Bahnstrecke Berlin-Hamburg: Nach Mega-Sperrung droht bereits nächste Baustelle in fünf Jahren
Berlin-Hamburg: Nächste Bahn-Baustelle droht schon 2030

Bahn-Albtraum für Pendler: Berlin-Hamburg-Strecke bleibt Dauerbaustelle

Schwerin/Berlin • Was für Pendler und Reisende zwischen Berlin und Hamburg wie ein endloser Albtraum anmutet, wird nun zur bitteren Realität: Die bereits monatelange Generalsanierung der zentralen Bahnverbindung zwischen Deutschlands beiden größten Metropolen verzögert sich um über sechs Wochen. Doch das ist nur der Anfang der schlechten Nachrichten.

Fünfjährige Verschnaufpause statt dauerhafter Ruhe

Ursprünglich hatte die Deutsche Bahn den betroffenen Fahrgästen eine acht- bis neunjährige baufreie Zeit nach Abschluss der aktuellen Arbeiten in Aussicht gestellt. Jetzt rudert das Staatsunternehmen zurück und spricht lediglich von einer fünfjährigen Verschnaufpause. Das bedeutet konkret: Bereits Anfang der 2030er Jahre könnte die nächste Mega-Sperrung dieser lebenswichtigen Verkehrsader anstehen.

Für Pendler in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein heißt das: Nach der aktuellen, fast einjährigen Vollsperrung und der bereits 2024 erfolgten mehrmonatigen Sperrung droht in wenigen Jahren die nächste monatelange Beeinträchtigung. Erneut müssten sie sich dann mit langen Umleitungsstrecken und einem oft chaotischen Schienenersatzverkehr arrangieren – ein Szenario, das bei der aktuellen Sperrung bereits zu erheblichen Problemen geführt hat.

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ETCS-Verzicht als Ursache für künftige Baustellen

Der Grund für diese bedrückende Perspektive liegt in einer strategischen Entscheidung der Bahnmanager. Der Einbau des europäischen Zugsicherungssystems ETCS wurde bei der aktuellen Generalsanierung bewusst ausgespart – aus Sorge vor zu hohem Aufwand und Komplexität. Diese Erfahrung hatte man bei der Sanierung der 75 Kilometer langen Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim gemacht.

Aus internen Bahnkreisen ist zudem zu hören, dass der ETCS-Einbau den finanziellen Rahmen gesprengt hätte. Die aktuelle Generalsanierung zwischen Berlin und Hamburg kostet bereits rund 2,2 Milliarden Euro. Damit erhält die Strecke lediglich eine Art „Light-Version“ der Sanierung – trotz der fast einjährigen Bauzeit zwischen Spree und Elbe.

Aktuelle Bauarbeiten und Zeitplan

Aktuell laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Die Deutsche Bahn erneuert 165 Kilometer Gleise, fast 250 Weichen und schafft sechs neue Überleitstellen. Sechs neue Stellwerke entstehen, während 19 weitere modernisiert werden. In den kommenden Wochen stehen noch anspruchsvolle Aufgaben an:

  • Endmontage der Leit- und Sicherungstechnik
  • Fertigstellung der Oberleitungen
  • Softwareupdate im Stellwerk Schwerin
  • Umfangreiche Arbeiten an den Bahnhöfen entlang der Strecke

Erst ab dem 14. Juni 2026 soll die Strecke wieder komplett befahrbar sein – ursprünglich war der Abschluss der Bauarbeiten bereits für den 30. April geplant gewesen. Diese Verzögerung von über sechs Wochen kommt für viele Pendler als zusätzliche Belastung hinzu.

Die Situation offenbart ein grundlegendes Problem im deutschen Schienenverkehr: Kurzfristige Kosteneinsparungen und vereinfachte Bauplanungen führen zu langfristigen Problemen und wiederkehrenden Beeinträchtigungen für Millionen von Fahrgästen. Die Entscheidung gegen den ETCS-Einbau mag heute Geld sparen, verlagert die Kosten und den Ärger jedoch direkt in die Zukunft – auf den Rücken der Pendler zwischen Nord und Ost.

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