Bahn-Taskforce fordert Joker-Gleise für mehr Pünktlichkeit an überlasteten Knotenpunkten
Bahn-Taskforce: Joker-Gleise für mehr Pünktlichkeit

Bahn-Taskforce fordert Joker-Gleise für mehr Pünktlichkeit an überlasteten Knotenpunkten

Monatelang hat eine Expertengruppe über Maßnahmen gegen die chronischen Verspätungen der Deutschen Bahn beraten. Nun macht die Taskforce "Zuverlässige Bahn" nach Informationen des SPIEGEL konkrete Vorschläge für überlastete Bahnhöfe. Eine zentrale Forderung weist die Gruppe jedoch entschieden zurück.

Systematische Ausweichgleise als Lösung

Im Kampf gegen die anhaltenden Verspätungen schlägt die Taskforce unter anderem das systematische Freihalten von Ausweichgleisen vor. Ein sogenanntes "Joker-Gleis" soll an überlasteten Knotenpunkten wie Hamburg, Köln oder Frankfurt "kurzfristige dispositive Entscheidungen" ermöglichen. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Pünktlichkeit durch flexible Gleisnutzung zu verbessern.

Die Expertengruppe wurde von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) als Teil seiner Bahn-Agenda eingesetzt. Ihr gehören Vertreter von Bund und Ländern, Verkehrsverbünden, Branchenverbänden und Gewerkschaften an. Bis Ende März soll die Taskforce ein konkretes Maßnahmenpaket erarbeiten, das der "Optimierung des Angebots in hochbelasteten Knoten" dient.

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Weitere Vorschläge zur Entlastung

In dem Entwurf für den Abschlussbericht finden sich auch weitere Vorschläge zur Entlastung von Knotenpunkten. So sollen dort die Haltezeiten zum Wenden eingeschränkt werden oder verlängerte Bahnsteige den Einsatz längerer Züge ermöglichen. Frühestens ab 2027 sind verbindliche Mindestpufferzeiten von beispielsweise einer Minute geplant, um die Übertragung von Verspätungen zwischen Zugfahrten zu verringern.

Insgesamt schlägt die Taskforce 22 Maßnahmen vor, die kurzfristig für mehr "Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit" sorgen sollen. Dazu zählen sogenannte Flex-Abfahrten, bei denen die Zeit laut Fahrplan kurz vor der tatsächlich geplanten Abfahrt liegt, sowie "Schubladenkonzepte", die im Fall von Störungen sofort umgesetzt werden können. Auch der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Zugdisposition wird empfohlen.

Umsetzungsfragen und klare Absagen

An vielen Stellen bleiben die Vorschläge jedoch noch unverbindlich, sehen zunächst Prüfungen vor oder führen bereits beschlossene Schritte auf. Die Umsetzung wirft praktische Fragen auf, da es schwer werden dürfte, an ohnehin überlasteten Bahnhöfen Kapazitäten für zusätzliche Joker-Gleise zu finden.

Einer zentralen Forderung erteilen die Taskforce-Mitglieder zudem eine klare Absage: der Streichung von Verbindungen. Experten hatten argumentiert, dass dies die Pünktlichkeit verbessern könnte, weil sich mit dem Verkehrsaufkommen auch das Risiko von Verspätungen erhöht. Dem Bericht zufolge sieht die Taskforce jedoch "eine vorübergehende Reduktion des Angebots ausschließlich als Ultima Ratio". Diese habe unmittelbare Auswirkungen auf Verkehrsunternehmen, Reisende, Wirtschaft und Beschäftigte. "Eine Reduzierung von Verkehrsangeboten stellt somit kein reguläres Instrument zur Verbesserung der Betriebsqualität dar."

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