Bahnbilanz enttäuscht: Verluste trotz Spritpreis-Krise
Die Deutsche Bahn steht vor massiven Herausforderungen. Heute präsentiert Vorstandschefin Evelyn Palla die enttäuschende Jahresbilanz des Konzerns für 2025. Wie interne Berichte zeigen, wird das Unternehmen erneut rote Zahlen schreiben, die vor allem dem defizitären Fernverkehr geschuldet sind.
Die Auslastung der ICE-Züge liegt unter der kritischen 50-Prozent-Marke, während die Pünktlichkeitswerte zuletzt nur knapp darüber lagen. Diese Zahlen sind umso bemerkenswerter, als die aktuelle weltpolitische Lage eigentlich perfekte Bedingungen für die Bahn schaffen müsste.
Spritpreise als theoretische Chance
Mit den explodierenden Benzin- und Dieselkosten an den Tankstellen könnte man eigentlich einen massiven Umstieg auf die Schiene erwarten. Unternehmen könnten vermehrt auf den Schienengüterverkehr setzen, Pendler auf den Komfort der Bahn umsteigen. Theoretisch jedenfalls.
In der Praxis zeigt sich ein anderes Bild: Die abschreckenden Verspätungen, häufigen Ausfälle und technischen Probleme halten potenzielle Neukunden fern. Selbst Bahn-Chefin Palla musste kürzlich im SPIEGEL-Gespräch einräumen, dass grundlegende Standards nicht eingehalten werden.
„Wenn ich schon in einem verspäteten ICE sitze“, so Palla wörtlich, „sollte er zumindest sauber sein, die Toilette funktionieren und ein komplettes Sortiment im Bordbistro vorhanden sein.“ Diese Minimalanforderungen werden jedoch oft nicht erfüllt.
SPD-Chef Klingbeil sucht Unterstützung für Reformen
Parallel zur Bahn-Krise sucht SPD-Chef Lars Klingbeil nach Unterstützung für weitreichende Arbeitsmarktreformen. In einer Rede bei der Bertelsmann Stiftung wurde der Vizekanzler konkreter in seinen Plänen, mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen.
Klingbeil konzentriert sich dabei besonders auf zwei Gruppen:
- Frauen, die häufig in Teilzeit arbeiten
- Ältere Arbeitnehmer, die früh in Rente gehen
Seine konkreten Vorschläge sind durchaus kontrovers: Das Ehegattensplitting soll für künftige Ehen abgeschafft werden. Auch der Idee von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die beitragsfreie Mitversicherung in den gesetzlichen Krankenkassen für Ehepartner mit niedrigem Einkommen zu streichen, kann Klingbeil viel abgewinnen.
Die Runde der Häuptlinge
Um Rückhalt in der eigenen Partei zu sichern, hat der SPD-Chef ein neues Diskussionsformat erfunden: die sogenannte „Runde der Häuptlinge“. An diesem Freitag kommen alle Ministerpräsidenten, Spitzenkandidaten, Führungsleute der Bundestagsfraktion und wichtige Bürgermeister der SPD ins Willy-Brandt-Haus.
Anders als auf Parteitagen, wo eher linke Funktionäre und die Jusos den Ton angeben, werden bei diesem Treffen die Pragmatiker dominieren – jene Frauen und Männer also, die für die SPD noch Wahlen gewinnen können.
Klingbeil erhofft sich von dieser Runde ein Mandat und Rückenwind für die schwierigen Verhandlungen der kommenden Wochen. Doch ob seine Partei den Reformkurs mitträgt, bleibt ungewiss.
Weltwirtschaft unter Druck
Die internationale Lage verschärft die wirtschaftlichen Probleme zusätzlich. Der Konflikt zwischen den USA und Iran hat die Straße von Hormus de facto gesperrt – eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl weltweit.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) warnt bereits vor Treibstoff-Engpässen ab Ende April oder Mai, sollte der Konflikt länger andauern. Ausgerechnet die CDU-Politikerin, die sonst so viel Wert auf ordnungspolitische Akkuratesse legt, zeigt sich offen für eine Erhöhung der Pendlerpauschale, um die Folgen der hohen Spritpreise zu lindern.
Die Schockwellen des Irankonfliktes reichen um den gesamten Globus. Sie verstören die Golfstaaten, schaden asiatischen Volkswirtschaften, setzen westliche Zentralbanken unter Druck und sorgen an den Finanzmärkten für anhaltende Nervosität.
Wie SPIEGEL-Kollege Tim Bartz in der aktuellen Titelstory schreibt: „Für seine erratische Außenpolitik nimmt Trump die Weltwirtschaft in Geiselhaft.“ Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits jetzt spürbar und könnten sich in den kommenden Wochen noch deutlich verschärfen.



