Bahn-Sicherheitschefin nutzte Dienstwagen nach Zugausfall: Folgenreiche Entscheidung
Bei einer Zugfahrt durch Deutschland kam es zu einem bemerkenswerten Vorfall, der eine hochrangige Mitarbeiterin der Deutschen Bahn in den Mittelpunkt rückte. Ein Intercity von Westerland auf Sylt in Richtung Heide in Schleswig-Holstein musste aufgrund einer Knappheit an sogenanntem "Notwasser" anhalten. Ohne die gesetzlich vorgeschriebene Menge dieser Reserve an Bord dürfen Fernverkehrszüge nicht weiterfahren. Bei erheblichen Verspätungen werden entsprechende Tetrapacks an die Passagiere verteilt.
Über 300 Reisende betroffen
Für mehr als 300 Bahngäste bedeutete dieser Zwischenfall eine böse Überraschung. Die meisten von ihnen waren gezwungen, ihre Reisepläne spontan zu ändern, da der Zug sein Ziel nicht erreichte. Der IC war im Bahnhof Westerland gestartet, kam aber nie in Heide an. Die Passagiere saßen fest und mussten alternative Lösungen für ihre Weiterreise finden.
Britta Zurs ungewöhnlicher Ausweg
Eine Reisende fand jedoch einen besonderen Ausweg aus dieser misslichen Lage: Britta Zur, die zum damaligen Zeitpunkt Sicherheitschefin der Deutschen Bahn war und laut Berichten privat mit ihrer Familie in dem Zug unterwegs war, entschied sich für eine ungewöhnliche Maßnahme. Sie nahm das Angebot eines Dienstwagens der Bahn an und ließ sich mit ihrer Familie von einem Team der DB Sicherheit nach Hamburg fahren. Von dort aus setzte sie ihre Reise in einem ICE Richtung Düsseldorf fort.
Compliance-Prüfung und Konsequenzen
Dieser Vorfall blieb nicht ohne Folgen. Die Deutsche Bahn ließ die private Nutzung des dienstlichen Fahrzeugs durch ihre Compliance-Abteilung überprüfen. Obwohl bei der Untersuchung keine Rechtsverstöße festgestellt wurden, war die Handlung offenbar nicht regelkonform. Bei der Bahn sind Privatfahrten in Dienstfahrzeugen generell nicht erlaubt, was zu internen Diskussionen führte.
Rücktritt nach nur 14 Monaten im Amt
Die interne Untersuchung hatte konkrete Konsequenzen für Britta Zur. Im Oktober legte sie nach nur 14 Monaten im Amt ihren Posten als Sicherheitschefin "im gegenseitigen Einvernehmen" nieder. Beide Seiten sprachen von unterschiedlichen Auffassungen zur strategischen Entwicklung des Unternehmens, doch der Vorfall mit dem Dienstwagen spielte dabei eine bedeutende Rolle.
Zur verteidigt ihre Entscheidung
Britta Zur verteidigte gegenüber Medien ihre Entscheidung, den Dienstwagen zu nutzen. Sie betonte, dass ihr der Chauffeurdienst intern angeboten worden sei. Zudem verwies sie darauf, dass ihr Lebensgefährte, der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Fiedler, darauf hingewiesen habe, dass die Reise durch die Nachforschung zur "Notwasser-Regelung" dienstlichen Charakter erlangt habe. Diese Argumentation konnte jedoch die internen Konsequenzen nicht abwenden.
Der Vorfall wirft Fragen zur Gleichbehandlung von Bahnmitarbeitern und normalen Passagieren auf und zeigt, wie interne Regelungen in Ausnahmesituationen interpretiert werden. Die Deutsche Bahn betonte in ihrer Stellungnahme, dass Compliance-Vorschriften für alle Mitarbeiter gleichermaßen gelten müssen, unabhängig von ihrer Position im Unternehmen.



