Massiver Stellenabbau bei DB Cargo: Neuer Chef plant radikale Kehrtwende
Bei der seit Jahren kriselnden Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn steht ein tiefgreifender Umbruch bevor. Der neue Vorstandsvorsitzende von DB Cargo, Bernhard Osburg, hat angekündigt, fast die Hälfte der Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen. Von den derzeit rund 14.000 Vollzeitstellen sollen insgesamt 6.200 wegfallen.
Umfassende Kürzungen in fast allen Unternehmensbereichen
Der geplante Stellenabbau betrifft laut Osburg nahezu alle Abteilungen des Unternehmens. Dazu zählen insbesondere:
- Fahrbetrieb und Disposition
- Planung und Administration
- Vertrieb und Informationstechnologie
Der radikale Schritt ist Teil eines umfassenden Sanierungsplans, mit dem Osburg das hochdefizitäre Unternehmen wieder profitabel machen will. Die Zeit drängt: Noch in diesem Jahr muss DB Cargo infolge eines EU-Beihilfeverfahrens wieder schwarze Zahlen schreiben, sonst droht das endgültige Aus.
Vier-Säulen-Plan zur Rettung des Unternehmens
Osburg, ein früherer Stahlmanager, hat einen Sanierungsplan mit vier zentralen Säulen vorgelegt:
- Europäische Ausrichtung: Da die Nachfrage im deutschen Güterverkehr bei Hauptkunden aus Auto-, Chemie- und Stahlindustrie schwächer wird, will Osburg den Fokus auf das europäische Ausland legen. „Wir bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit grenzüberschreitenden Systemlösungen aus“, betonte er.
- Kosteneinsparungen: Bis 2030 sollen rund eine Milliarde Euro eingespart werden. Neben dem Wegfall von 4.000 Arbeitsplätzen gehören dazu eine schlankere Verwaltung und Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark.
- Neuausrichtung des Einzelwagenverkehrs: Weitere 2.000 Stellen fallen im defizitären Einzelwagenverkehr weg, der grundlegend neu strukturiert werden soll. Die Zugbildung wird künftig auf vier Hauptstandorte konzentriert, zwölf von 27 Instandhaltungswerken sollen geschlossen oder verkauft werden.
- Neue Unternehmenskultur: Osburg will mehr Verantwortungsgefühl bei Entscheidungsträgern etablieren und verbindliche Umsetzungspläne für das neue Konzept einführen.
Zeitdruck und historische Vorgeschichte
Der operative Verlust belief sich im vergangenen Jahr laut Osburg noch auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Schon seine Vorgängerin, Sigrid Nikutta, war mit ihrem Sanierungskonzept gescheitert, nachdem es in einem externen Gutachten durchgefallen war.
Osburg betont nun, eine Strategie mit mittelfristiger Ausrichtung bis 2030 vorgelegt zu haben. Die gutachterliche Bestätigung wird für Ende Februar erwartet. In dieser Woche wurden bereits die Beschäftigten sowie der Aufsichtsrat von DB Cargo informiert.
Bis zum Sommer sollen weitere Details geklärt werden, bevor das Konzept schrittweise umgesetzt wird. Die neue Struktur im Einzelwagenverkehr soll bis 2027 realisiert sein. Osburg räumt ein, dass dieses Geschäftsfeld auch in der neuen Struktur defizitär bleiben und die Bahn weiter auf Bundesförderung angewiesen sein wird.



