Generalsanierung Berlin-Hamburg verzögert sich: Pendler in Schwerin zahlen den Preis
Bahn-Sanierung verzögert: Schweriner Pendler im Frust

Generalsanierung der Bahnstrecke Berlin-Hamburg verzögert sich unbestimmt

Schlechte Nachrichten für Pendler in Mecklenburg-Vorpommern: Die Bauarbeiten an der wichtigen Bahnstrecke Berlin-Hamburg dauern auf unbestimmte Zeit an. Ursache ist anhaltender Dauerfrost, der die Arbeiten behindert. Die Deutsche Bahn hatte ursprünglich versprochen, die Generalsanierung bis zum 30. April abzuschließen, damit ab 1. Mai wieder reguläre Züge verkehren könnten.

Frustrierte Pendler im winterlichen Schwerin

Am Dienstagmorgen um 5.30 Uhr herrscht am Schweriner Hauptbahnhof eine gedrückte Stimmung. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt und rutschigen Gehwegen warten Pendler auf Ersatzbusse. Einige wärmen sich in der Bahnhofshalle oder beim Bäcker, während sie auf den X1-Expressbus Richtung Hamburg warten. Die Verzögerung der Bauarbeiten trifft die Pendler hart, von denen täglich etwa 1.400 Menschen von Schwerin nach Hamburg pendeln.

„Das ist unmöglich“, schimpft ein dick eingemummelt wartender Mann an der Bushaltestelle. Andere zeigen zwar Verständnis für die wetterbedingten Verzögerungen – „Die Bahn kann auch nichts für das Wetter“, sagt der regelmäßige Pendler Tobias Hunger – doch der Frust über die Situation ist allgemein spürbar.

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Gestrichene ICE-Verbindungen sorgen für Empörung

Noch größer ist die Wut über eine parallele Entscheidung der Deutschen Bahn: die Streichung früher ICE-Verbindungen aus dem Nordosten nach Hamburg. Der zur Streichung vorgesehene Zug um 7.20 Uhr Richtung Hamburg war nach Aussagen von Pendlern stets gut ausgelastet.

Eine entschlossene Pendlerin äußert sich deutlich: „Es ist eine Sauerei, was die Deutsche Bahn mit uns macht.“ Sie kann nicht nachvollziehen, warum die Bahn die Verbindung mit der Begründung streicht, sie sei mit 15 Prozent Auslastung nicht wirtschaftlich gewesen. Ihrer Ansicht nach ist dieses Problem hausgemacht, nachdem ein früherer ICE von 5.40 Uhr auf 6.40 Uhr verlegt wurde und viele Fahrgäste darauf umstiegen.

Pendler zwischen Verständnis und Verärgerung

Die Schweriner Pendlerin rechnet vor: „300 Euro zahle man monatlich für die ICE-Fahrkarte.“ Für die Bahn seien das offenbar „Peanuts“. Die als Alternative empfohlenen Regionalzüge von Hamburg seien nicht nur dreckig, sondern manchmal so überfüllt, dass sie vor der Abfahrt geräumt werden müssten.

Viele Berufstätige pendeln nach Hamburg, weil die Jobs dort besser bezahlt sind als in Schwerin. Eine wartende Pendlerin bestätigt: „Die meisten Berufstätigen wollten gar nicht pendeln, müssten es aber, wenn sie einen ordentlichen Job haben wollten.“

Konsequenzen für Verkehr und Alltag

Die resolute Pendlerin berichtet von ihrem Alltag: „14 Stunden sei sie mit dem Pendelverkehr täglich auf den Beinen, nur um zu arbeiten.“ Sie kritisiert damit indirekt auch politische Forderungen nach mehr Arbeitszeit.

Inzwischen sind zahlreiche Pendler auf das Auto umgestiegen, mit der Folge, dass die Autobahnen morgens „knüppeldicke voll“ seien. Dies verschärft die Verkehrssituation zusätzlich.

Um 5.45 Uhr fährt trotz Eis und Schnee pünktlich der X1-Ersatzbus vor. Alle steigen schnell ein, um nach zweistündiger Fahrt zum Hamburger U-Bahnhof Steinfurther Allee pünktlich zur Arbeit zu kommen. So wird es wegen der Bauverzögerung wohl noch eine Weile weitergehen – zur Generalabrechnung zwischen Pendlern und der Deutschen Bahn.

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