Fahrlehrer aus Pasewalk kritisieren geplante Reformpläne scharf
Die geplante Reform der Fahrschulausbildung sorgt bei Fahrlehrern in der Region Uecker-Randow für erhebliche Bedenken. René Thom, Inhaber einer Fahrschule in Pasewalk, äußert deutliche Kritik an den aktuellen Überlegungen. "Es darf nicht am falschen Ende gespart werden", warnt der erfahrene Fahrlehrer. Wenn finanzielle Erwägungen über die Sicherheit im Straßenverkehr gestellt würden, sei dies absolut inakzeptabel.
Qualität der Ausbildung entscheidend für Unfallstatistik
René Thom wird in seiner Einschätzung von seinen Mitarbeitern Max Splettstößer und Dustin Klinkenberg unterstützt. Gemeinsam verweisen sie auf die positive Entwicklung der Unfallzahlen bei jungen Fahrern. "Aufgrund guter Ausbildung ist die Zahl der Verkehrstoten bei den 18- bis 24-jährigen Fahrern von 2749 im Jahr 1991 auf 326 im Jahr 2020 zurückgegangen", betont Thom. Diese Erfolgsgeschichte dürfe nicht durch kurzsichtige Sparmaßnahmen gefährdet werden.
Die Fahrlehrer zeigen sich besorgt, dass in den bisher bekannten Reformplänen die Verkehrssicherheit zu wenig Beachtung finde. "Was uns aber viel mehr interessiert, ist, dass die Verkehrssicherheit bislang komplett hinten anstand", moniert der Fahrschulinhaber. Statt ausschließlich über finanzielle Aspekte zu diskutieren, müsse die Qualität der Ausbildung im Mittelpunkt stehen.
Eltern als Fahrlehrer: Emotionale Faktoren und Sicherheitsrisiken
Ein besonderer Kritikpunkt betrifft Überlegungen, die praktische Ausbildung stärker in die Hände der Eltern zu legen. Fahrschülerin Kim bringt es auf den Punkt: "Die Grundregeln hat mir zwar meine Mutter beigebracht, aber richtig fahren lernen möchte ich dann doch lieber mit einem Profi". Die Eltern hätten ihren Führerschein vor 20 oder 30 Jahren gemacht – in dieser Zeit habe sich im Straßenverkehr vieles verändert.
Dustin Klinkenberg weist auf ein grundlegendes Problem hin: "Weil man zu den Eltern eben nicht die Distanz hat, wie zu einem Fahrlehrer". Emotionale Konflikte vom Frühstückstisch könnten so in die Fahrstunde mitgenommen werden, was Fokus und Konzentration beeinträchtige. Beim professionellen Fahrlehrer liege der Schwerpunkt dagegen ausschließlich auf der Fahrschule.
Technische und pädagogische Unterschiede
Ein wesentlicher Sicherheitsaspekt wird oft übersehen: Fahrschulautos verfügen über spezielle Pedale auf der Beifahrerseite, mit denen der Fahrlehrer im Notfall eingreifen kann. Diese technische Sicherheitsvorkehrung fehlt in Privatfahrzeugen komplett.
René Thom betont zudem, dass viele Eltern gar nicht die Verantwortung für die Fahrpraxis ihrer Kinder übernehmen wollen. "Nach nur sechs Fahrstunden mit den Eltern im Privat-Pkw am normalen Straßenverkehr teilzunehmen, ist eine ganz andere Hausnummer", erklärt der Fahrlehrer. Die Risikobereitschaft und der jugendliche Leichtsinn erforderten professionelle Begleitung.
Besondere Situation im ländlichen Raum
In Regionen wie Uecker-Randow beginnt die Mobilität junger Menschen besonders früh. Mit 15 Jahren das Moped, mit 16 das kleine Motorrad und mit 17 bereits das begleitete Fahren mit den Eltern. "Dadurch können junge Fahrer relativ früh Fahrerfahrung sammeln, bekommen also zeitiger ein Bewusstsein fürs Risiko", verdeutlicht Thom.
Gerade diese frühe Fahrpraxis mache eine qualitativ hochwertige Ausbildung umso wichtiger. Ein Mopedfahrer ohne Knautschzone habe bei einem Fehler schwerwiegende Konsequenzen zu befürchten. "Deshalb plädiere ich auch weiterhin für eine gute Ausbildung", appelliert der Fahrlehrer.
Appell an die Politik
Die Fahrlehrer aus Pasewalk richten einen deutlichen Appell an die politischen Entscheidungsträger: Bei der geplanten Reform dürfe die Verkehrssicherheit nicht dem Sparzwang zum Opfer fallen. Die positiven Rückmeldungen der Fahrschüler für Tipps und Ratschläge abseits der Prüfungsrichtlinien zeigten, wie wichtig die professionelle Begleitung sei.
"Nicht alle Verkehrsteilnehmer verhalten sich regelkonform. Und das können Mama und Papa eben nicht so vermitteln", ergänzt Dustin Klinkenberg. Die Diskussion müsse sich unabhängig vom Preis ausschließlich auf die Sicherheit im Straßenverkehr konzentrieren.



