Sanierung der historischen Bahnstrecke verzögert sich deutlich
Die Sanierung der Bahnverbindung zwischen Neubrandenburg und Friedland, die noch aus der Kaiserzeit stammt, wird sich um mehrere Monate verlängern. Ursprünglich sollte die Gleiserneuerung bis Ende 2026 abgeschlossen sein, doch nach aktuellen Angaben wird die vollständige Instandsetzung erst im März 2027 fertiggestellt. Dies teilte der Friedländer Bürgermeister Frank Nieswandt von der Partei Die Linke auf eine Anfrage des Nordkurier mit.
Historische Strecke mit eingeschränktem Betrieb
Die Bahnstrecke wurde bereits im Jahr 1884 eröffnet und genau 110 Jahre später, im Jahr 1994, für den regulären Personenverkehr stillgelegt. Seit dem Jahr 2024 verkehren zwar wieder Güterzüge zwischen den beiden Städten, doch aufgrund des maroden Zustands der Gleise dauern diese Fahrten unverhältnismäßig lange. Nach der abgeschlossenen Sanierung sollen Güterzüge mit einer Geschwindigkeit von 70 km/h fahren können, was die Effizienz deutlich steigern würde.
Aktuell werden für das Großprojekt auch Personalstellen ausgeschrieben, darunter die Position eines Projektmanagers Infrastruktur. Die Sanierungsarbeiten umfassen umfangreiche Gleisarbeiten und Instandhaltungsmaßnahmen an der 22 Kilometer langen Trasse.
Nachfrage nach Personenverkehr vorhanden, aber keine konkreten Pläne
Eine im April 2025 veröffentlichte Untersuchung der Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (VMV) ergab, dass an Werktagen etwa 534 Menschen eine Bahnverbindung zwischen Friedland und Neubrandenburg nutzen würden. Daraufhin organisierte der Fahrgastverband Pro Bahn im Sommer eine Sonderfahrt auf der historischen Strecke, die von rund 100 Eisenbahnfans und Neugierigen in einem sogenannten Ferkeltaxi des Neustrelitzer Hafenbahn-Vereins begleitet wurde.
Bürgermeister Frank Nieswandt betont, dass sich die Stadt Friedland über eine Wiedereinführung des Personenverkehrs freuen würde. Allerdings gibt es aus dem zuständigen Schweriner Infrastrukturministerium dazu keine positiven Signale. Pressesprecher Mattes Heyde erklärte, dass es derzeit keine konkreten Planungen zur Wiederaufnahme des Personenverkehrs gebe.
Weiterführende Untersuchungen in Vorbereitung
Laut Ministerium sind weiterführende Untersuchungen in Vorbereitung, wurden jedoch noch nicht beauftragt. In diesen Analysen sollen verschiedene Betriebskonzepte geprüft, notwendige Infrastrukturausbaubedarfe identifiziert und finanziell bewertet werden. Bei einer positiven Vorprognose würden anschließend Wirtschaftlichkeitsrechnungen nach der Methodik der Standardisierten Bewertung für Verkehrswegeinvestitionen durchgeführt.
Diese Berechnungen dienen dazu, den volkswirtschaftlichen Nutzen der erforderlichen Streckensanierung und eines möglichen Ausbaus zu bewerten. Dabei wird auch die Wirtschaftlichkeit von Instandsetzung und Schienenpersonennahverkehr berücksichtigt. Sollten alle Untersuchungen erfolgreich verlaufen, müsste zunächst die Finanzierung für Planung, Bau und Betrieb gesichert werden. Erst danach könnten entsprechende Planungs- und Baumaßnahmen umgesetzt werden.
Für potenzielle Fahrgäste bedeutet dies, dass eine Rückkehr des Personenverkehrs auf der historischen Strecke noch in weiter Ferne liegt. Die Sanierung der Gleise schreitet zwar voran, doch die Zukunft des Personenverkehrs bleibt vorerst ungewiss.



