Open Library in Schwerin: 500 Zugriffe in zwei Monaten
Open Library in Schwerin: 500 Zugriffe in zwei Monaten

Seit gut zwei Monaten wird in der Schweriner Stadtbibliothek auch dann noch gelesen und gelernt, wenn andere Bibliotheken längst geschlossen haben. Die sogenannte Open Library kommt an und zählt bereits 500 Zugriffe. Als erste Einrichtung dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern hat die Bibliothek in den Schweriner Höfen ihre Türen auch nach Feierabend geöffnet.

Ein Jahr Vorbereitung für die Open Library

Ein ganzes Jahr lang hat sich das Team um Leiterin Grit Wilke auf diese Neuerung vorbereitet. „Wir haben eng mit einer IT- und einer Elektrofirma zusammengearbeitet“, erzählt sie. Denn hinter dem Konzept steckt mehr, als einfach die Türen länger offen zu lassen. Die Bibliothek wurde technisch aufgerüstet: Videoüberwachung, Lautsprecher und Zugangssysteme wurden installiert. Außerhalb der regulären Zeiten funktioniert die Open Library komplett ohne Personal.

Wer die Bibliothek am Abend oder am Wochenende nutzen möchte, muss sich einmalig registrieren. „Die Nutzer bekommen eine Zugangskarte und werden belehrt“, sagt Wilke. Denn auch im selbstständigen Betrieb gelten Regeln. Zutritt erhalten registrierte Nutzer ab 16 Jahren, jüngere Besucher nur in Begleitung eines Erwachsenen. Pro Zugangskarte darf jeweils nur eine Person eintreten.

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Lesen, lernen und ausleihen – ganz ohne Personal

Dann steht den Besuchern fast die gesamte Bibliothek offen. Bücher ausleihen, Medien zurückgeben, im Online-Katalog recherchieren, lernen oder einfach in Ruhe lesen – all das ist möglich. „Man kann sich ein Buch holen, einen Kaffee ziehen und sich gemütlich hinsetzen“, beschreibt Wilke das Konzept. Nicht alles ist jedoch rund um die Uhr verfügbar. Die „Bibliothek der Dinge“, Medienkisten oder Fernleihen können während der Open-Library-Zeiten nicht ausgeliehen werden. „Das können wir bei uns im System nicht verbuchen“, erklärt die Leiterin. Auch die Terrasse und die Fenster sind in dieser Zeit aus Sicherheitsgründen verriegelt.

Während der Open Library werden die Videokameras angeschaltet, und die Bibliothek arbeitet eng mit einem Wachdienst zusammen. Bis jetzt sei aber alles ruhig verlaufen. „Man macht sich vorher, glaube ich, einfach viel zu viele Gedanken, was alles passieren könnte“, so Wilke. Das Team tauschte sich intensiv mit anderen Häusern aus, die das Konzept bereits nutzen. „Es hat uns weitergeholfen und auch in gewisser Weise etwas beruhigt“, sagt sie.

Mehr Öffnungszeiten für Leser in Schwerin

Die Stadtbibliothek hat den Schritt gewagt und besonders der Jugend von Schwerin einen Vertrauensvorschuss gegeben. In vielen Bibliotheken ist der Open-Library-Zugang erst ab 18 Jahren möglich, in Schwerin bereits ab 16 Jahren. Viele junge Erwachsene, die gerade in den Prüfungsvorbereitungen stecken, verabreden sich in den Räumen zum Lernen. „Das können sie nun auch gern länger bis 21 Uhr“, sagt Wilke. Noch werde dieses Angebot aber gar nicht so stark genutzt. Bei den 16-Jährigen gibt es bis jetzt nur 19 Registrierungen. Insgesamt haben sich 485 Nutzer für den Zugang der Open Library registriert, mehr als 500 Zugriffe gab es seit dem Start im März.

Mit dem Projekt erweitert die Bibliothek ihre Öffnungszeiten deutlich – von bisher 41 auf nun 60 Stunden pro Woche. Montag bis Freitag ist die Open Library bis 21 Uhr zugänglich, sonnabends bis 17 Uhr. Zunächst läuft das Angebot als Test bis Jahresende. „Dann schauen wir weiter“, sagt Wilke. Denkbar seien später auch Öffnungen an Sonn- oder Feiertagen.

Könnte das Konzept auch in die Stadtteile kommen?

Perspektivisch könnte das Modell auch für die Stadtteilbibliotheken in Lankow und Neu Zippendorf interessant werden. Die Außenstandorte haben derzeit meist an nur drei Tagen in der Woche geöffnet. Auch hier wurden die technischen Voraussetzungen bereits geschaffen. 2022 führte die Stadtbibliothek Selbstverbuchungstechnik ein, mit der Medien eigenständig ausgeliehen und rund um die Uhr zurückgegeben werden können. „Das möchten wir schrittweise angehen. Wir sammeln nun erst einmal Erfahrungen am Hauptstandort“, so die Leiterin.

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Bibliotheken sind längst mehr als verstaubte Buchentleihstationen, sie haben sich zu lebendigen, multimedialen Lern- und Begegnungsorten entwickelt. Das erlebt das 16-köpfige Team in Schwerin täglich. Neben klassischen Ausleihen gehören heute Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit, digitale Angebote und moderne Technik dazu – und jetzt auch die Möglichkeit, nach den regulären Öffnungszeiten weiter in Romanen zu schmökern, zu lernen oder einfach zusammenzukommen. „Für die Bibliothek ist das wirklich ein Gewinn“, so Grit Wilke.