Nach tödlichem Angriff: Bahn berät über Bodycams und mehr Zugbegleiter für Sicherheit
Bahn-Sicherheitsgipfel nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter

Nach tödlichem Angriff: Bahn-Sicherheitsgipfel berät über Bodycams und mehr Zugbegleiter

Der tragische Tod eines 36-jährigen Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz hat die Sicherheitsdebatte im Bahnverkehr mit neuer Dringlichkeit entfacht. An diesem Freitag kommen deshalb hochrangige Vertreter von Bund und Ländern mit Gewerkschaften, Verbänden und den Aufgabenträgern des öffentlichen Nahverkehrs zu einem Sicherheitsgipfel zusammen.

Gewerkschaften fordern konkrete Maßnahmen

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) drängen seit langem auf wirksame Schutzmaßnahmen für das Bahnpersonal. Im Fokus steht dabei die Forderung nach einer flächendeckenden Doppelbesetzung in Regionalzügen. „Bei Zügen ab neun Wagen ist aus Gründen der Sicherheit, der Erreichbarkeit und der gegenseitigen Unterstützung mindestens eine 1:2-Besetzung – ein Zugchef und zwei Zugbegleiter – zwingend erforderlich“, betonen die GDL-Betriebsräte in einem offenen Brief an Bahnchefin Evelyn Palla.

Alarmierende Zahlen zu Übergriffen

Laut Bahn-Angaben gab es im vergangenen Jahr rund 3.000 körperliche Übergriffe auf Beschäftigte des Konzerns. Zwar bedeutet dies einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr, doch das Sicherheitsgefühl innerhalb der Belegschaft hat sich laut EVG-Umfrage deutlich verschlechtert. Mehr als 80 Prozent der rund 4.000 befragten Mitarbeitenden gaben an, bereits verbale oder körperliche Übergriffe erlebt zu haben, fast zehn Prozent berichteten von sexueller Belästigung.

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Bodycams als mögliche Lösung

Die EVG fordert deshalb die flächendeckende Einführung von Bodycams mit Tonaufzeichnung für alle Bahnmitarbeitenden. Diese Technologie könnte insbesondere verbale Übergriffe dokumentieren und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Bislang stehen Bodycams im Regionalverkehr der Deutschen Bahn zwar zur Verfügung, im Fernverkehr und an Bahnhöfen sowie bei Wettbewerbsbahnen ist die Ausstattung jedoch noch nicht einheitlich geregelt.

Finanzielle und organisatorische Hürden

Die Diskussion um zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wirft grundsätzliche Fragen auf: Wer trägt die Kosten für eine flächendeckende Doppelbesetzung, die Schätzungen zufolge Hunderte Millionen Euro zusätzlich verursachen könnte? Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) weist darauf hin, dass „flächendeckende Präsenz von Sicherheitspersonal in allen Fahrzeugen und in allen Bahnhöfen schon aus finanziellen und personellen Kapazitätsgründen genauso wenig umsetzbar ist wie ein Polizist an jeder Straßenecke“.

Politische Initiativen und Erwartungen

Der Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel fordert zusätzliche Mittel für mehr Zugpersonal und eine klare Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern. In den Ausschreibungen für den Regionalverkehr müssten die Besteller verbindlich vorgeben, wie viele Zugbegleiter in welchen Zügen einzusetzen sind. Angesichts der öffentlichen Aufmerksamkeit und des tragischen Vorfalls steht der Sicherheitsgipfel unter hohem Erwartungsdruck, möglichst konkrete und schnell umsetzbare Lösungen zu präsentieren.

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