Fluggast-Klagen in Brandenburg erreichen neuen Höchststand - Gerichte überlastet
Brandenburg: Fluggast-Klagen erreichen neuen Höchststand

Fluggast-Klagen in Brandenburg erreichen neuen Höchststand

Die Urlaubsfreude kann schnell getrübt werden, wenn Flüge mit stundenlanger Verspätung starten oder komplett ausfallen. Immer häufiger enden solche Situationen vor Gericht, wo Airlines und Reisende um Entschädigungen streiten. Für die Justiz in Brandenburg bedeutet dies eine wachsende Belastung, die sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft hat.

Amtsgericht Königs Wusterhausen mit massivem Anstieg

Das Amtsgericht Königs Wusterhausen, das für den Hauptstadtflughafen BER zuständig ist, verzeichnete im vergangenen Jahr einen weiteren deutlichen Anstieg bei Entschädigungsklagen von Fluggästen. Nach Gerichtsangaben wurden 2025 insgesamt 19.239 solcher Klagen eingereicht – das entspricht einem Plus von rund 5.000 Fällen gegenüber dem Vorjahr 2024. Damit machen die Klagen von Reisenden inzwischen beeindruckende 93 Prozent aller Zivilklagen an diesem Gericht aus.

„Die steigenden Eingangszahlen stellen das Amtsgericht Königs Wusterhausen dauerhaft vor erhebliche Herausforderungen, insbesondere hinsichtlich des Personalbedarfs“, erklärte ein Gerichtssprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die kontinuierlich wachsende Fallzahl überfordert die Kapazitäten der Justizbehörde zunehmend.

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Bundesweiter Vergleich und Entwicklung

Im bundesweiten Ranking landete das Brandenburger Gericht nach Zahlen des Deutschen Richterbundes für das Jahr 2025 auf Platz drei. An der Spitze lag das Amtsgericht Köln mit 22.491 Verfahren, gefolgt vom Amtsgericht Frankfurt mit 19.374 Klagen. Bundesweit gab es an den 19 Gerichten an Standorten mit größeren Flughäfen im vergangenen Jahr mehr als 121.000 Entschädigungsfälle von Reisenden.

Interessant ist die langfristige Entwicklung: Verglichen mit dem Stand vor fünf Jahren ist die Zahl der Klagen um 44 Prozent gestiegen. Allerdings ging die Anzahl der Verfahren im Vergleich zum Jahr 2025 um fast 10.000 zurück. Nach Einschätzung des Richterbundes liegt dies hauptsächlich daran, dass es beim Amtsgericht Köln deutlich weniger Klagen gab als in den Vorjahren.

KI-Unterstützung noch in der Testphase

Die Justiz sieht sich für die Bearbeitung dieser Massenfälle nicht ausreichend gewappnet. „KI-gestützte Richterassistenzsysteme, die eine schnellere Bearbeitung dieser gleichförmigen Massenfälle ermöglichen, befinden sich weiterhin in der Testphase“, sagte Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn vom Deutschen Richterbund.

Beim Gericht Königs Wusterhausen kommt seit Februar 2025 die KI-Anwendung „Kai“ zum Einsatz, die speziell auf die Analyse von Massenverfahren im Bereich der Fluggastrechte ausgerichtet ist. Das Tool stellt Informationen zwar schneller zur Verfügung, ersetzt aber nach Aussage des Gerichtssprechers „Aufgaben und Prüfungspflicht der Richter“ nicht. Die menschliche Kontrolle und Entscheidungsfindung bleibt somit unverzichtbar.

Veränderte Klagewege und zukünftige Herausforderungen

Fluggäste oder spezialisierte Portale haben nach Justizangaben die Wahl, ob sie am Sitz der Fluggesellschaft oder am Abflugort vor Gericht ziehen. Immer mehr Menschen nutzen inzwischen solche Portale, um ihre Ansprüche schnell und einfach durchsetzen zu können. Diese Entwicklung trägt zusätzlich zur steigenden Zahl der Verfahren bei.

Die Situation verdeutlicht die anhaltenden Probleme im Luftverkehr und die daraus resultierenden rechtlichen Auseinandersetzungen. Für die Brandenburger Justiz bedeutet dies weiterhin eine erhebliche Arbeitsbelastung, die ohne zusätzliche personelle und technische Ressourcen kaum zu bewältigen sein wird.

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