Fahrlehrer aus Pasewalk kritisieren geplante Fahrschulreform scharf
Die geplante Reform der Fahrschulausbildung bereitet Fahrlehrer in der Region Uecker-Randow erhebliche Sorgen. René Thom, Inhaber einer Fahrschule in Pasewalk, warnt gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Max Splettstößer und Dustin Klinkenberg davor, dass Sparmaßnahmen nicht zulasten der Verkehrssicherheit gehen dürfen. „Es sollte nicht am falschen Ende gespart werden“, betont Thom nachdrücklich. „Wenn der Preis zulasten der Sicherheit geht, ist das absolut inakzeptabel.“
Emotionale Distanz und professionelle Kontrolle als entscheidende Faktoren
Ein zentraler Kritikpunkt der Fahrlehrer betrifft die geplante Möglichkeit, dass Fahranfänger nach nur sechs Fahrstunden mit ihren Eltern im normalen Straßenverkehr üben dürfen. „Das ist eine ganz andere Hausnummer“, erklärt René Thom. Der professionelle Fahrlehrer verfügt über entscheidende Vorteile:
- Notfallpedale auf der Beifahrerseite zur sofortigen Intervention
- Emotionale Distanz zum Fahrschüler für bessere Konzentration
- Professionelles Feedback abseits familiärer Dynamiken
Dustin Klinkenberg ergänzt: „Ein Streitgespräch vom Frühstückstisch kann beim Fahren mit den Eltern mit ins Auto genommen werden. Beim Fahrlehrer liegt der Fokus vollständig auf der Fahrschule.“
Junge Fahrer bleiben größte Risikogruppe im Straßenverkehr
René Thom verweist auf alarmierende Statistiken: Junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren stellen nach wie vor die größte Risikogruppe bei Unfällen mit Verletzten dar. „Jugendlicher Leichtsinn und mangelnde Erfahrung sind eine gefährliche Kombination“, so der Fahrschulinhaber. Allerdings zeigen die Zahlen auch positive Entwicklungen: Durch verbesserte Ausbildung sank die Zahl der Verkehrstoten in dieser Altersgruppe von 2.749 im Jahr 1991 auf nur noch 326 im Jahr 2020.
Landjugend sammelt früher Fahrerfahrung
Besonders auf dem Land beginnt die Mobilität junger Menschen früher. Mit 15 Jahren starten viele mit dem Moped, gefolgt vom kleinen Motorrad mit 16 und dem begleiteten Fahren ab 17 Jahren. „Dadurch sammeln junge Fahrer relativ früh Erfahrung und entwickeln schneller ein Risikobewusstsein“, erläutert Thom. Gleichzeitig betont er: „Gerade deshalb ist eine qualitativ hochwertige Ausbildung so entscheidend. Ein Fehler auf dem Moped ohne Knautschzone kann schwerste Verletzungen bedeuten.“
Fahrschüler bestätigen den Wert professioneller Ausbildung
Fahrschülerin Kim unterstützt die Position der Fahrlehrer: „Die Grundregeln hat mir zwar meine Mutter beigebracht, aber richtig fahren lernen möchte ich dann doch lieber mit einem Profi.“ Sie verweist darauf, dass sich seit der Fahrschulzeit ihrer Eltern vor 20 oder 30 Jahren viel im Straßenverkehr verändert hat. Dustin Klinkenberg fügt hinzu: „Nicht alle Verkehrsteilnehmer verhalten sich regelkonform. Diese Realität können Eltern oft nicht so authentisch vermitteln wie erfahrene Fahrlehrer.“
Appell für Sicherheit vor Wirtschaftlichkeit
René Thom kritisiert, dass die bisher diskutierten Reformvorschläge vor allem wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen. „Was uns aber viel mehr interessiert, ist, dass die Verkehrssicherheit bislang komplett hinten anstand“, moniert der Fahrschulinhaber. Er wünscht sich, dass die positive Statistik weiter verbessert wird und junge Menschen weiterhin sicher das Autofahren lernen können. Die Fahrlehrer aus Pasewalk appellieren eindringlich: Die Qualität der Fahrausbildung darf nicht dem Sparzwang geopfert werden, denn am Ende geht es um Menschenleben auf deutschen Straßen.



