Fischer Air: Kasseler Flughafen in dubiose Flugpläne verstrickt
Die Geschichte um die umstrittene Fluggesellschaft Fischer Air nimmt immer absurdere Züge an. Das Unternehmen, das noch keine offizielle Genehmigung für den Flugbetrieb besitzt, aber bereits Tickets verkauft hat, zieht nun auch den krisengeschüttelten Flughafen Kassel in seinen Sog. Geschäftsführer Václav Fischer (71) hatte Urlaubern eine Rückerstattung des Geldes versprochen, während der Airport verzweifelt nach Flugverbindungen sucht, um tägliche Verluste von 14.000 Euro zu stoppen.
Flughafen Kassel wirbt mit fragwürdigen Flugplänen
Auf der Website des Flughafens Kassel sind regelmäßige Verbindungen von Fischer Air nach Las Palmas auf Gran Canaria, Heraklion in Griechenland oder Mallorca aufgeführt. Diese Flüge tragen die Kennung „FF“ und suggerieren einen operativen Betrieb. Flughafen-Chef Lars Ernst sucht händeringend nach Flugverbindungen, da aktuell nur TUIfly mit sieben Zielen und Sky Alps mit Flügen nach Bozen in Südtirol als seriöse Airlines am Standort aktiv sind.
Der hessische Verbraucherschützer Peter Lassek zeigt sich entsetzt über diese Praxis. Er betont: „Der Airport ist für den Inhalt seiner eigenen Website verantwortlich. Wenn er von fehlerhaften Inhalten oder Rechtsverstößen Kenntnis erlangt, muss er aktiv werden.“ Lassek weist darauf hin, dass dem Flughafen bekannt war, dass Fischer Air keine Betriebserlaubnis besaß und bis heute nicht vorliegt.
Druck von der Landesregierung und finanzielle Probleme
Die hessische Landesregierung, die mehr als die Hälfte der Anteile an der Flughafen GmbH hält, übt nun Druck aus. Till Kaesbach (41), Staatssekretär im hessischen Finanzministerium und Aufsichtsratsvorsitzender, ließ über seinen Sprecher mitteilen: „Die Geschäftsführung wurde gebeten, die Darstellung im Flugplan sowie auf der Website zu überprüfen und dort nur solche Verbindungen zu führen, für die belastbare operative Voraussetzungen vorliegen.“
Gleichzeitig offenbaren sich massive finanzielle Probleme bei Fischer Air. In der Leasing-Firma des Unternehmers klafft ein Millionen-Loch, was die Beantragung der notwendigen Genehmigung AOC („Air Operator Certificate“) in der Slowakei gefährdet. Fischer muss gegenüber Behörden nachweisen, dass er mindestens 24 Monate finanziell durchhalten kann.
Flughafen rechtfertigt sich und Hamburg distanziert sich
Flughafen-Chef Ernst verteidigt das Vorgehen seines Airports: „Es besteht kein gesonderter, individuell ausgehandelter Vertrag zwischen dem Kassel Airport und Fischer Air. Wie an Flughäfen üblich, entsteht ein Vertragsverhältnis durch die tatsächliche Nutzung der Flughafeninfrastruktur.“ Er betont, dass die luftrechtliche Zulassung von Airlines Aufgabe der zuständigen Behörden sei, nicht des Flughafens.
Währenddessen distanziert sich der Hamburger Flughafen deutlich von Fischer Air. Ein Sprecher teilte mit: „Aktuell gibt es keine Gespräche zwischen Hamburg Airport und Fischer Air. Zurzeit sind keine Slots über die Flughafenkoordination Deutschland für Flüge von oder nach Hamburg reserviert.“ Dies unterstreicht die isolierte Position des Kasseler Airports in dieser Angelegenheit.
Das Terminal in Kassel bleibt vorerst eine gähnende Leere, während die Verwirrung um die dubiose Fluggesellschaft und die fragwürdige Werbung des Flughafens weiter zunimmt. Verbraucherschützer fordern klare Verhältnisse und transparente Informationen für alle Kunden.



