Nach 48-Stündigem Warnstreik: Berliner Nahverkehr rollt wieder – Tarifkonflikt ungelöst
Nach zwei Tagen Stillstand im öffentlichen Personennahverkehr Berlins sind Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen seit Sonntagfrüh wieder im Einsatz. Der 48-stündige Warnstreik der Gewerkschaft Verdi, der den Verkehr in der Hauptstadt am Freitag und Samstag weitgehend lahmlegte, wurde pünktlich zum Betriebsbeginn am Sonntagmorgen beendet. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) teilten mit, dass alle Linien nun wieder ohne streikbedingte Einschränkungen verkehren.
Einschränkungen trotz Streikende
Lediglich einige Buslinien, die von BVG-Tochterunternehmen betrieben werden, waren während des Ausstands im Einsatz. Der S-Bahn- und Regionalbahnverkehr in Berlin war von dem Streik nicht betroffen, da diese Verkehrsmittel von anderen Unternehmen geführt werden. Die Berliner S-Bahn bot auf einzelnen Linien zusätzliche Fahrten an, und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) kündigte weitere Regionalzüge an.
Allerdings mussten sich Fahrgäste auch in den S-Bahnen auf Einschränkungen einstellen. Nach Angaben der Berliner S-Bahn auf der Plattform X fährt auf mehreren Linien noch bis Sonntagnacht kein Zugverkehr zwischen Schöneweide und Ostkreuz beziehungsweise Neukölln. Betroffen sind unter anderem die Linien S3, S41, S42, S46, S47, S8, S85 und S9. Stattdessen sind Ersatzbusse im Einsatz.
Zweiter Warnstreik in der Tarifrunde
Es handelt sich bereits um den zweiten Warnstreik in der laufenden Tarifrunde. Bereits Anfang Februar stand der Nahverkehr für 24 Stunden still. In Berlin wird nicht über höhere Löhne verhandelt, sondern über den sogenannten Manteltarifvertrag, der die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten regelt.
Warnstreiks auch in Brandenburg und anderen Bundesländern
Auch in Brandenburg hat der Warnstreik weite Teile des Nahverkehrs lahmgelegt. „Die Beteiligung war sogar noch besser als beim ersten Warnstreik“, sagte eine Verdi-Sprecherin am Freitag. In 16 Nahverkehrsbetrieben hatten sich Mitarbeiter an dem Ausstand beteiligt. Allerdings dauerte der Warnstreik nicht überall 48 Stunden. So fuhr etwa in Potsdam und in Frankfurt (Oder) der öffentliche Nahverkehr bereits am Samstag wieder.
In den meisten anderen Bundesländern liefen ebenfalls mehrtägige Warnstreiks. Verdi verhandelt parallel in allen 16 Bundesländern mit den Nahverkehrsunternehmen über neue Tarifverträge.
Forderungen der Gewerkschaft und Position der BVG
Verdi fordert unter anderem:
- Mehr Urlaubstage
- Eine Mindestruhezeit zwischen den Schichten von elf Stunden
- Mehr Urlaubsgeld mit Umwandlungsmöglichkeit in freie Tage
Ein zentrales Thema in den Verhandlungen ist die sogenannte Wendezeit, die die Zeit beschreibt, die Fahrerinnen und Fahrer am Ende einer Route haben, bevor sie wieder in die Gegenrichtung aufbrechen müssen. Verdi dringt darauf, dass diese ausnahmslos mindestens sechs Minuten beträgt.
Die BVG hält diese Forderung für nicht umsetzbar und fordert die Gewerkschaft auf, die Forderungen stärker zu priorisieren. Vorher sei kein Angebot dazu möglich. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 4. und 5. März angesetzt.



