe des Bahnhofs Landstuhl in Rheinland-Pfalz verstarb.

Offene Fragen zu Personalentscheidungen

Zu den internen Personalquerelen äußerte sich Palla zurückhaltend. Auf Nachfrage zu Finanzvorständin Karin Dohm, die nach nur drei Monaten im Amt wieder gehen soll, nannte die Bahn-Chefin keine näheren Details. Auch zur möglichen Abfindungshöhe – Medienberichten zufolge könnten bis zu zwei Jahresgehälter fällig werden – wollte sich Palla nicht äußern.

„Auch das liegt nicht in meiner Hand und muss der Aufsichtsrat entscheiden“, lautete ihre knappe Antwort auf entsprechende Nachfragen. Damit verdeutlichte sie einmal mehr die komplexen Entscheidungsstrukturen innerhalb des Staatskonzerns.

Das Interview zeigt: Evelyn Palla steht vor der Herkulesaufgabe, einen tief in der Krise steckenden Konzern zu modernisieren und gleichzeitig grundlegende Service-Standards durchzusetzen. Ihre Forderung nach sauberen Zügen bei Verspätungen mag wie eine Minimalanforderung klingen – doch bei der Deutschen Bahn scheint selbst dies eine Herausforderung zu sein.

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