Bahnchefin Pallas Zehn-Jahres-Plan: Sanierung des maroden Schienennetzes gestartet
Bahn-Sanierung: Zehn Jahre für ein verlässliches Netz

Pallas Mission: Zehn Jahre für die Sanierung der Deutschen Bahn

Die Bahnchefin Evelyn Palla appelliert an die Geduld der Fahrgäste. Die grundlegende Sanierung des maroden Schienennetzes wird nach ihren Worten ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen. „Die Schiene in Deutschland in Ordnung zu bringen, dafür werden wir zehn Jahre brauchen“, erklärte Palla im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Trotz historisch hoher Investitionen des Bundes bleibe der Weg zur verlässlichen Eisenbahn lang und beschwerlich.

Rekordinvestitionen und massive Baustellen

Bund und Bahn planen bis 2036 die Generalsanierung von mehr als 40 stark frequentierten Streckenabschnitten. Zur Finanzierung fließen Mittel aus dem schuldenfinanzieren Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur. Allein in diesem Jahr will die Bahn über 23 Milliarden Euro verbauen. Die Zahl der Baustellen steigt von rund 26.000 im Jahr 2025 auf voraussichtlich 28.000 in diesem Jahr.

Palla verteidigt das Konzept der längeren Vollsperrungen für gebündelte Arbeiten. „Viele Jahre lang wurde zu wenig in das Schienennetz investiert“, argumentiert die Bahnchefin. „Deswegen können wir jetzt gar nicht anders, als ganze Korridore am Stück zu sanieren, wenn wir in großen Schritten vorankommen wollen.“ Diese Vorgehensweise sei mittlerweile alternativlos.

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Aktuelle Probleme und Wintereinbrüche

Die derzeit laufende Sanierung zwischen Hamburg und Berlin zeigt die Herausforderungen. Eigentlich sollte sie bis Ende April abgeschlossen sein, doch wochenlange Kälte mit tiefgefrorenem Boden bremste die Arbeiten aus. Die Bahn musste eine Verzögerung bekanntgeben und will am 13. März konkrete Informationen zur verlängerten Sperrung liefern. „Es wird sich nicht um Monate handeln, wir sprechen hier von Wochen“, versichert Palla.

Der Wintereinbruch zu Jahresbeginn traf die Bahn hart. „Der Januar hat uns natürlich keine Freude bereitet“, räumt die Bahnchefin ein. „Der Februar wird etwas besser sein. Aber auch im Februar hatte uns der Winter noch fest im Griff.“ Diese schlechten Startmonate wirken sich zwangsläufig auf die Jahresstatistik aus.

Pünktlichkeitsziel und Sofortmaßnahmen

Trotz der Winterprobleme hält die Bahn am Pünktlichkeitsziel von 60 Prozent für Fernzüge im Jahr 2026 fest. Als verspätet gilt ein Zug ab einer Verzögerung von sechs Minuten. Parallel zur langfristigen Netzsanierung setzt der Konzern auf Sofortprogramme für mehr Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen, verbesserten Komfort im Fernverkehr und eine zuverlässigere Reisendeninformation.

„Es muss jetzt sofort auch ganz konkret bei den Kundinnen und Kunden ankommen, dass sich bei der Bahn etwas zum Positiven ändert“, betont Palla. Die Bahnchefin sieht ihre Mission darin, „eine Eisenbahn zu schaffen, auf die wir alle wieder stolz sind. Und zwar nicht nur die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, sondern das ganze Land.“

Überlastete Knotenpunkte und Kapazitätsprobleme

Verspätungen entstehen nicht nur durch die marode Infrastruktur, sondern auch durch Überlastung. Politik und Branche diskutieren in einer Arbeitsgruppe über Entlastungsmöglichkeiten für große Knotenpunkte wie Hamburg, Berlin, Köln, München und Frankfurt. Besonders der Regionalverkehr sei an diesen Stellen überproportional gewachsen.

„Ich bin sicher, dass die Menschen verstehen, wenn wir sagen: Es fahren etwas weniger Züge – aber dafür sind die Züge, die fahren, deutlich pünktlicher und verlässlicher“, so Pallas Überzeugung. Diese Maßnahmen könnten nur gemeinsam mit den Bundesländern umgesetzt werden.

Preisstabilität und Qualitätsabwägung

Immerhin eine positive Nachricht für Fahrgäste: Die Bahn verzichtete im Dezember auf eine Preiserhöhung für ICE- und Intercity-Tickets. „Wir schauen grundsätzlich jedes Jahr, ob und wie wir die Preise erhöhen“, erklärt Palla. Die nächste Entscheidung stehe spätestens im Herbst an. Dabei gehe es immer um die Abwägung zwischen gerechtfertigten Preisen angesichts der gebotenen Qualität und betriebswirtschaftlicher Notwendigkeiten.

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Die Bahnchefin erinnert an den emotionalen Wert des Bahnfahrens: „Eisenbahn ist Mobilität, Freiheit, auch ein Lebensgefühl.“ Im Zug aus dem Fenster zu schauen oder zu lesen, sei schön und entspannend. „Genau deswegen müssen wir etwas verändern, weil die Menschen den Reiz der Eisenbahn oft vergessen haben.“ Der steinige Weg dorthin habe gerade erst begonnen.