Führerscheinreform: Eltern als Fahrlehrer und Online-Theorie - Experten skeptisch
Die geplante Führerscheinreform des Bundesverkehrsministeriums verspricht, die Kosten für den begehrten Führerschein deutlich zu reduzieren. Doch während die Ideen von Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) auf dem Papier überzeugen mögen, zeigen sich Praktiker wie die Hamburger Fahrlehrerin Katja Kahle äußerst skeptisch.
Luxusgut Führerschein: Bis zu 4500 Euro für die Fahrerlaubnis
Der Führerschein für Pkw bis 3,5 Tonnen hat sich in den letzten Jahren zu einem kostspieligen Unterfangen entwickelt. „Der Führerschein gilt inzwischen fast als Luxusgut“, stellt Fahrlehrerin Kahle fest. Tatsächlich liegen die Kosten in manchen Regionen Deutschlands mittlerweile zwischen 2400 und 4500 Euro. Fahrschülerin Tina Glasow hat bereits knapp 2000 Euro investiert und benötigt voraussichtlich noch etwa 30 weitere Fahrstunden zu je 65 Euro, was ihre Gesamtkosten auf rund 4000 Euro treiben würde.
Umstrittene Sparmaßnahmen: Laienausbildung und reduzierte Pflichtstunden
Verkehrsminister Schnieder plant radikale Änderungen: Eltern, Freunde oder Bekannte sollen künftig einen Teil der Fahrausbildung übernehmen können. Zudem sollen die sogenannten Sonderfahrten auf der Autobahn von vier auf nur noch eine Pflichtstunde reduziert werden. „Ob der Gesetzgeber jetzt sagt eine oder vier, ist im Prinzip völlig egal, weil der Fahrschüler muss so viele Stunden machen, bis er es kann“, kommentiert Kahle diese Pläne nüchtern.
Sicherheitsbedenken: Keine Bremse auf dem Beifahrersitz
Besonders kritisch sieht die erfahrene Fahrlehrerin die Sicherheitsaspekte der Laienausbildung. „Wenn dann bei der Laienausbildung der Fahrschüler Gas und Bremse verwechselt, was durchaus vorkommt, sollte man wissen, was man auf dem Beifahrersitz zu tun hat“, warnt Kahle. Im Gegensatz zu Fahrschulwagen verfügen Privatfahrzeuge nicht über zusätzliche Pedale für den Beifahrer. Fahrschülerin Glasow bestätigt: „Man ist so ja schon unsicher, man hat ein bisschen Angst, aber wenn man weiß: Okay, der Fahrlehrer kann auch bremsen im Notfall, fühlt man sich doch ein bisschen besser.“
Online-Theorie: Sparpotenzial oder Illusion?
Eine weitere Sparidee des Ministeriums sieht vor, dass Fahrschulen ihren Theorieunterricht künftig online anbieten können. Schüler würden selbstständig lernen und direkt zur Prüfung antreten. Doch auch hier bleibt Kahle skeptisch: „Auch der Onlineunterricht macht sich nicht von alleine. Auch da muss ein Fahrlehrer stehen und den halten. Der kriegt das gleiche Gehalt.“ Zudem würden Fahrschüler den persönlichen Kontakt vermissen, wie eine Fahrschülerin erklärt: „Ich persönlich bin eher ein Fan davon, die Theoriestunden in Präsenz zu machen, weil man dann nochmal nachfragen kann.“
Fahrschulen in der Krise: Anmeldungen brechen ein
Seit der ersten Ankündigung der Reform im Oktober 2025 verzeichnen viele Fahrschulen einen deutlichen Rückgang der Anmeldungen. Bei Katja Kahle im Hamburger Norden sind die Anmeldungen um etwa die Hälfte eingebrochen. „Auch die Leute, die schon angemeldet sind, verschieben jetzt den Anfang ihrer Ausbildung“, berichtet die Fahrlehrerin. Um ihre Fahrschule dennoch wirtschaftlich betreiben zu können, muss Kahle ab März die Preise für Fahrstunden von 65 auf 69 Euro erhöhen.
Langer Weg bis zur Umsetzung
Bis die geplante Reform tatsächlich Wirkung zeigen könnte, dürfte noch viel Zeit vergehen. Ende März müssen sich zunächst Bundesländer und Ministerium auf ein konkretes Maßnahmenpaket einigen. Bislang handelt es sich bei den Sparvorschlägen lediglich um Ideen des Verkehrsministers. Für Fahrschüler wie Tina Glasow bedeutet dies weiterhin hohe Investitionen in ihre Mobilität, während die Diskussion über die richtige Balance zwischen Kostensenkung und Verkehrssicherheit weitergeht.



