Brückenstreit in Neustadt-Glewe: Stadtvertreter fühlen sich bei Fahrradbrücken-Planung übergangen
In der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung von Neustadt-Glewe hat ein scheinbar routinemäßiges Bauprojekt überraschend für hitzige Diskussionen gesorgt. Es geht um den Ersatzneubau der Fahrradbrücke über den Eldefreilauf, ein Vorhaben, das eigentlich dringend notwendig ist, aber bei einigen Politikern auf Unverständnis stößt. Nicht etwa, weil die Finanzierung gefährdet wäre oder das Projekt an sich umstritten ist, sondern weil grundlegende Fragen offenbleiben.
Wie soll die neue Brücke aussehen? Niemand weiß es genau
Unter Tagespunkt 8 der Sitzung wurde die Einleitung und Ausgestaltung des Vergabeverfahrens für den Brückenneubau behandelt. Dabei fiel Christian Rosenkranz von der CDU auf, dass eigentlich kein Stadtvertreter so richtig wisse, wie die neue Brücke gestaltet werden soll. Eine konkrete Antwort blieb in der folgenden Diskussion aus, was bei einigen Abgeordneten für Unmut sorgte. Gleichwohl wurde die Einleitung des Verfahrens mit sehr großer Mehrheit beschlossen, denn beim Brückenbau drängt die Zeit erheblich.
Die neue Brücke muss bis zum 31. Dezember dieses Jahres fertiggestellt sein, eine Frist, die die Stadtverwaltung als sportlich bezeichnete. Einige Stadtvertreter waren jedoch überzeugt, dass dies locker zu schaffen sei. Bürgermeister Steffen Klieme wies darauf hin, dass auch die Widerlager und damit die Gründung der Brücke neu zu bauen seien, was den Aufwand erhöht. Stadtvertreter Martin Stahl von den Linken kritisierte das ganze Vorhaben als zu teuer.
Fördermittel setzen die Stadt unter erheblichen Druck
Grund für die Eile sind die 660.000 Euro an Fördermitteln, die Staatssekretärin Ines Jesse aus dem Wirtschaftsministerium in Schwerin der Stadt zu Beginn des Jahres überbracht hatte. Die Gesamtkosten des Brückenbaus sollen sich auf 880.000 Euro belaufen. Bürgermeister Klieme verfolgte die Diskussion einiger Stadtvertreter, die sich offenbar nicht richtig mitgenommen fühlten, mit sichtbarem Missmut.
In seiner Reaktion erklärte er: „Im Jahr 2024 hatten wir zwei verschiedene Varianten für die Brücke vorgestellt bekommen. Das war einmal Aluminium und einmal Stahl. Beim Aluminium war die Befürchtung, dass eventuelle Reparaturen teuer werden würden. Deswegen hatte man sich für die Stahlvariante ausgesprochen. An dieser Konstruktion so noch etwas zu ändern, war zeitlich einfach nicht möglich.“
Er betonte weiter: „Wir sind jetzt in den zeitlichen Abläufen so, wenn das jetzt alles gut geht, sind wir am 22. Dezember fertig. Auf dem Förderbescheid steht noch mal für alle: Fertigstellung, 31. Dezember. Also ich glaube, es ist jedem bewusst, was das für ein straffes Programm ist. Wir haben auch nicht so kurzfristig damit gerechnet, dass wir Fördermittel bekommen.“
Alte Brücke ist nicht mehr zu retten und steht vor Sperrung
Die alte Brücke ist in einem so maroden Zustand, dass selbst die Widerlager erneuert werden müssen. Eine Brückenprüfung hatte erhebliche Schäden festgestellt, die nicht wirtschaftlich repariert werden können. Die Hauptträger sind stark korrodiert, die Querschnitte geschwächt, und auch die Geländerkonstruktion ist beschädigt. Die Standsicherheit des Bauwerks ist nicht mehr gewährleistet, weshalb ein Abriss unvermeidbar ist. Auch ohne das Neubauprojekt steht die kaputte Brücke kurz vor einer Sperrung.
Aus dem Wirtschaftsministerium wurden Details zum Neubauprojekt mitgeteilt: „Das Neubauprojekt umfasst eine Einfeldbrücke aus Stahlträgern mit einer Spannweite von 16,35 Metern. Die Breite zwischen den Geländern wird drei Meter betragen. Die Brücke wird den Eldefreilauf überspannen und die Thälmann-Straße verbinden.“
Aufgrund der Nähe zu einer Grundschule und einem Hort wird sie vorwiegend von Schülern genutzt. Die Brücke ist zudem eine wichtige Verbindung für den Alltags- und Schulverkehr sowie für Touristen. Eine Nutzung durch Kraftfahrzeuge wird durch Poller an beiden Seiten verhindert.
Verwaltung verspricht schnellere Information und Transparenz
Immerhin will sich die Verwaltung nun zügig darum kümmern, auch eine vernünftige Ansicht der neuen Brücke zu erhalten und zu veröffentlichen. Dies könnte die Kritik der Stadtvertreter etwas mildern, die sich in der Planungsphase übergangen fühlten. Der Brückenstreit in Neustadt-Glewe zeigt, wie selbst bei dringenden Infrastrukturprojekten die Kommunikation zwischen Verwaltung und Politik verbessert werden muss, um Missverständnisse zu vermeiden.



